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Und leuchtet und leuchtet und leuchtet

Fiel es vielen Bürgern vor einem Jahr noch relativ leicht, Ersatz für die 100-Watt-Glühlampe zu finden, so zeigt sich in diesem Jahr ein stark verändertes Kaufverhalten der Kunden. Denn in diesem Jahr verschwindet die 75-Watt-Glühlampe vom Markt, und wer sich vor einem Jahr gegen eine Energiesparlampe als Ersatz für die 100-Watt-Glühlampe entschieden hat, der hat nun die Qual der Wahl; wie zum Beispiel Berthold Roßdeutsch. Vor rund einem Jahr hat er die Beleuchtung eines Putzmittelraums von 100 auf 75 Watt umgestellt. „Noch weniger geht aber nicht, sonst wird es zu dunkel“, stellt er fest. Nun muss er sich also nach Alternativen umsehen, und die Angebotspalette ist groß, wie Thomas Christ, Fachverkäufer in der Elektroabteilung des Hamelner Hagebaumarkts, weiß: „Am meisten nachgefragt werden natürlich die Energiesparlampen, aber auch Halogen-Leuchtmittel sind im Kommen.“

veröffentlicht am 09.09.2010 um 20:38 Uhr

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Am Ende entscheide, so Christ, in der Regel der Preis. Den Kunden sei generell bewusst, dass sie heute für ein Leuchtmittel tiefer in die Tasche greifen müssten. Ähnlich bewertet Ramona Reichel die aktuelle Situation auf dem Leuchtmittelmarkt. „Der Preisunterschied zwischen einem qualitativ hochwertigen Leuchtmittel und dem kostengünstigsten Angebot ist relativ groß“, meint die Elektrofachverkäuferin des Praktiker-Baumarkts vor den Toren der Stadt Hameln. Ihr Chef, Marktleiter Andreas Müller, hat die Erfahrung gemacht, dass Energiesparlampen immer dann besonders großen Absatz finden, wenn sie mit einem Sonderpreis beworben werden. „In so einem Fall dauert es nur ein bis zwei Tage, bis die komplette Charge verkauft ist.“

Für Berthold Roßdeutsch, der mittlerweile das üppige Warensortiment mehrmals inspiziert hat, bleibt die Frage: „Was ist ein adäquater Ersatz für meine beiden 75-Watt Glühbirnen im Putzmittelraum?“ Helfen sollen dem Kunden für genau diese Frage die in diesem Jahr für Hersteller zur Pflicht werdenden Angaben auf der Verpackung. Angegeben wird die Menge des erzeugten Lichts dabei mit der physikalischen Einheit Lumen. Christ: „Eine herkömmliche 75-Watt-Glühlampe erzeugt rund 900 Lumen. Energiesparlampen zwischen 15 und 20 Watt erzeugen die gleiche Menge Licht.“ Es geht aber noch besser, wie Fachleute wissen. Hagebau-Marktleiter Friedhelm Pulskamp: „Die Zukunft gehört den LED-Leuchtmitteln, allerdings sind diese derzeit in der Anschaffung noch sehr kostenintensiv, sodass sie für die meisten Kunden noch nicht in Frage kommen.“ Allerdings, so Pulskamp, wer noch effektiver Energie sparen möchte als mit einer Energiesparlampe, für den sei das LED-Leuchtmittel beste Empfehlung, denn für die 900 Lumen einer 75-Watt-Glühlampe braucht ein LED-Leuchtmittel gerade einmal zehn Watt und damit sogar knapp halb so viel wie eine Energiesparlampe.

Aber es gebe noch wesentlich mehr Faktoren bei der Wahl des richtigen Leuchtmittels zu berücksichtigen, betont Reichel: „Wichtig ist auch, wie oft eine Lampe an- und ausgeschaltet wird, ob der Kunde ein warmes, gelbliches, oder eher ein kaltes weißes Licht benötigt.“ Geradezu typisch ist deswegen das Anliegen von Lothar Boddin: „Ich brauche sechs Glühlampen in Kerzenform für unseren Kronleuchter, und es soll ein möglichst warmes Licht sein, das erzeugt wird.“ Während Boddins Ehefrau Brigitte bereits in den Regalen nach dem passenden Leuchtmittel sucht, berät Fachmann Christ den Kunden: „Es gibt gerade bei den Energiesparlampen eine enorme Vielfalt in Farbe und Form.“ Er will zwar noch weiter beraten, aber Boddin winkt ab: „Ich weiß, ich weiß, aber schauen Sie mal auf den Preis“, sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen. Zum Vergleich: Wenn Boddin seinen Kronleuchter mit sechs Energiesparlampen im Kerzenlook ausstattet, muss er rund 60 Euro auf den Tresen legen. Bei herkömmlicher Bestückung sind es gerade einmal 18 Euro.

