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35-Jähriger ersticht 27-Jährigen / "Vermutlich ging es um eine Frau"

Tödlicher Streit im Kurpark

Bad Nenndorf (rwe). Ein blutiger Streit im Kurpark hat am Donnerstagabend ein tödliches Ende genommen. Ein 35-jähriger Bad Nenndorfer hat bei einer Schlägerei einen 27-jährigen Mann mit einem Messer so schwer verwundet, dass dieser im Stadthäger Krankenhaus starb. Ein 19-jähriger Freund des Opfers wurde durch einen Messerstich ebenfalls lebensgefährlich verletzt, überstand aber die Notoperation. Der Täter hat sich gestern gestellt.

veröffentlicht am 04.10.2008 um 00:00 Uhr

Tatort Brunnentempel: Mit Kreide hat die Polizei die Blutstellen

Die tödliche Attacke vom Vorabend ist an diesem Tag das Gesprächsthema überall im Kurpark. Nur um den Brunnentempel herrscht Grabesstille. Ein Handvoll junger Männer und eine Frau stehen vor dem Säulenbauwerk, starren auf die roten Flecken und die mit Kreide notierten Zahlen. Sie befinden sich an einem Tatort und können das Drama nicht fassen, das sich am Donnerstag gegen 21.45 hier abgespielt hat. Ein Freund ist tot, ein zweiter liegt schwer verletzt in der MHH. "Wir dürfen nichts sagen" Zum Reden ist der jungen Frau ohnehin nicht zumute. Nur ab und zu sprudelt es aus der Freundin des Opfers heraus. "Ich habe noch seinen Kopf gehalten. Alles war voll Blut", schildert sie und kann die Tränen kaum zurückhalten. Blumen bedecken die Flecken auf dem Asphalt. Auf dem Sims des Brunnentempels steht das Bild des jungen Bad Nenndorfers, der nach Auskunft der Polizei staatenlos war. Dort saß er, wartete schwer verletzt auf den Notarzt. Den Rücken presste er an die Steine, um die starke Blutung zu stoppen. Sein Widersacher hatte ihm die 20 Zentimeter lange Klingevon hinten hinein gerammt. "Das dauerte eine halbe Stunde, bis Hilfe da war", will einer der Männer erfahren haben. Zwei Mal im Bauch und ein Mal im Rücken habe ihn der Mann erwischt. Der Freund, ein 19-jähriger aus Barsinghausen, erlitt einen Stich in den Bauch. Niemand sei zur Hilfe gekommen, ist zu hören. Ein Mitarbeiter vom Sicherheitsdienst habe nur zugesehen und wegen des großen Messers offenbar Angst gehabt. Dass die Aufsicht im Kurpark vor Ort war, bestätigt auch die Polizei. Aber vermutlich erst nach der Tat, heißt es. Die Mitarbeiter seien nur durch die Schreie auf den Streit aufmerksam geworden und dann dahin geeilt. Warum es überhaupt zu der blutigen Fehde kam und was sich genau unterhalb der Promenade auf den Treppen abgespielt hat, das ermittelt die Polizei noch. Der aus Russland stammende 35-jährige Bad Nenndorfer stellte sich gestern und gestand die Tat. Er wurde festgenommen und wird heute dem Haftrichter vorgeführt. Ihm zur Seite stand offenbar ein 23-jähriger Deutscher aus Bad Nenndorf, der sich leichte Blessuren am Kopf zuzog, diese aber ambulant von einem Arzt behandeln ließ. "Vermutlich ging es um die Belästigung einer Frau", so ein Ermittler. Die Streitereien hätten wohl schon am Nachmittag angefangen. Offenbar trafen die Widersacher dann abends im Bereich der Wandelhalle erneut aufeinander. Die Party drinnen, bei der rund 600 Leute feierten, hatte damit nichts zu tun. "Das spielte sich alles draußen ab. Das waren auch keine Gäste", erklärt der Beamte. Sechs Personen seien beteiligt gewesen. Wer dabei wen angegriffen hat, dazu hat die aus allen Teilen Schaumburgs zusammengezogene Mordkommission noch kein klares Bild. Erst will sie alle Zeugen hören. Den Blutflecken nach zu urteilen, hatte sich das Opfer einige Meter weit bis zum Brunnentempel geschleppt, ehe der Messerstecher von ihm abließ, um die Wandelhalle herum lief und mit einem Auto flüchtete. Trotz seiner Wunden war es der 27-Jährige selber, der als erster die Polizei verständigte. Er kam ins Stadthäger Krankenhaus, in dem er seinen Verletzungen erlag. Sein Freund wurde in die MHH gebracht. Erst morgens um fünf sei klar gewesen, dass der 19-jährige Barsinghäuser durchkommen wird, berichtet einer der "Herzbrüder" aus der Trauergemeinde. Diese bleibt nicht unter sich. Ab und an kommen Spaziergänger, erkundigen sich und spenden Trost.



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