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Vor Gericht: Buchholzer nach diversen Osterfeuer-Prozessen erneut auf der Anklagebank

Treckerfahrer hat "jetzt die Faxen dicke"

Heeßen/Bückeburg (ly). Um einen Spruch ist dieser Angeklagte nie verlegen, auch wenn er sich damit am Rande einer Beleidigung bewegt. "Ihnen ging es nur darum, eine Anzeige zu schreiben", wirft der Buchholzer (54) einem Polizisten vor, der als Belastungszeuge auftritt. Und als Richter Armin Böhm, Direktor des Bückeburger Amtsgerichts, einige Zeugen der Verteidigung zunächst nicht laden will, wird auch er angefahren: "Ich habe jetzt langsam die Faxen dicke", wettert der Mann auf der Anklagebank.

veröffentlicht am 10.05.2007 um 00:00 Uhr

Gleich zu Beginn hat dieser den Vorsitzenden als befangen abgelehnt, was zu Verzögerungen führte, ist mit dem entsprechenden Gesuch aber gescheitert. Schon in der Vorbereitung für den Prozess, so hatte der 54-Jährige zur Begründung unter anderem formuliert, habe Böhm ihn "kurz gehalten". Misstrauen gegenüber der Justiz wird bei dem Eilser groß geschrieben. In dem recht lebhaften Prozess geht es um Fahren ohne Fahrerlaubnis. Zwei Tage vor Heiligabend soll der Buchholzer Holz transportiert haben und dabei nachmittags auf dem Aueweg in Heeßen ein Stück mit dem Auto gefahren sein. Zwei Polizisten, damals als Zivilstreife unterwegs, wollen die Tat beobachtet haben und untermauern dies mit dem Hinweis, der Wagen mit Anhänger sei ihnen in einer Kurve entgegen gekommen. Deshalb hätten sie genau sehen können, dass das Auto fuhr. BeimNäherkommen habe der Mann angehalten und sei ausgestiegen. Niemand sonst sei dort gewesen. Der Angeklagte hält dagegen, nicht gefahren zu sein. Im Prozess verteidigt sich der frühere Justizvollzugsbeamte selbst. Die zwei Polizisten befragt er intensiv und mit leicht gereiztem Unterton, fast wie beim Kreuzverhör in amerikanischen Gerichtssälen. Bei der Justiz ist der 54-Jährige quasi ein alter Bekannter - und das nicht nur, weil er bis zu seiner Pensionierung dazu gehört hat. Für Aufsehen gesorgt hatte der Buchholzer, nachdem er im April 2000 beim Heeßer Osterfeuer mit 1,9 Promille Alkohol im Blut Trecker gefahren war, was eine Reihe von Gerichtsverhandlungen nach sich gezogen hatte (wir berichteten). Unverändert sieht sich der Ruheständler offenbar als Opfer von Polizei und Justiz. Einmal hatte er halb im Spaß behauptet, an einer "Justiz-Allergie" zu leiden, ein anderes Mal, gut zwei Jahre ist das her, dem damaligen Staatsanwalt Reinhard Meffert vorgeworfen, dieser spreche "mit gespaltener Zunge". Als Retourkutsche dachte sich Meffert den Spitznamen "Michael Kohlhaas von Buchholz" aus und kam zu dem Schluss: "Der Angeklagte stinkt gegen alles, was deutsches Recht ist." Mitte Mai wird der Prozess mit der Vernehmung von Entlastungszeugen fortgesetzt.



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