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Richter erkennt auf fahrlässige Tötung

Tödlicher Fehler: Bewährungsstrafe für Brummifahrer

Haste/Stadthagen (menz). Wegen fahrlässiger Tötung hat der Strafrichter am Amtsgericht Stadthagen einen 30-jährigen Mann zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Mit einem Fahrfehler hat der damalige Berufskraftfahrer aus Hannover im April letzten Jahres den Tod eines Menschen verschuldet. Mit einem Fiat Ducato war er in einer langezogenen Rechtskurve vor der Ortseinfahrt von Haste-Wilhelmsdorf auf die Gegenfahrbahn gekommen, ein entgegenkommender Motorradfahrer konnte dem Lieferwagen nicht mehr ausweichen. Der 25-Jährige starb am Unfallort.

veröffentlicht am 19.01.2008 um 00:00 Uhr

Der Unfallfahrer schwieg vor Gericht undüberließ es den Verfahrensbeteiligten, darüber zu mutmaßen, was ihn von der Fahrbahn abgebracht haben könnte. Einen technischen Defekt an dem Fahrzeug schloss der Gutachter aus. Der vortragende technische Sachverständige machte einen "Fahrfehler" des Kraftfahres für den Unfall verantwortlich. Ein "Fehlverhalten" des Angeklagten stellten auch dessen Anwälte nicht in Abrede. Selber sichtlich bewegt, beschäftigte sich der plädierende Anwalt in seinem Schlusswort in erster Linie mit emotionalen Aspekten der "fürchterlichen" und "ganz schrecklichen Sache". In den gefühlvollen Worten erfolgte der Hinweis auf eine Mitschuld des getöteten Motorradfahrers fast nebenbei. Vielleicht verließ sich der Hannoveraner Jurist in diesem Punkt auf den Staatsanwalt. Der Ankläger hatte in seinem Plädoyer strafmindernd berücksichtigt, dass der Motorradfahrer mit überhöhter Geschwindigkeit aus der Ortschaft gefahren war. Der Gutachter hatte berechnet, dass bei der Einhaltung der innerorts vorgeschriebenen 50 Stundenkilometer der Unfall hätte vermieden werden können. Mit seinem Plädoyer handelte sich der Ankläger eine heftige Entgegnung des Rechtsanwaltes ein, der die Familie des Unfallopfers vertrat. Eine Geldstrafe, wie vom Ankläger beantragt, fand der Nebenklägervertreter völlig unzureichend. Als "letztlich marginal" bewertete der Strafrichter das Mitverschulden des Unfallopfers und sprach dem Angeklagten das Hauptverschulden am Unfall zu. Mit guter Sicht und guten Straßenverhältnissen zum Unfallzeitpunkt gab es auch keine widrigen Umstände, die vom Gericht eventuell strafmildernd hätten berücksichtigt werden können. Ungünstig für den Angeklagten wirkten sich drei Eintragungen im Verkehrsregister aus. Unter Abwägung aller Gesichtspunkte verhängte der Strarichter sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewähung. Als Auflage muss der 30-Jährige 1000 Euro an den Malteserhilfsdienst bezahlen. Eine erkleckliche Summe für den Mann, der mit Frau und zwei Kleinkndern am untersten Rand des Existenzminimums lebt. Vor der Urteilsverkündung erhob sich zu einem Schlußwort und entschuldigte sich bei den Angehörigen. Es falle ihm schwer, nach dem Unfall weiterzuleben, gab er Einblick in seinen Gemütszustand.



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