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Das war unsere Serie „Lesezeichen Demografie“ / Kommunale Kooperationen als Perspektive

Umdenken in vielen Lebensbereichen

Hameln-Pyrmont (joa). Immer weniger Geburten, immer mehr ältere Menschen, immer weniger Hameln-Pyrmonter: Die Untersuchungen zum demografischen Wandel in der Region geben Anlass zu düsteren Prognosen. Denn weniger und immer ältere Hameln-Pyrmonter haben ihre Auswirkungen: Kindergärten und Schulen werden schließen, parallel zu Schwierigkeiten in der hausärztlichen Versorgung wird der Bedarf an Senioren-Unterbringung zunehmen.

veröffentlicht am 21.10.2009 um 10:55 Uhr
aktualisiert am 06.07.2010 um 15:42 Uhr

Hameln-Pyrmont (joa). Immer weniger Geburten, immer mehr ältere Menschen, immer weniger Hameln-Pyrmonter: Die Untersuchungen zum demografischen Wandel in der Region geben Anlass zu düsteren Prognosen. Denn weniger und immer ältere Hameln-Pyrmonter haben ihre Auswirkungen: Kindergärten und Schulen werden schließen, parallel zu Schwierigkeiten in der hausärztlichen Versorgung wird der Bedarf an Senioren-Unterbringung zunehmen. In der Serie „Lesezeichen Demografie“ haben wir uns über zwei Monate lang journalistisch mit diesem Thema auseinandergesetzt, sind in den Kommunen den Fragen nachgegangen, wie sich der zu erwartende Bevölkerungsrückgang auf die Infrastruktur, auf Steuereinnahmen, auf Schul- und Kindergartenentwicklung, auf ÖPNV sowie Ehrenamt und Nahversorgung auswirken wird.

Und wir sind auf drohende Szenarien, aber auch auf Entwicklungen gestoßen, in denen schon jetzt Menschen kreativ auf diese Bevölkerungsentwicklung reagieren.

So werden für die Bevölkerung beispielsweise die Gebühren für Wasser und Abwasser steigen, die Gemeinden werden bei weniger Bürgern weniger Geld für ihre Aufgaben vom Land erhalten. Und das wird sich auf die Infrastruktur, wie beispielsweise den Straßenbau, auswirken. Deshalb mahnt beispielsweise Coppenbrügges Gemeindebürgermeister Hans-Ulrich Peschka eine Gemeindefinanzreform an.

Und wir haben aufgezeigt, dass es bei immer weniger Kindern für Eltern Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf geben wird: Auf Kommunen, Kirchen und Firmen werden bei weniger Kindergärten neue Aufgaben der Kindertagesbetreuung zukommen. Weniger Schüler bedeuten weniger Schulen. Doch wo Schulen geschlossen worden sind, werden sich im Umkehrschluss auch keine jungen Familie ansiedeln.

Außerdem haben wir gezeigt, dass es vor allem in ländlichen Gebieten Schwierigkeiten mit dem öffentlichen Nahverkehr geben wird und dass man vielerorts schon heute aufs Taxi Mama, den Bürgerbus oder teilweise privat initiierte Fahrgemeinschaften angewiesen ist. Und wir sind der Frage nachgegangen, ob die Fusion für schrumpfende Gemeinden und Kreise eine Lösung sein kann.

Da das Problem des demografischen Wandels neben dem Landkreis Hameln-Pyrmont auch die drei weiteren Landkreise der „Regionalen Entwicklungskooperation Weserberglandplus“, also Holzminden, Schaumburg und Nienburg betrifft, haben die vier Landkreise eine Untersuchung beim Niedersächsischen Institut für Wirtschaftsforschung in Hannover in Auftrag gegeben. Dessen wissenschaftlicher Mitarbeiter Professor Dr. Hans-Ulrich Jung, hat jetzt bei der Regionalkonferenz in Hameln erste Ergebnisse dieser Untersuchung referiert. Jung betonte, dass interkommunale Kooperation ein Weg sei, den Herausforderungen des demografischen Wandels zu begegnen. Denn während auf der Weserschiene von Nienburg bis Holzminden in den Mittel- und Grundzentren eine noch relativ gute Bevölkerungsentwicklung zu erwarten sei, würde es in den ländlichen Regionen mit Nord-Süd-Gefälle immer kritischer. So sei im Kreis Holzminden die stärkste Überalterung und der massivste Bevölkerungsrückgang zu erwarten.

Professor Jung: „Wir müssen jetzt reagieren und Zukunftsziele formulieren.“ Hierzu führte der Wissenschaftler aus: „Lassen Sie sich jetzt mit dem Blick auf den demografischen Wandel nicht durch Horrorgeschichten kopflos machen. Ich bin überzeugt, dass unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem flexibel genug ist, um mit dem Bevölkerungswandel fertig zu werden“ – auch wenn dabei ein Umdenken in vielen Lebensbereichen notwendig wird.

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