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Kritik an Werbeaktion mit angeblich schiefem Preisvergleich / Firmensprecher: Branchenüblich

Treptow: „e.on führt Kunden hinters Licht“

Hameln (mafi). Auf harschen Protest der Stadtwerke Hameln (GWS) ist eine Werbeaktion der e.on Westfalen Weser Vertrieb GmbH gestoßen. GWS-Chefin Susanne Treptow meint, dass heimische Stromkunden durch den Paderborner Konkurrenten „hinters Licht geführt werden“. Wegen eines aus Sicht Treptows unlauteren Preisvergleichs würden derzeit juristische Schritte gegen das e.on-Unternehmen geprüft.

veröffentlicht am 10.06.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Susanne Treptow

In einem Schreiben an zahlreiche Haushalte des Hamelner Postleitzahlgebietes 31787 bietet e.on Westfalen Weser einen Stromtarif „Schnupper & Spar“ an. Unter der Aufforderung „vergleichen Sie selbst“ werden die jährlichen Kosten für einen Durchschnittshaushalt gegenübergestellt: 868,96 Euro bei Yello Strom, 826,00 Euro bei e.on und 826,38 Euro bei der Grundversorgung durch die Stadtwerke Hameln. Wie Treptow erklärt, ist der Vergleich falsch, weil e.on Westfalen Weser hier den ungünstigen Grundversorgungstarif, der nur bei wenigen schlechten Kunden kassiert werde, ansetze, nicht aber den üblichen Tarif „GWS regioplus.strom“. Dieser würde bei dem Modellkunden, der 3500 Kilowattstunden Strom bezieht, eine Rechnungssumme von 798,20 Euro bedeuten, sei also deutlich günstiger als das Angebot der e.on-Konzerntochter. e.on gewährt den Neukunden allerdings noch einen Bonus von 50 Euro.

Werden die regionalen e.on-Töchter ausgeblutet?

Zusätzlich pikant ist für Treptow, dass e.on den Grundversorgungstarif auch für die Werbeaktion in Hamelner Ortsteilen benutzt. Dort liege die gesetzliche Pflicht zur Grundversorgung ausgerechnet bei e.on Westfalen Weser als Netzbetreiber. „Viele Kunden sind verunsichert“, berichtet die GWS-Geschäftsführerin. Sie glaubt, dass e.on „den Rest an Vertrauen verspielt“, und stellt fest: „Die treiben auf diese Weise die Kunden in meine Hände.“ Diese Unternehmensphilosophie könne sie nicht nachvollziehen. Möglicherweise, so mutmaßt Treptow, mache die Konzernzentrale den Regionalgesellschaften Vorgaben, die darauf abzielen, diese Töchter so auszubluten, dass deren kommunalen Anteilseigner das Interesse verlieren und aussteigen. So ließe sich eventuell auch erklären, warum e.on seinen Sitz in Hameln aufgegeben hat, was nun die Position von e.on bei der Neuvergabe der Stromnetzkonzessionen stark schwäche. Auch der Verzicht auf eine e.on-Geschäftsstelle in Hameln-Pyrmont unterlaufe die Kundenwerbung. Seit Anfang 2008 haben die Hamelner Stadtwerke laut Treptow gerade auch unter Hinweis auf ihre Kundennähe und damit Kundenfreundlichkeit e.on Westfalen Weser 1500 Kunden abgenommen.

e.on hatte für seine Informationen offenbar auf das von Stiftung Warentest gelobte Internetportal „tarifvergleich.de“ zugegriffen. Dort steht die GWS derzeit auf Platz 70 – allerdings mit dem ungünstigen Basistarif. Edgar Schroeren, Pressesprecher bei der e.on Westfalen Weser Vertrieb GmbH betont, der Vergleich mit der Grundversorgung sei branchenüblich. Der in dem Werbeschreiben nicht aufgeführte Grundversorgungstarif von e.on Westfalen Weser Vertrieb „ist bekannt oder im Internet recherchierbar“. Der Vertrag enthalte eine Preisgarantie für ein Jahr, und der Kunde bekomme „rechtzeitig vor Vertragsende ein attraktives Anschlussangebot“. Außerdem profitiere ein Kunde von e.on Westfalen Weser vom „TÜV-zertifizierten guten Service des regionalen Versorgers und einer intensiven Energiespar-Beratung“. Der Schnupper-und-Spar-Tarif sei ein neues Produkt für alle Interessenten in der Region Hameln. Auch bisherige Kunden von e.on Westfalen Weser könnten auf Wunsch in diesen Tarif wechseln.

E. Schroeren


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