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Orkan wütet ab Mittag / Feuerwehrleute über Sirenen alarmiert / Unzählige Polizeieinsätze

Um 12 Uhr fällt der erste Baum - Cabrio platt

Rinteln (wm). Erstes "Opfer" des Orkans "Kyrill" war gestern kurz vor 12 Uhr ein etwa zehn Jahre altes Ford Cabrio, das der Rintelner Michael Deidert eine Stunde vorher auf dem Parkplatz an der reformierten St.-Jakobi-Kirche abgestellt hatte.

veröffentlicht am 19.01.2007 um 00:00 Uhr

Fünf Minuten später wäre der Fahrer eingestiegen - Bauhofmitarbe

Die umgekippte Linde traf den Wagen genau in der Mitte - Totalschaden. Ein zweites Fahrzeug, das auf der gegenüberliegenden Seite geparkt stand, wurde erheblich beschädigt. Für Deidert Grund genug, gestern nochmals Geburtstag zu feiern, denn er war wenige Minuten nach dem Baumsturz zu seinem Auto gekommen: "Ich mag gar nicht dran denken, was passiert wäre, wenn ich gerade eingestiegen wäre". Wobei zu diesem Zeitpunkt der Sturm noch keineswegs seine volle Wucht entfaltet hatte. Die Ursache, darf man vermuten, waren eher halb abgefaulte Wurzeln. Bauhofmitarbeiter beseitigten den Baum, der gleich an Ort und Stelle zersägt worden ist. Der Parkplatz wurde abgesperrt. Wie Baudezernent Reinhold Koch erläuterte, werde man jetzt alle Bäume überprüfen. Bereits im letzten Jahr seien - auch gegen den Widerstand mancher Bürger - sowohl am Kirchplatz als auch am Kollegienplatz die Bäume gefällt worden, wo man habe absehen können, dass sie bei Sturm eine Gefahr darstellten. Vorsichtshalber ließ die Stadt am Mittag auch den Blumenwall sperren. Am Mittag auch lange Schlangen mit Fahrzeugen vor der Realschule am Kollegienplatz und der Grundschule Süd. Mehr Eltern als sonst holten ihre Kinder selber mit dem Auto ab. Ab 14 Uhr war die Fußgängerzone praktisch wie leergefegt. Geschäfsleute hatten ihre Außenwerbung und die Ständer hereingeholt, teilweise waren sogar Jalousien herabgelassen worden. Jutta Meves, Leiterin des Comenius-Kindergartens hatte alle Eltern informiert, ihre Kinder bereits um 15 Uhr abzuholen, eine Mitarbeiterbesprechung wurde abgesagt. Gesperrt worden ist am Nachmittag gegen 15 Uhr die Kreisstraße 72 zwischen Deckbergen und dem Auetal, ebenso die Straße zur Paschenburg durch den Wald. Revierleiter Heiko Gropp meldete, viele Bäume seien auf die Straße gestürzt. Das Risiko, die Bäume sofort von der Straße zu holen, sei für die Waldarbeiter viel zu groß. Mit den Aufräumungsarbeitenwerde voraussichtlich erst heute Morgen begonnen. In der Ritterstraße wurde eine Reihe von geparkten Fahrzeugen von herabfallenden Ästen und Dachziegeln beschädigt. Die Straße war gegen 17 Uhr mit Ziegeln übersät. Bei einem Kia-Geländewagen durchschlug ein Ziegel die Heckscheibe und beschädigte die Seitenfront. In der Seetorstraße wurden Markisen weggefetzt, an der Tankstelle ein Teil der Verblendung, an einem Haus drückte es eine Scheibe ein. Orkanböen waren so stark, dass sie durch geschlossene Balkontüren Regenwasser durch die Dichtungen in Wohnungen drückten, Verkehrsschilder flogen davon, Masten brachen ab, in der Fußgängerzone flogen Fahrradständer durch die Gegend. Ab 18 Uhr wird es dramatisch: Am Ortseingang Exten kippt eine Tanne auf einen Wagen, zum Glück mit der Spitze, das Fahrzeug wird zwar schwer beschädigt, bleibt aber fahrbereit. Ein weiterer Autofahrer, der ausweichen wollte, bleibt mit seinem Wagen im Acker stecken und muss von Extener Feuerwehrleuten, die zufällig am Feuerwehrgerätehaus sind, wieder freigeschleppt werden. Kurz vor 18 Uhr nimmt der Orkan weiter an Heftigkeit zu. Die Feuerwehren in Rinteln und Strücken alarmieren ihre Einsatzkräfte mit Sirenen. Die Polizei meldet aktuell 25 Unfälle oder Einsätze. Gegen 18 Uhr fällt in Steinbergen der Strom aus. Kurz vor 20 Uhr lässt die Polizei die Weserbrücke sperren, die Feuerwehr organisiert einen Shuttle-Verkehr für Notfälle. Die Straße von Uchtdorf nach Wennenkamp wird gesperrt, auch hier sind zahlreiche Bäume gekippt. Das Problem schildert die Feuerwehr so: Der Boden ist so durchweicht, die rutschen einfach ab. In Extenüberflutet die Exter mehrere Straßen, die Feuerwehr sperrt die Landesstraße. Die Hünenburstraße in Hohenrode verwandelt sich in einen reißenden Gebirgsbach.

Feuerwehreinsatz am Ortseingang Exten: Die Säge muss ran.
  • Feuerwehreinsatz am Ortseingang Exten: Die Säge muss ran.


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