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Relikte der alten Grafschaft Schaumburg / Pastor vermutet achteckigen Taufbrunnen / "Pferdetränke" unwahrscheinlich

Tonnenschwere Sandsteinschalen geben Rätsel auf

Sachsenhagen (jpw). Herkunft unklar - Zukunft unklar, und die steinerne Gegenwart birgt ungelöste Rätsel: Werden die tonnenschweren Sandsteinschalen auch künftig auf dem Platz an der Oberen Straße gegenüber der "Alten Schule" stehen? Werden sie an ihren alten Standort in der Nähe des Schlosses zurückkehren oder gar auf den Kirchenvorplatz versetzt?

veröffentlicht am 12.05.2007 um 00:00 Uhr

Der ursprüngliche Zweck der alten Steinschale liegt noch im Dunk

Nur eines scheint gegenwärtig sicher zu sein: "Pferdetränken", wie es immer noch ein vom Sachsenhäger Heimatverein in den achtziger Jahren aufgestelltes Schild aussagt, sind die großen Sandsteinschalen wohl nie gewesen. Dafür sind sie viel zu prachtvoll und aufwändig ausgestattet. Das glaubt auch die jetzige Vorsitzende des Heimatvereins, Anne Beckmann: "Ich kann mir es nicht vorstellen." Völlig unklar ist auch, ob die mit Engelsköpfen, Mustern und Inschriften früher jeweils gesondert als Halbschalen an der Wand angebracht, oder zusammengefügt waren. Jahrzehntelang war es still um das steinerne Denkmal aus den Zeiten der alten Grafschaft Schaumburg. Es fristete lange unbeachtet undüberwuchert vor dem Schloss ein vergessenes Dasein. Irgendwann entschloss sich die Stadt Sachsenhagen, lange nach dem Abriss eines Hauses an der Oberen Straße, das einst einer jüdischen Familie gehört hatte, die Halbschalen dorthin zu versetzen. Der neue Platz heißt im Volksmund "Klingemanns Ruh". Die Einsicht in eine eventuelle Neugestaltung des unansehnlichen gegenwärtigen Standortes, des Schlossparks und auch des Bereiches um die Kirche hatte zuletzt im städtischen Kulturausschuss die ersten öffentlichen Überlegungen zur Folge. Pastor Josef Kalkusch schaute sich die lateinische Inschrift noch einmal genau an. Er ist sich sicher, dass sie außer dem Hinweis auf den Grafen Ernst zu Holstein-Schauenburg einen deutlichen Bezug auf die Geschichte der Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen enthält. Diese ist im vierten Kapitel des Johannes-Evangeliums aufgezeichnet. Die Szene sei mit der Taufe in Verbindung zu bringen, meint der Theologe. Es könnte sein, sagt Kalkusch, dass die Sandsteinschalen als Taufbrunnen an der 1495 gestifteten Schlosskapelle verwendet worden seien. Auch die achteckige Form symbolisiere "den achten Schöpfungstag und die mit der Auferstehung beginnende Schöpfung, in die der Mensch mit der Taufe hinein genommen werde". Für den Pastor ist es deshalb auch denkbar, die Schalen statt am Schloss auf einem erneuerten Kirchenvorplatz zu platzieren.



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