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Vor Gericht: Urteil gegen Kaninchenzüchter aus der Samtgemeinde Nienstädt in zweiter Instanz erhöht

Trotz Geständnis: Drei Jahre Knast für Vergewaltiger (62)

Nienstädt/Bückeburg (ly). Auch nach dem Weggang des langjährigen Vorsitzenden Börries Freiherr von Hammerstein haben Vergewaltiger vor der 1. Großen Jugendkammer des Bückeburger Landgerichts schlechte Karten. Dies zeigt das Berufungsverfahren gegen einen Kaninchenzüchter aus der Samtgemeinde Nienstädt. Das Opfer: ein zehn Jahre altes Mädchen.

veröffentlicht am 24.01.2007 um 00:00 Uhr

Trotz einesüberraschend abgelegten Geständnisses hat die Kammer den Angeklagten (62) jetzt zu drei Jahren Haft verurteilt und damit sowohl die erstinstanzliche Entscheidung als auch den aktuellen Antrag der Staatsanwaltschaft überboten. Das Schöffengericht hatte zweieinhalb Jahre Gefängnis verhängt (wirberichteten), die Anklagebehörde zwei Jahre und zehn Monate gefordert. Beim Schuldspruch bleibt es: Vergewaltigung in Tateinheit mit schwerem sexuellen Missbrauch eines Kindes und Körperverletzung. "Auch in Zukunft wird das Opfer durch diese Tat belastet sein", befürchtet die Vorsitzende Richterin Birgit Brüninghaus. In den Sommerferien 2000 hatte die damals Zehnjährige eine Freundin besuchen wollen und war am Haus des Nienstädters vorbeigekommen. Bereits früher, vor dem Umzug in ein anderes Dorf, hatte die Schülerin gern die niedlichen Kaninchen des Mannes gestreichelt. Diesmal jedoch wurde der 62-Jährige, aus Sicht des Kindes wohl eine Art väterlicher Freund, vor den Ställen zudringlich und zerrte das Mädchen ins Wohnzimmer. Auf dem Sofa fiel der Hausherr über das zierliche Opfer her, das seinen Peiniger anflehte, damit aufzuhören. Erst als das Unvorstellbare geschehen war, konnte das Mädchen fliehen. All' dies sollte das Opfer, gereift zu einer jungen Frau, jetzt erneut erzählen. Nach Beginn der quälenden Vernehmung jedoch kündigte Verteidiger Ralf Jordan ein Geständnis seines Mandanten an, das sich am Ende zu Gunsten des Angeklagten auswirken sollte. Sonst wäre die Strafe wohl noch höher ausgefallen. Rechtsanwalt Volkmar Wissgott, derdie 17-Jährige und damit völlig andere Interessen als die Verteidigung vertritt, zollte Jordan daraufhin Respekt. Zu Gunsten des Angeklagten hatte die Kammer dessen schwer angeschlagene Gesundheit sowie das Geständnis gewertet, wodurch das Opfer rehabilitiert worden sei. Außerdem habe es sich um die "einmalige Spontantat" eines zudem nicht vorbestraften Mannes gehandelt. Gegen den Nienstädter sprachen vor allem die schweren und vermutlich dauerhaften psychischen Folgen für das Opfer, das mit Gewalt entjungfert worden sei. Der Angeklagte, so Richterin Brüninghaus, habe das Vertrauen eines Kindes ausgenutzt. Bei diesem Kind habe die Tat "Ekel, Scham und Schmerzen ausgelöst". Nach der brutalen Vergewaltigung hatte die Schülerin zwei Stunden lang weinend, zitternd und blutend am Rande eines Feldes gesessen. Danach vertraute sie das furchtbare Geschehen zunächst ihrem Tagebuch an, später einem "Geheimbuch" und Jahre danach einer Reitlehrerin. Eine Therapie musste das Opfer abbrechen. Bis heute ist die 17-Jährige kaum in der Lage, über die Tat zu sprechen.



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