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Prominente heimische Künstler sorgen für vielerlei "Poetische Momente" in der Landfrauenschule

Trio vollzieht spritzige Darbietungen

Bückeburg. Etwa 60 Minuten lang unterhielten sich die dicht gedrängt sitzenden Gäste bei Getränken und Speisen angeregt im gemütlichen Saal der Landfrauenschule. Doch dann kehrte beim ersten Treff zu den "Poetischen Momenten" des Kulturverein in dieser Saison plötzlich Stille ein. Der Grund: Nach der launigen Einführung durch den künstlerischen Leiter der Reihe, Frank Suchland, betraten zwei ursprünglich in Bückeburg beheimatete, inzwischen prominente Akteure die Bühne.

veröffentlicht am 22.01.2008 um 00:00 Uhr

Bildreiches in Musik und Sprache: Bernd Suchland, Henrike Wöbkin

Autor:

Dietlind Beinßen

Autorin Henrike Wöbking war aus Köln angereist und Musiker Bernd Suchland aus Berlin; von dort hatte er sich mit dem Gitarristen Dirk Hohuth hochkarätige Verstärkung mitgebracht - und das Ergebnis war ein wunderbar gleitender Sound. Eine symbiotische Beziehung gingen Töne und Sprache an diesem Abend zwar nichtein, aber das Chargieren zwischen der rhythmischen Intensität des Duos Suchland/Hohuth und Wöbkings mit dem nötigen Elan und Situationskomik nahegebrachten Lesungen besaß durchaus seine Reize. Spannende Improvisationen und Wechsel in der Melodienführung zwischen Bläser und Gitarristen machtendie Wirkung perfekt und führten zu einer einprägsamen Visitenkarte aparter Jazzrichtungen. Weitmehr als 160 Jahre hat die Erfindung von Adolphe Sax nun bereits auf dem Buckel. Trotzdem ist das Saxophon nach wie vor Stiefkind der Komponisten. Doch Suchland und Partner demonstrierten: Im Jazz ist dieses Instrument zu Hause. Bei der Auswahl ihrer engagiert und spritzig vollzogenen Darbietung griff die als erfolgreiche Regieassistentin arbeitende Henrike Wöbking auf den autobiografischen Roman "Drei Tage dreißig" von 2003 zurück, der wie alle ihre Werke bei DTV erschienen ist. In heiter-melancholischer Art konfrontierte Henne - so der an der Wortakrobatin "klebende" Spitzname - das bisweilen nachdenkliche, dann wieder schallend auflachende Auditorium mit sich als seit Längerem 30-Jähriger und deren altersgemäßen Gepflogenheiten, wie etwa ein Mietwagen der Mercedes C-Klasse. Zudem lernten die Zuhörer die besten Bückeburger Freundinnen Corinna - im achten Monat - und Pauline kennen. Letztere wurde erst 30, da hieß es, Geburtstagsvorbereitungen zu treffen, aber typisch schaumburgerisch! Dass Henne - für eventuelle Kümmernisse - mit über 30 noch einen Schlüssel fürs Elternhaus ihr Eigen nannte und nach einer grotesken Fieber-Deliriumsfahrt von Köln nach Hause erst gar nichts, später nur Kamillentee und einen Eimer ans Bett gestellt bekam, quittierte das Publikum mit einem "Oh, die Arme", ob der drolligen Redewendungen allerdings zugleich mit Schmunzeln. Kurzum: Diese bildreiche Erzählung packte die Fantasie am Kragen und erntete reichlich Beifall. Selbstverständlich wurden auch Bernd Suchlandund Dirk Hohuth mit einer Menge Applaus verwöhnt. Kein Wunder, dass diese Veranstaltung reichlich über die vorgesehene Zeit hinaus lief.

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