weather-image
27°
Weiteres Zeichen der Bergstadt: Nach erneuter Schändung Ehrentafel am jüdischen Friedhof errichtet

Um den Frieden und die Totenruhe zu wahren

Obernkirchen (clb). Immer wieder ist der jüdische Friedhof am Höheweg Zielscheibe antisemitischer Anschläge - zuletzt in der Silvesternacht. Fünf Grabstellen wurden beschädigt, darunter auch das jüngste Grab, das sich seit 1999 dort befindet.

veröffentlicht am 09.03.2007 um 00:00 Uhr

Michael Fürst (l.), Vorsitzender des Landesverbandes der jüdisch

Jetzt hat die Stadt Obernkirchen, nachdem der Friedhof wieder instand gesetzt wurde, nach dem Benefiz-Konzert im vergangenen Jahr und der Mahnwache im Januar ein drittes Zeichen gesetzt: eine Hinweistafel am Eingang soll die Besucher auf die Wahrung der Totenruhe hinweisen. In die Sandsteintafel sind in deutscher und hebräischer Schrift die Worte "Friede sei auf Eurem Totenlager" eingemeißelt worden. Offiziell "eingeweiht" wurde die Ehrentafel gestern Vormittag. Stadtdirektor Wilhelm Mevert und Rolf-Bernd de Groot waren im Namen der Stadt Obernkirchen gekommen, Michael Fürst als Vorsitzender des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen sowie Dieter Schmalstieg von der gleichnamigen Steinrestaurierungsfirma, die die geschändeten Gräber wieder in den Originalzustand gebracht hat. Außerdem waren Bodo Riethmüller, Zuständiger für die Friedhofsabteilung des Landesverbandes, sowie Klaus Köster, Geschäftsführer der Obernkirchener Sandsteinbrüche, vertreten. Michael Fürst hielt eine kurze Ansprache, in der er sich im Namen des Landesverbandes bei der Firma Schmalstieg für die Stiftung der Tafel bedankte. Der Sinn der Errichtung dieser Tafel bestehe darin, so Fürst weiter, dass die Besucher den Frieden und die Totenruhe an diesem Ort einhalten sollen. Er verwies zudem auf die regelmäßige Schändung des Obernkirchener Friedhofes und auf die Tatsache, dass es sich definitiv um einen antisemitischen Hintergrund handele. "Dieser ist ohne Zweifel zu erkennen. Dass es sich nur um einen dummen Jungenstreich handelt, trifft hier nicht zu!" Fürst appellierte auch an die hiesigen Schulen und Kirchen, sich verstärkt um den jüdischen Friedhof zu kümmern und sich bei Sanierungsarbeiten zu beteiligen. "Und ich hoffe, dass sich ein informeller Arbeitskreis zum jüdischen Friedhof in Obernkirchen bilden wird", schloss er seine Rede. Stadtdirektor Wilhelm Mevert erklärte, dass sich der Kreis mit dem Anbringen dieser Ehrentafel nun schließe und dass der Anblick des Geländes vor sechs Jahren noch ein anderer gewesen sei. "Ich freue mich, dass die Tafel noch während meiner aktiven Dienstzeit, die ja am 31. März endet, positioniert wurde", betonte er. Er hoffe auch, dass sich die Schändungen in diesem Bereich in Zukunft in Grenzen halten werden. "Denn ganz wird man sie leider nicht vermeiden können", bedauerte Mevert abschließend.

0000442213-11-gross.jpg


Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare