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Rintelner Abendgespräch zum Untergang der Familie / Zahlen stehen zu sehr im Mittelpunkt des Abends

"Tja, da stehen Sie vor einem Scherbenhaufen"

Rinteln (cok). "Untergang der Familie - was können wir vor Ort tun?", so lautete das Thema des "Rintelner Abendgesprächs" im Pfarrheim St. Sturmius in einer neuen Runde dieser ökumenisch ausgerichteten Vortrags- und Diskussionsreihe. Bisher ging es bei den "Abendgesprächen" immer auch um Fragen der Ethik, Religion und Sinnfindung. Diesmalallerdings standen jede Menge Zahlen und Statistiken im Mittelpunkt.

veröffentlicht am 20.11.2006 um 00:00 Uhr

Gaben sachliche Informationen: Undine Rosenwald-Metz (l.) und Ki

Die VHS-Direktorin und Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Undine Rosenwald-Metz, und Kirstin Büthe, Gleichstellungsbeauftragte in Rinteln, waren die Referentinnen eines Abends, der einer Informationsveranstaltung zum "Lokalen Bündnis für Familien" glich, und so konnte man ein dickes Bündel Zahlenmaterial aus demoskopischen Erhebungen rund um den Wandel von Bevölkerungsentwicklungen, Alterspyramiden und Familienstrukturen in Schaumburg und Rinteln nach Hause tragen, dazu den gerade fertiggestellten "Roten Faden", einen Flyer, der sämtliche soziale Einrichtungen für Familien in Rinteln aufzählt. Warum werden immer weniger Kinder geboren? Wie kann das Leben mit einer großen Familie wieder attraktiv gemacht werden - diesen Fragen galt der Vortrag von Undine Rosenwald-Metz, deren Dringlichkeit sie mit durchaus dramatischen Zahlen und Fakten in einem "Schrumpfszenario für Schaumburg" untermauerte. Wenn die Entwicklung nicht gestoppt werde, könne die Einwohnerschaft von Rinteln durch die Abwanderung der jungen Familien und den Nachwuchsmangel bald schon um ein Drittel reduziert sein. "Und trotzdem: Menschen möchten in Familien leben", sagte Undine Rosenwald-Metz. "81 Prozent aller Kinder werden innerhalb von geschlossenen Ehen geboren." Sie erläuterte, wie unflexibel die Betreuungsangebote für Kinder berufstätiger Mütter immer noch seien, wie sehr ausgerechnet die Familien durch das neue Steuerrecht belastet würden und dass in vielen kinderreichen Familien echte Armut herrsche. Zugleich betonte sie die wichtige gesellschaftliche Bedeutung von Familien, die ja nicht nur zukünftige Steuerzahler produzieren sollen, sondern Kindern eine Geborgenheit vermitteln, die es ihnen ermöglicht, ihre vorhandenen Fähigkeiten zum Nutzen für alle zu entwickeln. Die Bundesregierung schlage zwar einen neuen Weg in Sachen nachhaltiger Familienpolitik ein, die Kosten dafür aber würden den Kommunen aufgebürdet. Kirstin Büthe dann zählte dann Reihe solcher Maßnahmen und Einrichtungen auf, mit der die Stadt Rinteln Eltern und Kinder unterstützt, angefangen bei finanziellen Zuwendungen für Kinderschutzbund und Ferienspaß bis hin zur Ausschreibung von neuen günstigen Baugebieten. Für die Arbeit im "Lokalen Bündnis für Familien" bekam die Gleichstellungsbeauftragte zudem zehn zusätzliche Wochenstunden zugesprochen. Dass manche Zuhörer kein so ausschließlich soziologisch geprägtes "Abendgespräch" erwartet hatten, zeigte sich am unschönen Ausgang der Veranstaltung, als eine Frau mit stockender Stimme von ihren persönlichen Problemen als geschiedener, "aufgeopferter" Mutter zu erzählen begann. Sie fing sich für ihren nicht ganz passenden Beitrag eine gehörige Abreibung von Undine Rosenholz-Metz ein. Die Gleichstellungsbeauftragte rechnete ihr vor, dass andere Frauen in ihrer Lage sehr wohl klarkämen und der Staat nicht auch noch Mütter, die zu Hause bleiben, alimentieren könne. "Tja, da stehen Sie nun vor einem Scherbenhaufen!" Als die Frau daraufhin gekränkt und türenknallend den Raum verließ, wandte sich eine Ko-Referentin aus dem Publikum in das betroffene Gemurmel der übrigen Zuhörer hinein dem Zahlenmaterial des Kinderschutzbundes zu. Ethik, Religion und Sinnfindung, die kommen dann beim nächsten ökumenischen Abendgespräch wieder zur Sprache, wenn es am Mittwoch, 14. Februar 2007, heißt: "Glauben wir alle an denselben Gott?"

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