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Unfallgefahr auf Küsters Kamp: Grabsteine lose

Samtgemeinde Nenndorf (rwe). Der Friedhof in Bad Nenndorf bleibt das Sorgenkind der Samtgemeinde. Bei der jährlichen Kontrolle der Grabsteine hat die Verwaltung dort auch erneut die meisten Mängel notiert.

veröffentlicht am 27.04.2007 um 00:00 Uhr

Zwei Tage lang streifte Ingrid Meyer aus dem Friedhofsamt mit ihren Kollegen Detlef Ermel und Dietmar Halmüber die Friedhöfe, zunächst in den Außengemeinden, danach in der Kurstadt. 5034 Gräber stehen in der Liste, mit einer Zahl von 2983 befindet sich mehr als die Hälfte davon in Bad Nenndorf. Zwangsläufig blieben auch die meisten Aufkleber in der Kurstadt. Jedes ungepflegte Grab bekommt ein grünes Schild an den Stein gepappt mit dem Hinweis, für Ordnung zu sorgen. 26 Gräber hatte das Trio in Bad Nenndorf zu beanstanden, in den übrigen Gemeinden waren es gerade mal acht. In den kleinen Orten würden die Grabstellen einfach noch häufiger gepflegt, sagt Ermel, der sonst im Bauhof tätig ist. "Die Angehörigen kümmern sich dort noch mehr darum." Bei den Gräbern in Bad Nenndorf wohnten oft die Familien nicht mehr im Ort, viele Grabstellen verwildern und wuchern zu. Oder es handelt sich um ehemalige Bewohner aus einem der Pflegeheime, deren Verwandte entfernt leben. Ermel blieb es auch vorbehalten, die Steine auf ihre Stabilität hin zu prüfen. Mit einem speziellen "Kipp-Tester" lehnt er sich jedes Mal gegen den Block, erst bei einer Kraft von 300 Newton tutet das Gerät und gibt Entwarnung. 13 Mal kam bei der Kontrolle in Bad Nenndorf kein Ton heraus, dann zückte Halm einen leuchtend gelben Aufkleber mit der Warnung "Unfallgefahr" und der Aufforderung, den Grabstein umgehend zu reparieren. "Das geschieht auch meistens", sagt Halm. Eine Handhabe hat die Samtgemeinde allerdings nicht, kann die Angehörigen nicht mit einem Bußgeld belegen. Der Aufkleber bleibt zunächst auch der einzige Hinweis für die Familien. Nach sechs Wochen kontrollieren die Mitarbeiter die bemängelten Grabstellen. Sollte sich dann noch nichts getan haben, haken sie nach, oder das Amt schickt einen Brief. Auf den Dörfern ist es einfacher, noch Angehörige der in solchen Fällen meist schon vor vielen Jahren Verstorbenen zu ermitteln, sagt Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese. Dort kennen die Friedhofsgärtner oft die Hinterbliebenen und sprechen diese an. Wenn sich dann allerdings nichts tut, muss die Verwaltung handeln. "Dann sorgen wir mit Bordmitteln für Abhilfe", erklärt Reese. Was nichts anderes heißt, als dass die Samtgemeinde auf den Kosten sitzen bleibt. Denn die Friedhöfe sind bereits seit Jahren ein Zuschussgeschäft - der dafür vorgesehene Gebührenhaushalt weist dieses Jahr ein Minus von 118 000 Euro aus. Das will die Politik bekanntlichändern und hat deshalb eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich darum kümmern soll, wie sich möglichst günstig der Zustand auf den Friedhöfen verbessern lässt - vor allem in Bad Nenndorf.



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