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Schulanfang: Kita-Kinder und Grundschüler der vierten Klasse entwickeln sich zusammen weiter

Tragfähige Brücken an der Nahtstelle Schule

Obernkirchen (rnk). Die Antwort auf die Frage, warum sich am frühen Morgen 18 Kinder aus der Tagesstätte am Kleistring und 16 Kinder aus der vierten Grundschulklasse im Wald treffen, wurde wohl niemals schöner und treffender formuliert als auf Seite 97 im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan von 2006: "Übergänge sind zeitlich begrenzte Lebensabschnitte, in denen markante Veränderungen geschehen, und Phasen beschleunigten Lernens. Es sind kritische Lebensereignisse, deren Bewältigung die persönliche Entwicklung voranbringen, aber auch erschweren können, die Freude und Neugier auf das Neue ebenso hervorbringen können wie Verunsicherung und Angst."

veröffentlicht am 28.06.2008 um 00:00 Uhr

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DerÜbergang vom Kindergarten in die Grundschule wird seit einiger Zeit - nicht nur unter dem Eindruck des Pisa-Schocks -, am pädagogischen Erziehungshimmel recht hoch gehängt; er ist wieder wichtig geworden. Ehrgeiziges Ziel ist, das einzelne Kind in einer sensiblen Phase zu begleiten, seine Neugier zu wecken, es Neues entdecken zu lassen und gleichzeitig seine Angst davor abzubauen. Das Fremde, das Andere, das, was nun kommt, soll vertrauter gemacht werden, damit der Übergang leichter gelingt. Den Schulanfängerin werden in einzelnen Projekten oder Bausteinen verschiedene Erfahrungsfelder angeboten, bei denen sie meistens von den älteren Schulkindern unterstützt werden, die dafür Verantwortung übernehmen und somit auch in eine Vorbildfunktion hineinwachsen, die für ihre soziale Entwicklung förderlich ist. Das Kooperationsprojekt, das mittlerweile für Schulen und Kindergärten verbindlich ist, wird durchaus mit Leben erfüllt, betonen Maren Witte als Kindergartenleiterin und Lehrerin Heike Radecke, auch wenn viele Erzieher und Lehrkräfte wohlmöglich nicht besonders glücklich darüber sind, dass ihnen zusätzliche Aufgaben aufgebürdet werden. Vor allem für die Lehrer ist das vierte Schuljahr mit all seinen Gutachten, Zeugnissen und Empfehlungen außerordentlich arbeitsintensiv. Dennoch: Der Einstieg in die Kooperation ist erfolgt. Zu diesem Schuljahr wurde im Schulvorstand der Grundschule, der aus Elternvertretern, Lehrern und Schulleitung besteht, ein Kooperationskalender verabschiedet, der von den Kindergartenleiterinnen und dem Schulvorstand gemeinsam erarbeitet wurde. Eine Kooperationsbeauftragte der Schule wurde benannt, weitere Kontakte beim Zirkusworkshop mit einer 3. Grundschulklasse und dem Besuch einer ersten Klasse zum Vorlesen im Kindergarten geknüpft. Die Kinder der Tagesstätte haben in den letzten Tagen und Wochen ihre künftige Turnhalle erkundet, haben mit den Schulkindern Mini-Golf gespielt und auch an den Bundesjugendspielen teilgenommen. In dieser und der nächsten Woche wird die Schule besucht, die für zumeist Sechsjährigen eine völlig neue Erfahrung ist. Nicht nur, weil der Besuch jetzt Pflicht wird, weil das Leben jetzt sehr viel verbindlicher wird, sondern auch, weil hier alles anders ist: Es ist lauter, die Wege sind weiter, es gibt mehr Klassen, mehr Kinder - und auf einmal sind sie wieder die Kleinen, nicht wie im Kindergarten die Großen, die jetzt in die Schule kommen. Und auch das Lernen ist ein anderes: War es im Kindergarten noch das Spiel, über das sich Wissen angeeignet wurde, wird jetzt systematisch gelernt. Aber natürlich freut sich die Mehrzahl der Kinder auf die Schule; sie sind neugierig auf ihre neue Welt. Doch es gibt auch andere, unsichere und ängstliche Kinder, die sich den Erwartungen der Eltern ausgesetzt sehen. Überforderungen sollen vermieden werden, doch was eine Überforderung überhaupt ist, ist für das einzelne Kind individuell verschieden. Daher müssen sich Erzieher und Lehrer absprechen, müssen - kurz, aber dennoch intensiv - die Stärken und auch Fördermöglichkeiten eines Kindes diskutieren und Erfahrungen austauschen. Vorgestern gab es beim Waldbesuch eine Gelegenheit, bei der Kita-Kinder und Grundschulkinder - obwohl vier Jahre auseinander - miteinander und voneinander lernen konnten. Revierförster Steffen Fitzner erklärte ihnen den Wald, den Unterschied zwischen Nadel- und Laubbäumen, zwischen Buche und Eiche - was für den einen eine neue Welt ist und ein erstes kleines Kennenlernen der noch unbekannten Welt der Schule, ist für den anderen eine gute Gelegenheit, sein Wissen noch einmal aufzufrischen oder zu vertiefen. Maren Witte erklärt es so: Wenn es gelinge, mit den schulischen Herausforderungen an die bereits gesammelten Erfahrungen im Kindergarten nahtlos anzuschließen, dann seien die Weichen für eine erfolgreiche Schullaufbahn gestellt. Wie Lehrerin Heike Radecke und Erzieherin Renate Köpper war sich Witte der Schwachstelle des Kooperationsprojektes vorgestern im Wald aber durchaus bewusst: "Es steht und fällt mit dem Einsatz der Beteiligten." Aber: "Wir sehen die Kooperation nicht als zusätzliche Arbeit, sondern als Chance. Wir können eine vertrauensvolle Basis zwischen Kita und Schule aufbauen."



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