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Kabarettist Mathias Tretter in der Interview-Reihe „Redezeit Kinderarmut“ / Kapitalismus grenzt aus

Tretter: „Reich gleich unglücklich“

Lindhorst/Stadthagen (gus). Das 23. Interview „Redezeit Kinderarmut“ ist ohne Zweifel einer der Höhepunkte der Reihe geworden. In einem zutiefst ernsten Gespräch mit dem Lindhorster Matthias Hinse nahm der Kabarettist Mathias Tretter radikale Standpunkte zu Politik und Gesellschaft ein.

veröffentlicht am 25.01.2012 um 10:37 Uhr

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„Das System, wie wir es haben, führt ganz automatisch dazu, dass Leute ausgegrenzt werden – und zwar eine ganze Menge Leute“, diktierte Tretter dem Vorsitzenden der Lindhorster Bürgerinitiative (BI) „Wir für soziale Gerechtigkeit“ in den Block beziehungsweise ins Mikrofon. Und: „Eigentlich sollte das Allgemeinwesen sich um Armut kümmern und nicht Menschen, die Spenden sammeln.“

Stabilisieren Spenden nicht sogar noch dieses System? Damit zog Tretter gar die Arbeit der Lindhorster BI wie auch aller anderer wohltätiger Organisationen in Zweifel. Aber er gab zu, selbst keinen Weg aus dem Kapitalismus zu kennen.

Tretter hatte in seiner Kindheit kein Armutserlebnis, glücklich haben ihn seine Eltern gemacht, „übrigens heute noch“, wie der Kabarettist betont. „Ich habe mich vielleicht mal arm gefühlt auf einem weltweit gesehen unfassbar hohen Niveau: nämlich wenn andere Kinder zur Kommunion mal 500 Euro mehr bekommen haben als ich“, erklärte er.

Selbst Vater eines 17 Monate alten Kindes glaubt er, dass auch sein Nachwuchs das Thema Kinderarmut nicht am eigenem Leib erfahren muss. „Im Gegensatz zu anderen Künstlern verdienen Kabarettisten nicht schlecht“, merkte Tretter an. Dieser ist wiederum überzeugt, dass nicht die Gleichung „reich gleich glücklich“ stimmt, sondern genau das Gegenteil „reich gleich unglücklich“ zutrifft. Materieller Reichtum habe mit Glück jedenfalls nichts zu tun.

Mathias Tretter war bereits Interviewpartner Nummer 23 des kleinen Vereins. Alle Folgen außer der mit dem Fußballprofi Charles Takyi, der seine Antworten schriftlich gab, sind „nachzuhören“. „Wir“-Sprecher Matthias Hinse, der die Interviews führte, bemerkte nach eigenem Bekunden, dass die Kabarettisten eine erfrischende Abwechslung in die Interviewreihe bringen.

Außer Tretter hatten ihm auch bereits Jochen Malmsheimer und Dieter Hildebrandt geantwortet. „Da ist dann auch mal einer ratlos oder weiß keine Antwort auf eine Frage, und das ist dann auch mal sympathisch und ehrlich“, findet Hinse. Mit auf den langen Weg nach Leipzig – dort wohnt der gebürtige Bayer – gab der Lindhorster seinem Interviewgast ein „vernünftiges“ Schaumburger Bier.

• Die Aufzeichnung des Interviews mit Mathias Tretter ist auf der Sonderseite www.sn-online.de/kinderarmut zu finden.



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