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150 Schüler feiern Demo auf dem Stadthäger Marktplatz / Köpper: Krieg mit Ordnungsamt

"Tu Wat": Gute Leitbild-Absicht in Frage gestellt

Stadthagen (ca). Mit der Aktion "Jugend: Laut!" des Vereins "Tu Wat" haben etwa 150 Jugendliche aus Stadthagen und Bad Nenndorf gestern zeigen wollen, dass sie zu politischen Themen Stellung beziehen und keineswegs nur konsumorientiert sind. Auf dem Stadthäger Marktplatz feierte die bunte Schülerschar bei Musik und traf dabei nicht nur auf wohlwollende Stimmen.

veröffentlicht am 20.07.2006 um 00:00 Uhr

Ausgelassen tanzen einige Schüler auf dem Marktplatz. Fotos: ca

Ausgelassen war die Stimmung auf dem Marktplatz. Eine Schülerband und zwei DJ's sorgten für Stimmung, ein aus Strohballen und Plane gebauter Pool für Abkühlung, eine Chill-Ecke mit selbstgenähten Heukissen für Erholung und viele Transparente für das Nachaußentragen ihrer Meinung. Die Schüler der Stadthäger und des Bad Nenndorfer Gymnasiums, derIGS und der Berufsbildenden Schulen schrieben etwa darauf: "Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm, beim Fascho ist es andersrum", "Kapital abschalten! Fuck Money" und "Rettet die Wale, esst die Japaner". "Jugend laut:!" traf bei den Schülern, die gestern gleichzeitig den Beginn der Sommerferien feierten, auf große Zustimmung: "Ich finde es gut hier, weil viele Leute da sind", sagte Thorsten (15) vom Bad Nenndorfer Gymnasium. Auch Anna (17) aus Bad Nenndorf genoss die "geile Stimmung". Die beiden bekannten sich mit ihrer Anwesenheit gegen Rechtsradikalismus. Jonas (16) vom WBG, der Jonglage-Kunststücke vorführte, wollte "der Jugend eine Stimme geben". Seiner Meinung nach "steckt unheimlich viel Motivation hinter der Aktion". "Jugend: Laut!" habe einzigartigen Charakter und sei deshalb "geil". Eine 16-jährige Schülerin wollte zeigen, dass die Jugend noch da sei. Genau dies war auch die Absicht des Vereins "Tu Wat", erklärte dessen Vorsitzender Christian Köpper: Jugendpartizipation. Bei den Cafébesuchern stieß die Aktion auf wenig Verständnis. Die Musik sei ein "sinnloses Aneinanderreihen von Tönen", sagte ein Mann. Ein anderer habe einen etwa Zwölfjährigen mit einem Anti-Kapitalismus-Transparent gesehen und meinte dazu: "Ich weiß nicht, ob ein Zwölfjähriger weiß, was Kapitalismus ist. Die machen Fun für sich", schob er hinterher. Einen Sinn sehe er jedenfalls nicht in der Aktion, sie störe eher. Die Filialleiterin von der Bäckerei Siebrecht ließ sogar die Stühle und Tische zusammenräumen, weil die Jugendlichen sich breit machten, ohne etwas zu verzehren. "Wir sind auch keine öffentliche Toilette", ergänzte sie. Auch ohne die Stühle ging die Party weiter. Schließlich habe "Tu Wat" ganz andere Querelen ausstehen müssen. "Wir hatten einen wahnsinnigen Krieg mit dem Ordnungsamt", erzählte Köpper. So hätten die Schüler gerne ihre Meinung mit Malkreide auf dem Marktplatz niedergeschrieben. Dies wurde von der Stadt jedoch nicht genehmigt. Nach Ansicht des "Tu Wat"-Vorsitzenden seien die Auflagen für die Aktion so streng, dass er die Absicht des "Leitbildes", nämlich die Jugend an der Stadtentwicklung teilhaben zu lassen, in Frage stellt. "Tu Wat" müsse sogar den Abfall aus den Müllkörben entsorgen und jeden Strohhalm aufkehren, erzählte Köpper kopfschüttelnd. "Dabei ist morgen Wochenmarkt, und dann wird sowieso sauber gemacht." Er werde sich "den ganzen Tag Mühe geben, jede unsinnigste Klausel zu erfüllen". Köpper bedauerte: "Ohne die Ordnungsamtsgeschichte wäre es so schön geworden, gerade weil die Schüler alles organisiert haben."

Sie wollten zeigen, dass sie sich für Politik interessieren und
  • Sie wollten zeigen, dass sie sich für Politik interessieren und auch eine Meinung haben: Etwa 150 Schüler nahmen an der Aktion "Jugend: Laut!" teil.
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