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Vor Gericht: Kinder belasten ihren Vater / Streit und Gewalt in der Familie an der Tagesordnung

Totschläger erlebt im Knast "die Hölle"

Hohenrode/Bückeburg (ly). Hinter Karl Heinz B. liegt eine harte Zeit. Seit dem ersten Prozesstag am vergangenen Mittwoch ist der mutmaßliche Totschläger aus Hohenrode, der seine Frau (45) mit mindestens 21 Axthieben umgebracht haben soll, nach eigener Darstellung "durch die Hölle gegangen". Mithäftlinge hätten ihn in Bückeburg "mehrfach hart bedroht". Zwischenzeitlich ist der 54-Jährige in ein anderes Gefängnis verlegt worden.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 10:18 Uhr

Zum Auftakt hatte B. vor dem Bückeburger Schwurgericht stundenlange Monologe gehalten, die Bluttat streckenweise zynisch geschildert und die Justizvollzugsanstalt als "Affenstall" bezeichnet. Gestern klagte er über Schlafmangel, Rückenschmerzen und Schnupfen. Mit einem Antrag, als verhandlungsunfähig eingestuft zu werden, kam der Angeklagte indes nicht durch. Vielleicht wollte er auch bloß nicht hören, wie seine Kinder über ihn sprechen. Verständlich wäre es. Für die Zuhörer im mittlerweile vollen Saal entstand das Bild einer vom Alkohol zerstörten Familie, in der Streit an der Tagesordnung war und es immer wieder zu körperlicher Gewalt kam. So berichtete ein erwachsener Sohn (19) von hässlichen Szenen, in denen der Hausherr "mit Fäusten, Füßen oder Gegenständen" auf seine Frau losgegangen sei. Die Mutter beschrieb der junge Mann, der nach einem dieser Vorfälle mit 16 Jahren in eine Wohngruppe gekommen war, als "relativ friedlich", ein "zerbrechlicher Mensch". Die Gewalt soll stets vom Vater ausgegangen sein. Mehrfach habe dieser davon gesprochen, das spätere Opfer umbringen zu wollen. "Die Axt war immer griffbereit", erinnerte sich der Zeuge an die "ständige Bedrohung". Noch heute hat der19-Jährige so große Angst vor "meinem Erzeuger, oder wie man ihn bezeichnen möchte", dass er in dessen Gegenwart erst nicht aussagen wollte. Mehrere Männer mussten den Zeugen abschirmen. Zu frisch scheint die Erinnerung. Einmal soll es in der Wohnung zu einer Art "Gerichtsverhandlung" gekommen sein. Mit den Worten "Willst du jetzt sterben oder deine Mutter?" soll der Vater dem Jungen einen Dolch an den Nacken gehalten und ihn in Todesangst versetzt haben. Auch Elektroschocker habe er bei Frau und Kindern angesetzt. Zuvor waren im Gerichtssaal Videoaufnahmen von der Vernehmung einer Tochter des Angeklagten gezeigt worden. Die Elfjährige hatte die ersten Axthiebe gesehen. Am nächsten Tag musste sie helfen, die Leiche in einem nahen Wäldchen zu verstecken. "Hör auf!", soll die Mutter zu Beginn geschrien haben. "Dann", so das Kind, "konnte sie nur noch röcheln. Sie war viel zu schwach, um sich zu wehren." Danach habe der Vater "in seinem Chefsessel" gesessen und mehrmals wiederholt: "Kinder, ich hab' die Alte umgebracht. Sie hat mich 25 Jahre genervt." Der Prozess wird Mittwoch um 9 Uhr fortgesetzt.

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