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Hamelner Unternehmen stellen nach wie vor junge Bewerber ein / Situation besser als im Vorjahr

Trotz Krise: Betriebe setzen auf Ausbildung

Hameln (tk). Trotz wirtschaftlicher Krise in vielen Branchen sieht die Ausbildungssituation für Jugendliche im Landkreis Hameln-Pyrmont gut aus. Denn viele Unternehmen setzentrotz Kurzarbeit und Stellenkürzungen, weiterhin auf Ausbildung. Ihre Hoffnung: Nach einem Abschwung folgt auch wieder ein konjunktureller Aufschwung – dann werden Arbeitskräfte gebraucht, am besten solche, die man selbst ausgebildet hat. „Ausbildung ist eine gute Investition – auch in der Krise“, titelt die Bundesagentur für Arbeit (BA) und will heute beim 14. „Tag des Arbeitsplatzes“ bei Betrieben persönlich für zusätzliche Ausbildungsstellen werben.

veröffentlicht am 13.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

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Agentur sucht noch 70 Stellen

Die Stellen-Zahlen für den Landkreis machen Hoffnung. „Das Verhältnis zwischen Ausbildungsplätzen und suchenden Jugendlichen hat sich gegenüber dem Vorjahresstand verbessert, es gibt aktuell mehr Stellen aber weniger Bewerber“, sagt Christina Rasokat, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Hameln. 894 Ausbildungsstellen, das sind 18 Plätze mehr als im Vorjahr, stehen 822 gemeldeten Bewerbern (ein Minus von 163 Personen) gegenüber. Ende April waren davon noch 436 Stellen vakant und 506 Jugendliche unversorgt. Für ein Pari fehlen der Hamelner Agentur damit noch 70 Stellen. Eine Milchmädchenrechnung zwar, wie Rasokat betont, denn nicht jede Stelle passe auf einen Bewerber. Daher sei es so wichtig, Werbung für zusätzliche Lehrstellen zu machen, damit jedem Ausbildungswilligen ein Angebot gemacht werden könne. Die heutige Aktion richtet sich gezielt an solche Betriebe, die lange keine Ausbildungsstellen gemeldet haben oder die in Berufen ausbilden, in denen Jugendliche noch Lehrstellen suchen. Rasokat weiß: „In den kommenden Jahren wird es kaum möglich sein, jetzt unterlassene Ausbildung nachzuholen.“ Denn demografiebedingt werden sich immer weniger Jugendliche um Arbeitsplätze bewerben. Darum sollten sich die Betriebe bereits in diesem Jahr die künftigen Fachkräfte sichern, die sie bei anziehender Konjunktur benötigen.

Das beherzigen viele Hamelner Unternehmen und bilden unverändert aus. Das Autocentrum Südmersen beschäftigt zur Zeit 14 Auszubildende, jährlich kommen drei neue hinzu, „und daran wird sich auch nichts ändern“, betont Geschäftsführer Hans Otto Südmersen die Kontinuität, mit der er Bewerber annimmt. „Um auf die Krise zu reagieren, gibt es andere Sparmaßnahmen – an unserem Ausbildungswesen werden wir nichts ändern, damit uns auf lange Sicht keine Fachkräfte fehlen.“

Einzelhandel hat Bedarf an Azubis

Der Einzelhandel meldet ebenfalls Bedarf an. Carsten Funke von der Expert Handels GmbH in Langenhagen sieht einen großen Bedarf an Kaufleuten und Einzelhandelsassistenten. Gerade Abiturienten würden in diesem Ausbildungszweig fehlen. Und die Krise sei in der Branche noch nicht angekommen – Lohnerhöhungen, Kilometergeld und Kinderpauschale aus dem letzten Jahr würden noch nachwirken, eine wesentliche Änderung dieses Trends kann er nicht erkennen. „Gute Beratung kann nur persönlich erfolgen, und darauf legen die Kunden immer mehr Wert“, beschreibt Funke diese Kernkompetenz im Einzelhandel. Im Herbst will der Elektronikanbieter weiter expandieren und seine 12. Filiale in Springe eröffnen. Er sucht dafür noch drei Azubis.

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Von Einbrüchen der Auszubildendenzahl kann im öffentlichen Dienstleistungsgewerbe nicht gesprochen werden. „Wir bilden jedes Jahr bedarfsorientiert aus“, erklärt Öffi-Geschäftsführer Carsten Busse. In diesem Jahr habe man zwei Auszubildende, aber auch fünf und sieben Azubis seien nicht ungewöhnlich. Allerdings sei es sehr mühsam, geeignete Bewerber zu finden.

Davon kann Bäckerei-Obermeister Axel Schroer ein Lied singen. Seit Jahren sucht die Bäckerei-Innung händeringend nach Auszubildenden, die Leistungen der Bewerber seien aber oftmals zu schlecht und „junge Menschen für dieses spannende Handwerk nur schwer zu begeistern“. Berufsberaterin Rasokat kennt diese Lethargie. Die Wirtschaftskrise bestätige diese Haltung nur, „viele junge Leute glauben, dass sie keine Chance haben“, und besuchten daher lieber weiterführende Schulen – nicht immer zu ihrem Besten. Dabei suchen viele Betriebe noch bis August nach guten Kräften, „aber dafür müssen die Jugendlichen ihren Mut zusammennehmen und sich für ihre Zukunft interessieren“, wünscht sich Rasokat.

Viele Hamelner Unternehmen erklären branchenübergreifend eine Beibehaltung ihrer Ausbildungsquoten. Und sehen darin eine Investition für die Konjunktur nach der Krise. Foto: Fotobox

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