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Schulleiter zieht positive Bilanz und befürwortet einen gymnasialen Zweig: „Keine direkte Konkurrenz für Hameln“

Und wie funktioniert die neue Oberschule in der Praxis?

Hessisch Oldendorf (doro). Seit August werden die Schüler der ehemaligen Hauptschule am Hohenstein und der Wilhelm-Busch-Realschule in der neuen Oberschule zusammen unterrichtet. Wie sie genau strukturiert ist, wissen aber die wenigsten. Kritiker hatten der CDU-Landesregierung im Vorfeld vorgeworfen, das Konzept für das neue Schulmodell mit heißer Nadel gestrickt zu haben. Im Vergleich zur IGS sei die Chancengleichheit nicht gewahrt worden, hieß es, weil die Oberschule Startvorteile habe. Befürworter verwiesen darauf, dass in der neuen Schulform Elemente von IGS und KGS optimal verschmelzen und die Schulen viel Entscheidungsfreiheit in der Ausgestaltung haben.

veröffentlicht am 18.10.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 07:41 Uhr

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Aber wie sieht eigentlich die Praxis aus? „Der Unterricht ist gut angelaufen“, sagt Schulleiter Ottmar Framke. In der neuen Oberschule rauft man sich derzeit zusammen – Schüler wie Lehrer: Diejenigen, die sonst die Hauptschule besucht hätten, gehen in den Reihen der „Realschüler“ auf. „Ich finde es gut, dass wir jetzt auf die Oberschule gehen, weil wir dann keine Hauptschüler mehr sind“, spricht einer das aus, was wohl viele ehemalige Hauptschüler denken.

Eine Umstellung sei es vor allem für die Lehrer, erklärt Ottmar Framke. Die Vorbereitung muss nun sowohl für starke als auch für schwächere Schüler adäquat sein, denn die Hessisch Oldendorfer Oberschule hat sich entschieden, die Schüler in der fünften Klasse nicht mehr zu sortieren. Erst in der sechsten Klasse wird es in den Fächern Englisch und Mathematik, ähnlich wie in der ehemaligen Orientierungsstufe, eine Einteilung in A- und B-Kurse geben. Neu dazu kommt im 6. Jahrgang wahlweise die zweite Fremdsprache oder zwei Wahlpflichtkurse zum Beispiel in Informatik und Biologie oder zusätzliche Stunden in Mathematik und Deutsch. Erst in der achten Klasse kommen durch schulzweigbezogenen Unterricht die Profile der Haupt- und Realschule zum Tragen. Für praktisch veranlagte Schüler bietet sich im Jahrgang 9 an zwei Tagen berufsfeldbezogener Unterricht an der Eugen-Reintjes- und der Elisabeth-Selbert-Schule an. Wert gelegt wird beim neuen Modell auf Durchlässigkeit, mit dem Über- und Unterforderung sowie Sitzenbleiben stark reduziert werden sollen.

Einen Vorteil hat die Hessisch Oldendorfer Schule dadurch, dass viele Lehrkräfte die Fachleistungs- und die innere Differenzierung noch aus der Orientierungsstufenzeit kennen. Die Schule wird als teilweise gebundene Ganztagsschule mit verpflichtendem Nachmittagsunterricht an zwei Tagen geführt. „Ich finde dieses Kompromissmodell gut“, sagt Ottmar Framke, denn ein Nachmittagsmodell auf rein freiwilliger Basis werde von den Schülern „sehr locker gesehen“.

So weit, so gut. Doch was passiert, wenn der von Kommunal- und Kreispolitikern geforderte gymnasiale Zweig vom Kultusministerium genehmigt wird? Muss dann wieder umstrukturiert werden?

„Nein“, sagt der Schulleiter, auch dann werden die Schüler nach der vierten Klasse nicht aufgeteilt. Erst im 6. Jahrgang werden die Schüler im Gymnasialzweig schulzweigbezogen unterrichtet.

Für einen gymnasialen Zweig sind nach Aussage von Ottmar Framke auch der Schulelternrat sowie viele Eltern. Die Gründe: Der Zweig biete Schülern, die leistungsmäßig zwischen Gymnasium und Oberschule ständen, eine gute Chance. Zudem könnten die Schüler wohnortnah in einem kleineren System beschult werden.

Im Fokus eines gymnasialen Oberschulzweiges stehen aus Sicht von Ottmar Framke Schüler, die im Anschluss einen Abschluss an den berufsbildenden Schulen anstreben, „also nicht das Abitur an einem klassischen Gymnasium.“

So gesehen sei ein gymnasialer Zweig auch keine direkte Konkurrenz für das Schiller-, das Viktoria-Luise- und das Albert-Einstein-Gymnasium, betont Ottmar Framke. In Hessisch Oldendorf ist man sich nicht nur des Veto-Rechts der Stadt Hameln bezüglich eines gymnasialen Zweiges an der Oberschule sehr wohl bewusst, man weiß auch, dass die Hamelner Gymnasien im Hinblick auf die demografische Entwicklung auf die Schülerzahlen schielen.

Ottmar Framke sieht das gelassen: „Die drei Hamelner Gymnasien sind quantitativ gut ausgelastet, und der Schwerpunkt ist bei uns ein anderer. Wir wollen die Gymnasien qualitativ stärken, indem eine bestimmte Schülergruppe bei uns in Hessisch Oldendorf bleibt und nicht den Weg an ein klassisches Gymnasium geht.“

Neben den strukturellen Veränderungen muss die Schule derzeit auch noch die baulichen bewältigen: Der Umzug der Klassen, des Sekretariats und des Lehrerzimmers aus den Containern ins neue Gebäude steht in den Herbstferien an, der der Fachräume im November und der Abriss des Gebäudetraktes C Anfang Dezember.



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