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Ein Ross ziert das Groninger Wahrzeichen, den Martinitoren – und auch sonst ist die Metropole außergewöhnlich schön

Und täglich grüßt das Wetterpferd von der Turmspitze

Groningen. Pling. Plingpling. Swusssssscchh. Pling. Swussch. In Deutschland wäre er eine Fußgängerzone mit strikten Durchfahrtsverboten für Zweiräder, in den Niederlanden ist er eine hoch frequentierte Fahrradautobahn: Groningens A-Kerkhof. Wer im Herzen der Altstadt mal eben die Straßenseite wechseln möchte, sollte sich das gut überlegen: Vorbeisausende Hollandräder, zischende Speichen, „Vorsicht“ rufende Fahrradklingeln und scheppernde Gepäckträger lassen Passanten einen Moment warten. Und noch einen. Und noch einen. Und oft auch noch einen. Doch die erzwungene Beruhigung des Fußgängerverkehrs hat ihre gute Seite: Sie schenkt Besuchern einige Minuten Zeit, um sich einmal umzusehen. Zeit, von der man in Groningen gar nicht genug bekommen kann.

veröffentlicht am 12.06.2009 um 17:20 Uhr

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Die größte Stadt im Norden der Niederlande bietet Lieblingsplätze en masse. „Mein Ausflugstipp ist Noorderplantsoen, der Park hinter dem Noorderhaven“, empfiehlt die 22-jährige Cristel. „Dort kann man sich im Grünen erholen – und im Restaurant richtig schick essen gehen!“ Der Student Jos sitzt lieber im alten Hafenviertel auf den Treppenstufen eines Hauseingangs an der Hoge der A, spielt vor dem schlummernden Kanal auf seiner Akustikgitarre und lässt sich vom Geschrei der Möwen begleiten. Und den 31-jährigen Arne zieht es immer wieder auf den Vismarkt, wo er sich eine große Portion Kibbeling gönnt. Das mit Teig überzogene und frittierte Fischfilet mit Knoblauchsoße und Remoulade ist an den niederländischen Imbissbuden beinahe so beliebt, aber immerhin bekannter als die Presspommes, jene kringeligen Kartoffelkunstwerke, die direkt ins heiße Fett gepresst werden.

Pulsierendes Zentrum der Provinz

Doch Groningen bietet weitaus mehr als nur Fahrräder und Frittiertes. Die Stadt ist das pulsierende Zentrum der Provinz und ein Paradies für Freunde ausgefallener Architektur: Selten sind alte und neue Gemäuer so reizvoll miteinander kombiniert. Zum Beispiel am Goudkantoor: Das 1635 erbaute Goldkontor ist durch ein modernes Glasdach mit dem Waagstraatkomplex verbunden. Auch der Hauptbahnhof im Süden der Kernstadt lässt Ankömmlinge staunen: Das monumentale Gebäude im Stil niederländisch-flämischer Gotik überrascht mit einem schräg angelegten Stadtbalkon, unter dem sich Stellplatz für 5000 Fahrräder bietet.

Besonders stolz aber sind die „Stadjers“, die Groninger, auf ihre Museumsinsel, die das wahrscheinlich beeindruckendste Museum des Landes beherbergt. Entworfen vom italienischen Architekten Mendini, sind hier bemerkenswerte Ausstellungen zu sehen – und das quasi unter Wasser! Was von außen aussieht wie einzelne Museumsbauten und -türme, ist ein großer Komplex, in dem unterirdisch die wohl farbigsten Galerieräume der Welt darauf warten, die Besucher zu verblüffen. Zwischen knallbunten Mosaikfliesen, auf zartlila gestrichenen Wänden hängen die Porträts der Stadtältesten über rosafarbenem Fußboden. Renommierte Sonderausstellungen locken zudem Kunstinteressierte an.

4 Bilder
Die Groninger Museumsinsel.

Die schönste Parkgarage der Niederlande

Nicht nur in dem faszinierenden Bau, auch auf Grünstreifen und inmitten einiger Verkehrskreisel ist Kunst platziert: Neben altehrwürdigen Denkmälern, Skulpturen oder zeitgenössischen Plastiken entlockt der Tschumipavillon am Hereplein Spaziergängern ein erstauntes „Huch?!“: Der diagonal konzipierte Glasbau ist nicht zu übersehen; er dient Künstlern als Podium für Medienprojekte. Sogar Autofahrer dürfen im Land der Zweiräder ein verdutztes „Nanu?!“ äußern: Unter dem Ossenmarkt befindet sich die wohl schönste Parkgarage der Niederlande mit einer changierenden Lichtinstallation Peter Struyckens.

Der beste Blick über das Zentrum aber bietet sich von oben: vom Martinitoren aus; der 97 Meter hohe Turm aus dem 15. Jahrhundert ist das Wahrzeichen der Stadt, wird „d’Olle Grieze“ (der alte Graue) genannt und kann bestiegen werden. Plingpling. Wer jedoch allzu zielstrebig auf ihn zu eilt, sollte aufpassen: Auch der Grote Markt ist – wie beinahe jede Straße hier – eine Fahrradautobahn.

SERVICE

Die Stadt: Groningen, die Hauptstadt der gleichnamigen niederländischen Provinz, hat 185 000 Einwohner. Seit 1614 gibt es in der ehemaligen Hansestadt eine Universität, hinzugekommen sind zahlreiche Fachhochschulen. Weitere Informationen – auch auf Deutsch – im Internet: http://www.groningen.nl

Das Museum: Das Groninger Museum zeigt noch bis zum 20. September die sehr sehenswerte Ausstellung „Kuba! Kunst und Geschichte von 1868 bis heute“; Erwachsene zahlen 10 Euro.

Die Übernachtung: Einen hervorragenden Ruf genießt das stilvolle Asgard Hotel für das von Henk Bakker entworfene Design-Konzept mit geräumigen Zimmern inklusive eleganter Designermöbel in zentrumsnaher Lage. Im Internet: http://www.asgardhotel.nl.

Die Anreise: Mit dem Pkw ist Groningen in rund drei Stunden zu erreichen: via A 30 über Osnabrück, A 31 Richtung Emden und E 22 nach Groningen.

Allgemeine Informatione: Touristinformation Groningen: http://toerisme.groningen.nl/deutsch/



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