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Göttinger Symphoniker brillieren mit drei Wiener Klassikern

Tragisches und Heiteres - große Gefühle in St. Nikolai

Rinteln (dis). Es gab Tragisches, Sehnsuchtsvolles, Schicksalhaftes und Heiteres. An großen Emotionen hat es beim gefeierten Konzert des Göttinger Symphonie Orchesters unter Leitung von Wolfgang Westphal zum Thema "Die drei Wiener Klassiker" in St. Nikolai keineswegs gemangelt.

veröffentlicht am 10.10.2006 um 00:00 Uhr

Joseph Haydns Sinfonie Nr. 83, g-Moll, "Die Henne", aus der Reihe der Pariser Sinfonien, bildete mit ihren drei leichtfüßigen Teilen und dem anmutigen Andante den unbeschwerten Auftakt. Vom Dirigenten angefeuert, musizierten die Gäste aus der Universitätsstadt spritzig, locker und geschmeidig und setzten gut gelaunt auf den Witz. Der Haydn-Spaß ließ nicht lange auf sich warten, zumal er ja gleich im einleitenden Allegro spiritoso steckte. Dass Haydn - wie kaum ein anderer Komponist - ein Prüfstein für jedes Ensemble ist, war nirgendwo zu spüren. Dann wurde es spannend im Kirchenschiff, erlebte man doch den 20-jährigen Schüler von Star-Klarinettistin Sabine Meyer, die erst kürzlich in der St.-Nikolai-Kirche für ihre Mozart-Darbietung umjubelt worden war. Um es gleich vorweg zu sagen: Der deutlich von seiner Meisterin geprägte Sebastian Manz gewann die Herzen der Anwesenden durch lebendiges und "singendes" Spiel in Windeseile. Manz gestaltete den virtuosen Solopart im herrlichen A-Dur-Konzert, KV 622, mit Brillanz und jenem seelenvollen, samtenen Ton, der den Kantilenen in Mozarts spätem Werk ihre unwiderstehliche Ausstrahlung verleiht. Im hellhörig begleitenden, mit ihm nahtlos zusammengehenden Orchester wusste sich der Künstler bestens aufgehoben. Am Ende des Programms hieß es, Beethovens gewaltige "Fünfte" zu bestaunen. Wegen ihrer ungeheuren Popularität ein Selbstläufer, möchte man meinen, und vergisst, dass es gegen die sorgfältig konservierte Übermacht beispielhafter Interpretationen anzusteuern gilt. Ein Druck, dem sich der Stabführer beugen kann oder nicht. Wolfgang Westphal und die Symphoniker hatten ein überzeugendes eigenes Konzept zur Hand, was beim - mit einem Ruck aus der gepflegten "Wiener Klassik"-Gemütlichkeit herausgerissenen - Publikum mannigfache Gefühle weckte. Kernig bis anfeuernd packten die "Göttinger" und deren Leiter nicht nur das "Schicksalsmotiv", sondern die beiden Ecksätze insgesamt an, dynamisch den langsamen zweiten, spannend in seinen Steigerungen schließlich den dritten und vierten. Sie ließen sich auf das Pathos dieser Sinfonie ein, ohne sich ihm aber völlig auszuliefern. Die Folge: Große Zustimmung im fast ausverkauften Gotteshaus.

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