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Behinderter parkt auf Behindertenparkplatz - und bekommt zwei Wochen später ein 35-Euro-Knöllchen

UnangenehmeÜberraschung zum Geburtstag

Bückeburg. Hat man Geburtstag, dann gibt's Geschenke. Das sehnt jedes Kind herbei, und auch Erwachsene freuen sich drüber. Über eine Gabe zu seinem 61. Geburtstag kann sich Eberhard Beckemeier nicht freuen. Die Bescherung, die das Ordnungsamt dem beinamputierten Rollstuhlfahrer bereitet hat: ein Knöllchen über 35 Euro wegen Falschparkens auf einem Behindertenparkplatz.

veröffentlicht am 27.04.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:05 Uhr

Eberhard und Erika Becke meier, der "Tatort" und der Parkausweis
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Thomas Meinecke Redakteur zur Autorenseite

Mit Gattin Erika, Tochter und Enkelkind ist Eberhard Beckemeier am Freitag, 24. März, ins Zentrum gefahren. Dort wird an diesem Nachmittag der Frühjahrsmarkt eröffnet. Ein bisschen Trubel - genau das richtige zum Geburtstag. Gesagt, getan - ein Parkplatz ist schnell gefunden: Auf dem Dr.-Witte-Platz gibt's nahe am Kirmesgeschehen immer einen freien Platz. Direkt an der Passage, welche den Parkplatz mit der Fußgängerzone verbindet, sind zwei Stellflächen für Behinderte ausgewiesen. Dort stellen die Beckemeiers ihren Wagen ab, legen den Parkausweis für Schwerbehinderte hinter die Frontscheibe und gehen Rummelbummeln. Nach geraumer Zeit kehrt die Familie zurück zu ihrem Wagen. Der Rollstuhl wird verstaut. Man steigt ein, legt gerade die Gurte an, als auf dem Behindertenparkplatz nebenan ein Fahrzeug hält. Dessen Fahrer - Erika Beckemeier: "Ein älterer Herr, ganz aufgeregt mit rotem Kopf" - verlässt sein Fahrzeug in großer Eile, stellt sich direkthinter den Wagen der Beckemeiers und beginnt, diesen zu fotografieren. "Ich dachte erst, der knipst seinen großen Hund, der bei ihm im Auto saß", schildert Eberhard Becke meier seinen ersten Eindruck dieser Begegnung, die nicht nur ihm am Ende auch bedrohlich erscheint. Schließlich gibt der Unbekannte den Weg frei, die Beckemeiers können nach Hause fahren. Zwei Wochen später hat Eberhard Beckemeier Post. "Eilsache!" ist da zu lesen. Es ist eine "Schriftliche Verwarnung und Anhörung". Adressat ist das Bückeburger Ordnungsamt. Er hätte "auf einem Sonderparkplatz für Schwerbehinderte mit außergewöhnlicher Gehbehinderung" geparkt, wird Beckemeier vorgehalten, der mit einem "Zusatzzeichen mit Rollstuhlfahrersymbol" besonders gekennzeichnet gewesen sei. Das weiß Rollstuhlfahrer Beckemeier - genau deshalb hat er ja dort geparkt. "Ein besonderer Parkausweis lag nicht gut lesbar aus", heißt es in dem Formschreiben weiter. Ein Satz, auf den der Beinamputierteangesichts der Umstände im März nur noch sarkastisch reagieren kann: "Wie will denn der Mann, der hinter unseren Wagen gesprungen ist, ihn dort blockiert, um ihn zu fotografieren, den Parkausweis auf dem Armaturenbrett hinter der Frontscheibe lesen können?" Als Zeuge besagten Vorfalls wird in dem Brief ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes genannt. Als Erika Beckemeier zwei Tage nach Erhalt des Briefes im Ordnungsamt vorstellig wird, um die Angelegenheit zu klären erfährt sie, dass der genannte Zeuge gar nicht der Mann ist, der sie und ihre Familie zwei Wochen zuvor fotografiert hat. Der Zeuge habe von Amts wegen die Anzeige einer Privatperson angenommen. Frau Beckemeier wird sauer, will den Amtsleiter sprechen. Heinz Niemeyer ist zum Gespräch bereit. Erläutert der Ehefrau des Behinderten, wie solch ein Verwaltungsverfahren abläuft. Die Zahlungsaufforderung (Frist: eine Woche) gehe einher mit der "Anhörung" des Beschuldigten. Der werde also, sofern er nicht zahlen wolle, ausdrücklich ersucht, seine Sicht der Dinge darzulegen. Formal ist dieses Vorgehen korrekt, bei den Beckemeiers stößt es auf völliges Unverständnis: "Mein Mann kann nicht laufen; er soll aber laufen, weil irgendjemand, der nicht mal Amtsperson ist, sich gar nicht erst die Mühe macht, nach dem Parkausweis zu sehen." Im hitzig erregten Gespräch sagt Niemeyer: "Ich stelle das Verfahren ein." Bei Erika Beckemeier kommt die Botschaft an: "Das wird im Sande verlaufen; machen Sie erst mal gar nichts und warten Sie unser nächstes Schreiben ab." Als das angekündigte Schreiben zehn Tage später immer noch nicht eingetroffen ist, geht Erika Beckemeier zur Landes-Zeitung. Auf Anfrage wundert sich Niemeyer: "Ich habe die Angelegenheit doch eingestellt." Und das könne er auch mündlich tun. Allein: Die Verwarnung und die Aufforderung zur Stellungnahme haben die Beckemeiers schriftlich erhalten. Und die Antwort ("was man schwarz auf weiß hat ...") hätten sie eben auch gern in Schriftform. Was Niemeyer so kommentiert: "Die können das sofort schriftlich haben." Auch darumgeht's!

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