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Gebetszettel am Holzkreuz in der Nikolaikirche: Herzzerreißende Sorgen neben fröhlichem Dank

"Und mach, dass die Liebe immer siegt..."

Rinteln (cok). Immer wieder stehen Menschen vor dem Holzkreuz in der Rintelner Nikolaikirche und lesen die vielen Gebete, welche dort, auf kleine Zettel geschrieben, angeheftet werden können. "Ich bin oft hier", sagt eine junge Frau. "Und jedes Mal merke ich mir ein oder zwei der Gebete und bete dann zu Hause für die Menschen, dass Gott sie erhören möge!"

veröffentlicht am 27.10.2007 um 00:00 Uhr

Raum für Bekenntnisse innerer oder äußerer Not oder einen fröhli

Oft ist das Holzkreuzüber und über mit Zetteln behängt, manche sind sogar schon übereinander angebracht. Touristen und Rintelner, Kinder, Eltern und Großeltern, Männer und Frauen hinterlassen hier Danksagungen und Stoßseufzer, Wünsche und Hilferufe, Zwiesprache mit Gott oder vermissten Verstorbenen, die irgendwo dort oben im "Wolkenhimmel" über die Lebenden wachen. Manchmal kann man wirklich schmunzeln oder lachen beim Durchstöbern der Gebete, meistens dann, wenn Kinder schreiben, für die der "liebe Gott" oft ein so direktes Gegenüber zu sein scheint, wie der Großvater, an den man sich wendet, wenn man auf eine Wunscherfüllung hofft: "Lieber Gott, ich wünsche mir einen Hamster, aber ich darf keinen haben. Kannst Du meine Eltern überreden?" Oft aber sind herzzerreißende Texte darunter, sei es ein Zettel, auf dem, schnell hingekritzelt, nichts weiter steht als: "Hilf mir!", seien es bewegende Bitten wie: "Mach aus mir einen Menschen, der seine Mitmenschen nicht mehr zerstört, sondern ihnen gut tut!", oder "Lieber Gott und liebe Engel, bitte macht, dass ich meine kleine Familie wiederbekomme!" Wie eigenartig, solche Bekenntnisse innerer undäußerer Nöte zu finden direkt neben fröhlichem Dank über einen schönen Besuch in Rinteln oder einfach den "blauen Himmel", neben solchen pragmatischen Wünschen wie: "Lass mich die Zeit bis zur Rente gut und wohl erleben!" oder der harmlosen Bitte, die "Oma und Uroma" vom Enkelkind zu grüßen. "Ich habe einmal für eine Frau gebetet, die Angst hatte, dass ihr krankes Baby sterben könnte", sagt die junge Frau. "Seitdem suche ich immer, ob hier wohl ein Dankgebet steht, ob ich wohl die Nachricht finde, dass Gott unser Gebet erhört hat." Noch konnte sie so eine Rückmeldung nicht entdecken, wohl aber Dankgebete anderer Art: "Danke für die schöne Silberhochzeit!" - "Danke für die Urlaubsreise!" - "Danke, dass Du die Welt geschaffen hast!". Ganz zum Schluss noch eines der schönsten Bittgebete: "Und mach, dass die Liebe immer siegt..."

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