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Trichter im Laden von Tante Emma

Rinteln (who). Zwei betagte Trichter aus patiniertem Blech bilden heute gemeinsam unser Fundstück. Eigentlich sind die Einfüllhilfen, geschätztes Alter mindestens 50 Jahre, nichts Besonderes. Abgesehen davon, dass ein Trichter grundsätzlich ein nützliches Ding ist, um beim Ein- und Umfüllen von Flüssigkeiten nicht zu kleckern. Und insofern war unser Pärchen einst ein wertvolles und viel gebrauchtes Geräte-Gespann.

veröffentlicht am 12.11.2010 um 17:20 Uhr

Dieses Trichter-Pärchen hat ein langes Arbeitsleben gemeinsam im

Es stammt aus einer Rintelner Kaufmannsfamilie, die vor der Verdrängung durch die Supermärkte heutigen Stils einst ein klassisches Lebensmittelgeschäft geführt hat. Das bedeutet pauschal, es gab in solchen Geschäften fast alle jene Nahrungs- und Genussmittel für den täglichen Bedarf, die nicht im Garten oder auf dem Feld erzeugt werden konnten beziehungsweise im Stall und im Hühnerhof heranwuchsen.

Die Älteren unter unseren Lesern haben beim Anblick der Trichter die Bilder vor Augen von den Einkaufsgängen zum „Kaufmannsladen“, wo der Inhaber, seine Ehefrau oder eine andere „Bedienung“ auf der Waage vor den Augen der Kunden Papiertüten füllten mit allerlei „loser Ware“ aus Säcken, Schubladen und Kisten. Ob getrocknete Hülsenfrüchte, Sauerkraut, eingelegte Heringe und Gurken, Kaffee, Bonbons, Essig oder Speiseöl – alles wurde in gewünschter Menge abgewogen, abgezählt oder „ausgelitert“.

Beim Verkauf von Flüssigkeiten kamen Trichter in den damals zahlreichen kleinen Läden zum Einsatz. Die Gefäße wie Flaschen und Gläser zum Immer-wieder-Verwenden brachten die Kunden selbst mit. Nicht selten kam es vor, dass Kinder zum „Kaufmann gegenüber“ beziehungsweise „Kaufmann an der Ecke“ entsandt wurden mit einer großen Tasse in der Hand mit der Aufforderung: „Hol mal etwas Essig“. Dann nämlich, wenn das Haushaltsgeld kurz vorm wöchentlichen Löhnungs-Zahltag am Freitag wieder knapp geworden war und Mutter den Kauf der großen Flasche Essig verschieben musste. Oder wenn sie einer Nachbarin im Vielparteien-Mietshaus im Arbeiterviertel geliehenes Flüssiggut zurückgeben wollte…



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