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Neujahrskonzert im Brückentorsaal mit Tschaikowsky und viel Wiener Walzer

Und bei "Pomp and Circumstance" singen 300 Gäste aus voller Kehle mit

Applaus für Wolfgang Westphal und seine Mitstreiter: Das Neujahrskonzert war einmal mehr ein Vergnügen für die Zuhörer. Foto: tol Rinteln (cok). Viele Zuhörer - und genau das war ihr Vergnügen - kannten die Musik des Neujahrskonzertes halb auswendig, die eingängigen Melodien aus der Nussknacker-Suite, den Walzern von Josef und Johann Strauß und erst recht aus dem 1. Marsch von Elgars "Pomp and Circumstance". Wolfgang Westphal und die Göttinger Symphoniker gaben das Konzert im ausverkauften Brückentorsaal und rissen das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

veröffentlicht am 16.01.2007 um 00:00 Uhr

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Ein Jahr vor Tschaikowskys Tod 1893 hatte sein Ballett "Der Nussknacker" Premiere, die Vertonung von E.T.A. Hoffmanns romantischem Weihnachtsmärchen rund um ein kleines Mädchen, dessen Spielzeug lebendig wird. Das Ballett selbst hatte zunächst nur wenig Erfolg, wohl aber die daraus vorab veröffentlichte Suite, die sich aus einer Reihe von Tänzen zusammensetzt, darunter der eigenartig melancholische "Tanz der Zuckerfee", der bereits Kindern immer so bekannt vorkommt, weil er im Gameboy-Spiel "Tetris" zur Begleitmelodie ausgewählt wurde. Westphal und die Göttinger Symphoniker betonten in einer guten Mischung aus verspielter Leichtigkeit und sehr gefühlvollen Momenten den tänzerischen Charakter der Suite und leiteten damit einen ganzen Reigen von Tänzen ein, Wiener Walzer und schnelle Polkas aus der Feder von Vater und Sohn Strauß, die dann freilich eine recht andere Ausstrahlung hatten als Tschaikowskys Musik, wenngleich auch die Österreicher, bei aller Festfreudigkeit, eine gewisse, hier eher genüssliche Melancholie ja nicht vermissen lassen. Während Josef Strauß' "Delirien"-Walzer vielleicht am Morgen nach einer durchzechten Silvesternacht entstand, so mutmaßte Westphal in einer seiner humorvollen Ansagen, luden die Tänze von Johann Strauß so sehr zum Tanzen ein, dass man fast darauf wartete, ob sich nicht das eine oder andere Zuhörerpärchen von seinen Stühlen erheben würde. Die Polka "Leichtes Blut" oder der "Vergnügungszug" machten auch den Musikern an Schlagzeug, Triangel und Becken besonderen Spaß, die sich vor ihren pointierten Einsätzen jedes Mal lustig zuzwinkerten. Und dann natürlich der "Kaiserwalzer", angenehmste Unterhaltung für alle, die Opernballatmosphäre und Wiener Schmäh lieben. "Wenn ich Komponist wäre, hätte ich wahrscheinlich auch so geschrieben", meinte Westphal mit netter Selbstironie, und weil auch nach dem "Wiener Blut" alle noch so in Stimmung waren, folgten begeistert herbei applaudierte Zugaben, unter denen "An der schönen, blauen Donau" genauso wenig fehlen durfte wie der Radetzkymarsch. Da ja nun weder der Dirigent komponiert hatte noch das Publikum tanzen konnte, durfte wenigstens gesungen werden. Edward Elgars Militärmarsch aus "Pomp and Circumstance", dessen prächtige, pathetische Melodie sich der englische König Edward VII einst zu seinen Krönungsfeierlichkeiten wünschte, eignete sich bestens zu diesem kleinen Spaß. Nicht zum Text "Land of Hope and Glory", sondern, dem Anlass gemäß, zu "Glück und viel Segen zum neuen Jahr" standen alle 300 Zuhörer auf und sangen aus voller Kehle mit. Wie immer hatte der Kulturring unter der Geschäftsführung von Anneliese von Meien dieses so erfolgreiche Konzert organisiert, das von der Volksbank in Schaumburg auf großzügige Weise gesponsert worden war.

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