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"Ein Mords-Sonntag" im Brückentorsaal / Krimikomödie mit hanebüchenem Handlungskonstrukt

Trotz Stars: Verkorkster Start in Theatersaison

Rinteln. Es hätte ja so schön werden können beim Auftakt der diesjährigen Theatersaison in Rinteln mit der Kriminalkomödie "Ein Mords-Sonntag" von Jack Jaquine: Als Inspektor trat immerhin Claus Wilcke auf, der vor 40 Jahren als spleeniger Multimillionär Percy Stuart einen riesigen Erfolg in Serie hatte und mit der Attitüde des US-Amerikaners, der unbedingt als britischer Gentleman durchgehen will, einen ganz und gar eigenen Typ us schuf. Diese Figur in ihrer witzigüberzogenen Blasiertheit ließ Wilcke anfangs auch sympathieheischend aufblitzen, wurde dann aber von Regie und Stückvorlage zusehends in die Rolle einer durchgeknallten Doppelbödigkeit getrieben, die keine Psychologie der Person und erst recht keinen roten Faden im Inhalt mehr kannte.

veröffentlicht am 29.09.2007 um 00:00 Uhr

Auch wenn bei Christiane Rücker (l.) mitunter die Femme Fatale i

Autor:

Ulrich Reineking

Auch bei Christiane Rücker (eingesprungen für die ewige Ulknudel Ingrid Steeger) konnte man ein paar Mal die aus Traumschiff-Episoden bekannte Femme Fatale im dritten Frühling erkennen, die mit ihrer etwas bodenständigeren Schwester (routiniert und bieder abgespielt von Liesel Hambach) unter einem Dach mit sehr viel Krach und noch mehr Langeweile lebt - aber das Handlungskonstrukt ist danach derart hanebüchen, dass man die Lust am Verstehen und Verfolgen dieser kalauergestützten Szenen allzu schnell verliert, weiß man doch eigentlich schon nach zehn Minuten: "Das wird nichts mehr!" Zudem kommt die wohl der unzureichenden Personalbestückung hinter der Bühne geschuldete Tatsache, dass die Pausen beim Szenenwechsel vor dem immer gleichen Klapptürenwohnzimmerbild erheblich zu lang ausfielen. Inhalt? Eine Frau aus der Nachbarschaft ist verschwunden, die im spärlichen Programmheft als mannstoll offerierten, eher wohl neurotisch verstörten ältlichen Schwestern sehen darin eine Chance, mal andere Exemplare von Männlichkeit ins Zweimädelhaus zu kriegen als die gewohnten Klempner und Tapezierer, legen Mordspuren, die auf sie selber verweisen und erhoffen sich eine Art Gesellschaftsspiel. Ähnliches versucht auch Inspektor Spingeot und so beginnt ein ermüdendes Katz- und Mausspiel, bei dem auch gelegentlich vorkommende kesse Sprüche nur verhaltenes Gekicher im Publikum hervorlocken können. Das zieht sich dann bis zur Pause, in der die ersten Zuschauer bereits das Weite suchten, manch andere nur blieben, weil die Garderobe geschlossen war. Zwischendurch ein ganz witziges Huhn- und Hahn-Geplänkel, das aber mehr als mutwillig hineingestopftes Intermezzo wirkte denn Zielstrebigkeit in die immer absurdere Wirrnis der Geschichte um Mord, Totschlag und andere Boshaftigkeiten brachte. Warum Regisseur und Ensemble-Chef Michael Oenicke dann auch einige Male noch in der Rolle "des Unbekannten" mit unbekannt bleibenden Intentionenüber die Bühne sprang, erschloss sich zumindest dem Schreiber dieser Zeilen nicht. Wahrscheinlich war es aber auch egal. Irgendwann nach zwei Stunden war ausgelitten, es gab exakt jene Ration von Applaus, die einerseits Respekt und Mitgefühl zum Ausdruck brachte für die zu dieser inszenierten Katastrophe verurteilten Darsteller, andererseits aber jeden Anschein enthusiastischer Reaktion vermied. "Immerhin kann es jetzt in dieser Saison nur noch besser werden!", gab mir ein trotz alledem optimistisch gestimmtes Besucherpaar beim Verlassen des Brückentorsaals noch mit auf den Weg. Und an diesem Hoffen wollen wir uns denn auch gern festhalten und diesen Theaterabend so schnell wie möglich vergessen. "Schlimmer geht's nimmer" - das kann ja mitunter auch Verheißung sein...



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