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Drei Trauungen vor drei verschiedenen Instanzen und ein großes Familienfest

Türkisch-deutsche Liebesgeschichte: "Was wirklich zählt, ist das Herz!"

Steinbergen. Das ist eine lebhafte, aufgeschlossene Familie, in die der Steinberger Hotelbetriebswirt Markus Ott von der "Grafensteiner Höh" hinein geheiratet hat: die türkische Familie von Pinar Kirsevar, seiner Frau, mit der es am 15. Februar eine rauschende türkisch-deutsche Hochzeit gegeben hat.

veröffentlicht am 19.02.2008 um 00:00 Uhr

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Autor:

Cornelia Kurth

"Es ist eine Liebesgeschichte wie aus 1000 und einer Nacht", sagt Pinars Tante DilshaÖzsoy, die sich, zusammen mit der Mutter Nilgün Kirsevar, mit größter Energie in die Hochzeitsvorbereitungen gestürzt hat und es einfach wunderbar findet, dass zwei ganz verschiedene Menschen aus zwei unterschiedlichen Kulturen so gut zueinander gefunden haben. Es scheint dabei so gar keine Probleme zu geben bei der Vermischung von türkischen und deutschen Traditionen. "Ach was!", meint sie. "Wir alle haben schon für so viele Menschen aus aller Welt gearbeitet. Was wirklich zählt, ist das Herz!" Pinar Kirsevar, in Rinteln geboren und aufgewachsen, machte am Ernestinum ihr Abitur und studierte dann in Hannover die Fächer Mathematik und Informatik, ein durchaus ungewöhnlicher Werdegang innerhalb eines Familienumfeldes, wo die älteren Mitglieder überwiegend im Dienstleistungsbereich arbeiten: die Mutter als Küchenhilfe in der englischen Prinz-Rupert-Schule, Onkel und Tante im Britischen Militärhospital und in der Grundschule Süd. Als sie in den Semesterferien des Jahres 2004 einen Nebenjob suchte, fand sie ihn in der "Grafensteiner Höh", wo sie über Weihnachten, als Not am Mann war, einen Schnellkurs in Sachen "Service" so beeindruckend absolvierte, dass Markus Ott sie zum Essen einlud, schon längst verliebt in die junge Türkin, die nun ihrerseits entdeckte, dass der blonde, braunäugige Chef "so eine ruhige, liebe, süßeArt" hat. Nicht lange, und sie stieg von Mathematik und Informatik auf eine Ausbildung zur Hotelfachfrau um. Dass alles gut gehen würde, zeigte sich schon daran, dass Markus Ott mit Vergnügen die türkischen Feiertage - zum Beispiel das "Zuckerfest" - mitfeierte, während Pinar Kirsevar am Weihnachtstag ohne Umstände mit in die Kirche ging. Sie entdeckte die deutsche Küche, während er nur zu gerne an den großen türkischen Familienessen teilnahm. "Uns beiden bedeutet die Religion etwas", sagt Pinar. "Und es ist eben so: Es gibt den einen gemeinsamen Gott!" Und trotzdem gleich drei Trauungen vor drei verschiedenen Instanzen: dem Standesamt, dem evangelischen Pastor und dem Imam in der Moschee. Und das große Hochzeitsfest, es wurde natürlich in den Räumen der "Grafensteiner Höh" gefeiert, am 15. Februar, mit 120 deutschen und türkischen Gästen, mit einem Essen, das aus beiden Küchentraditionen stammte und dem Versprechen, dass sich hier zwei vollkommen gleichberechtigte Menschen zusammentun. Wenn es Kinder gibt, dann werden sie Namen haben, die für beide Kulturen gleichermaßen typisch sind. Ein Mädchen könnte Eileen, Susan oder Jasmin heißen, ein Junge nicht Jonas oder Lukas, dafür aber zum Beispiel Dennis. "Wir haben schon immer frei gelebt und uns keinen Zwängen unterworfen, auch damals in der Türkei", sagt die Tante Dilsha Özsoy. "Daran wird sich jetzt auch nichts ändern!"



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