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Experte Manfred Röver referiert über den Kampf gegen die Nässe im Fachwerk

Tipps und Tricks für Altbaubesitzer: "Harte Tonziegel sind das Todesurteil"

Rinteln (who). Die zahlreichen alten Fachwerkbauten innerhalb der Altstadtmauern sind ein großes Pfund im ProRinteln-Tourismuskonzept. Weil aber für manchen Besitzer die Lust an seinem baulichen Schmuckstück unter anderem in Folge von Nässeschäden zur Last geworden ist, hatte die Stadt Rinteln am Mittwoch Betroffene und Interessenten zum Informationsabend ins Rathaus geladen.

veröffentlicht am 16.02.2008 um 00:00 Uhr

Das Beispiel in der Engen Straße zeigt: Schlagregen und Feuchtig

Der Referent des Abends, Manfred Röver aus Apelern, ist Vorsitzender der IG Bauernhaus und konnte als Fachwerkhausbesitzer ein persönliches Lied zum Thema singen. Sein Tenor: Ein Patentrezept zum Wetterschutz gibt es zurzeit nicht, jeder Fall muss individuell behandelt werden. Probleme seien verstärkt aufgekommen, nachdem seit Mitte der 1970er Jahre in großem Maße Fachwerk freigelegt und damit Witterungseinflüssen ausgesetzt worden sei. Denn viele der Gebäudeflächen seien zuvor geschützt gewesen durch Putz, Behang aus Dachpfannen oder anderen Verkleidungen. Die Folgen: Schlagregen und Feuchtigkeit kann vor allem an ungeschützten Wetterseiten angreifen und verheerenden Schaden an den Fronten und im Inneren anrichten. Das allein ist nicht alles und die Probleme sind eher vielfältiger, erläuterte Röver. "So gibt es zum Beispiel immer dann Schwierigkeiten, wenn bei Restaurierungen die falschen Baustoffe verwendet worden sind." Wichtig sei vor allem eine optimale Kombination von Holz und Lehm. Ein Hauptgrund dafür: Lehm, der ans Holz angeschmiegt ist, zieht Nässe aus dem Holz und beide Materialien harmonieren bestens miteinander, weil sie bei Feuchtigkeit aufquellen, anschließend wieder leicht trocknen und sich dabei zusammenziehen. Eine der häufigsten Bausünden der jüngeren Vergangenheit an dieser Stelle sei zum Beispiel das Ausmauern von Holzgefachen mit harten Tonziegeln gewesen. "Für den Fachmann gilt es weichen Ziegel zu verwenden, denn harte sind das Todesurteil für Fachwerk." Eine anderes Hauptproblem seien die Anschlussfugen, wobei unterschiedliches Dehnverhalten der Materialien zu Spaltbildung und eindringender Nässe führe. Röver: Es müssen Baustoffe verwendet werden, die die Nässe nach außen bringen. Auch Anstriche von Holz und Putz mit wasserundurchlässigen Farben haben fatale Folgen, da so Feuchtigkeit von innen nicht entweichen könne. Ebenso seien Lochsteine, Luftschichten und Hohlräume kontraproduktiv für Fachwerkfassaden sowie der Versuch, Fugen mit Silikon abzudichten. Dazu verursachen örtliche Besonderheiten nicht selten spezifischeLuftverwirbelungen an Hausfassaden, so dass Regenwasser eindringen könne. Nicht selten sei Pilz- oder Holzschädlingsbefall die Folge. Wenn kein anderes Mittel helfe, sei die teilweise oder vollständige Verkleidung von Außenwänden an der Wetterseite des Hauses die letzte Möglichkeit des Nässeschutzes, erklärte Röver abschließen. "Jedenfalls so lange, bis es irgendwann einmal eine bessere Möglichkeit gibt."

Manfred Röver
  • Manfred Röver
So ist es richtig: Fachwerk durch Vorbauten schützen.
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