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Umbenennung von Straßen nach Opfern des Nationalsozialismus

Unmittelbar nach Kriegsende wurde in Stadthagen ein Antifaschistischer Aufbau-Ausschuss gebildet, der sich die Linderung der Not und den Aufbau einer demokratischen Kommunalverwaltung zum Ziel setzte. Ihm gehörten Karl Meier, Karl Kunkel, Heinrich Seegers und mehrere andere an. Am 24. Mai 1945 benannte dieser Ausschuss die Horst-Wessel-Straße in Georg-Bartels-Straße, die Schlageterstraße in Wilhelm-Bartels-Straße und die Norkusstraße in Emil-Biegel-Straße um. Zwei Tage darauf bat er die Militärregierung in Stadthagen und den Bürgermeister, diese Umbenennungen anzuerkennen. In diesem Schreiben heißt es zu Emil Biegel, Georg und Wilhelm Bartels: „Alle drei Männer sind als aufrechte charaktervolle Männer und Antifaschisten in Stadthagen bekannt. Die Bevölkerung Stadthagens, insbesondere alle Antifaschisten ohne Ausnahme von Rang und Stand betrachtet diese drei Männer als die großen Toten und die besten Männer, die der Naziterror dem Volke rauben konnte.“ Am 8. Mai 1985 wurden die drei Straßenschilder durch biografische Hinweise ergänzt.

veröffentlicht am 12.06.2009 um 23:00 Uhr

Georg Bartels

Georg Bartels (1899 - 1944) arbeitete wie viele Schaumburg-Lipper als Heringsfänger und Binnenschiffer. Er wurde bereits 1924 arbeitslos und blieb es mit kleinen Unterbrechungen bis 1936. Er schloss sich der KPD an und engagierte sich in der Kommunalpolitik. 1928 wurde er erstmals in das Bürgervorsteherkolleg, einen Vorläufer des Stadtrats, gewählt. Die KPD erhielt bei dieser Wahl 5,7 Prozent der Stimmen. 1931 erreicht die KPD in Stadthagen sogar 14 Prozent der Stimmen. Bartels wurde bereits am 2. März 1933 in Rinteln verhaftet und saß bis zum 26. April in „Schutzhaft“. Schon einen Tag nach seiner Entlassung wurde er wieder verhaftet und blieb bis zum 2. September 1933 im Gefängnis Stadthagen. Von 1936 bis 1944 arbeitete er als Fabrikarbeiter und war auch bei den Arbeiten am Mittellandkanal beschäftigt. Nach dem Hitler-Attentat wurde er am 26. Juli 1944 wieder inhaftiert und saß bis zum 2. Oktober im Gefängnis Stadthagen. Als Häftling musste er für die Firma Rentrop Stahlmatratzen flechten. Karl Abel, der zur gleichen Zeit im selben Gefängnis saß, berichtet in seinen Memoiren von dem unmenschlichen Druck und der schlechten Ernährung. Er schreibt, dass Georg Bartels Anfang Oktober halb verhungert in das KZ Sachsenhausen und anschließend in das KZ Neuengamme gebracht wurde. Von dort wurde er in das Außenlager Ladelund überstellt und zum Bau von Panzerfallen eingeteilt. Körperlich völlig geschwächt starb er am 9. November 1944 an Lungenentzündung. Er wurde dort in einem Massengrab mit 299 Mithäftlingen beigesetzt.

Emil Biegel (1891 - 1936) stammte aus der Nähe Posens. Er arbeitete in verschiedenen Mühlenbetrieben, bei der Reichsbahn und als Holzkaufmann in Ostpreußen. Als sich seine Absicht, in die USA auszuwandern, verzögerte, zog er zu Verwandten nach Hannover und fand Arbeit als Betriebsaufseher im Nienstädter Berneburgschen Steinbruch. Nachdem er arbeitslos geworden war, verrichtete er Notstandsarbeiten im Bückeberg und am Nienstädter Sportplatz. Als Arbeitsloser erhielt er Kontakt zu Kommunisten in Stadthagen und arbeitete mit ihnen zusammen. Ab Juli 1933 wurde er mehrfach verhaftet und saß in Gefängnissen in Stadthagen, Lingen und Herford. Als er zwischenzeitlich für kurze Zeit wieder frei war, rief er eine „Initiative für Schutzhäftlinge“ ins Leben. Im Gefängnis Herford verfasste er Antinazischriften, die er an Mitgefangene weitergab. Er wurde denunziert, zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt und ins Zuchthaus Hameln gebracht. Am 26. April 1944 starb er im Alter von 44 Jahren „mit schneeweißem Haar und völlig abgemagert“, wie seine Tochter berichtete.

Wilhelm Bartels (1887 - 1945), ein Bruder von Georg Bartels, war schon im Ersten Weltkrieg zum Kriegsdienst eingezogen worden. Nach dem Krieg arbeitete er bei der Firma Bosse und der Chemiefabrik Stietzel. Später war er als Springfederndreher bei der Firma Rentrop beschäftigt. Er war Mitglied des Betriebsrats, der Metallarbeitergewerkschaft und der SPD. Ende 1943 soll er gegenüber einem früheren Kollegen, der ihn als Soldat aufsuchte, gesagt haben, er glaube nicht, dass der Krieg noch gewonnen werden könne. Der Kollege denunzierte ihn. Als Soldat und Nationalsozialist, so sagte er aus, fühle er sich dazu verpflichtet. Bei der Polizei gab er an, Bartels höre „Feindsender“. Wilhelm Bartels wurde am 25. Dezember 1943 verhaftet, am 1. Mai 1944 nach Berlin überführt und dort vom Volksgerichtshof wegen Wehrkraftzersetzung zu zwölf Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Im Zuchthaus Celle starb er am 30. Januar. Als offizielle Todesursache wurde Kreislaufschwäche bei Erschöpfungszustand angegeben.

3 Bilder
Emil Biegel


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