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Brigitte und Lothar Boddin wollen Kerzenlook im Kronleuchter, aber zu einem akzeptablen Preis.

Die beiden Marktleiter Müller und Pulskamp sind sich einig: „Der Preis für Energiesparlampen, insbesondere in den Bereichen Halogen und LED, wird sich noch entwickeln, aber irgendwann auch an seine Grenzen stoßen.“ Ohnehin sei nicht nur die Lichtausbeute einer Energiesparlampe ein Vorteil, sondern auch die Langlebigkeit dieses Leuchtmittels. Die Stiftung Warentest hat zahlreiche Tests hinsichtlich der Brenndauer von Leuchtmitteln veröffentlicht. Generell wird davon ausgegangen, dass eine herkömmliche Glühlampe rund 1000 Stunden brennt, eine Energiesparlampe hingegen zehnmal so lang. Bei den getesteten Energiesparlampen gab es jedoch gravierende Unterschiede. So musste bei einem Modell der Test nach 19 000 Stunden aus Zeitgründen abgebrochen werden, ein anderes Modell gab schon nach 4500 Stunden den Geist auf.

Ungeachtet der Vorteile hinsichtlich des Energieverbrauchs, gibt es trotzdem bei den Bürgern große Vorbehalte gegenüber der Energiesparlampe. Lothar Boddin: „Bei einigen Energiesparlampen dauert es sehr lange, bis sie richtig hell werden.“ Stimmt, sagen die Fachverkäufer, aber auch hierzu gibt es auf immer mehr Verpackungen Angaben, so dass der Kunde die Produkte miteinander vergleichen kann.

Ein weiteres Minus der Energiesparlampe ist der Quecksilberanteil. Pulskamp: „Energiesparlampen sind nach deren Ableben Sondermüll und gehören in die Sammelbehälter, die wir hier zum Beispiel aufgestellt haben.“ Christ und Reichel, die tagtäglich Kundengespräche führen, wissen, dass für die Kunden nach dem Preis vor allem Form und Farbe kaufentscheidend sind.

Christ: „Einige Kunden beschweren sich, dass die Energiesparlampe einige Zentimeter aus dem Lampenschirm lugt.“ Aber auch hierzu soll es nun zunehmend Angaben auf den Verpackungen geben. Dass Energiesparlampen nicht zu dimmen sind, sei ein viel verbreiteter Irrglaube, betonen Reichel und Christ: „Es gibt in nahezu jeder Form Energiesparlampen, mit denen es möglich ist, Abdunklungseffekte, also zum Beispiel über einen Dimmer, zu erzielen.“ Auch die mit einem Sensor ausgestatteten Energiesparlampen, die bei einsetzender Dunkelheit automatisch angehen, finden zunehmend Anklang bei den Kunden.

Überzeugendstes Argument für den Kauf einer Energiesparlampe ist aber der Stromverbrauch, und mit einer einfachen Tabelle, wie sie die meisten Fachgeschäfte vorhalten, lässt sich der Nutzen der Energiesparlampen erklären. So verursachte eine 100-Watt-Glühlampe in 1500 Betriebsstunden 27 Euro Stromkosten, eine Energiesparlampe mit der gleichen Lichtausbeute aber nur 5,40 Euro (bei 18 Cent pro Kilowattstunde). Das allein ist eine rechnerische Ersparnis von insgesamt 21,60 Euro. Berücksichtigt man dann noch die zehnmal längere Lebensdauer einer Energiesparlampe, dann wird klar, dass sich die höheren Anschaffungskosten für eine Energiesparlampe – abhängig von den weiteren Faktoren, wie zum Beispiel Ein- und Ausschaltfrequenz – durchaus rentieren.

Die heimischen Fachleute vor Ort wissen zudem, dass der ökologische Aspekt, nämlich die drastische Reduzierung des CO2-Ausstoßes durch die Energiesparlampen, beim Leuchtmittelkauf bei den Kunden kaum eine Rolle spielt. Da zieht vor allem das Argument, dass eine Energiesparlampe bis zu 80 Prozent weniger Strom verbraucht. Sorgen um die Umwelt werden allenfalls bei der Frage nach der Entsorgung von defekten Energiesparlampen laut. Aber auch hier sei das Bewusstsein für eine saubere Umwelt bei den meisten Kunden meist nur marginal vorhanden, so die befragten Verkäufer.



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