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Vier Tage auf dem „Königsweg“, begleitet von Schwielensohlern – das ist neu im Wanderrevier Kaprun am Kitzsteinhorn

Tierisches Vergnügen: Mit Lamas von Hütte zu Hütte

Von Hans Weimann

veröffentlicht am 27.04.2010 um 16:01 Uhr

Keine Bange: Lamas beißen nicht und spucken nur dann, wenn sie i

Kaprun. Wenn man in Kaprun im Salzburger Land unterhalb des mächtigen Kitzsteinhorns nach Burgi fragt, weiß jeder sofort, wer gemeint ist. Burgi Englacher ist die weit über die Grenzen der Region bekannte „Lama-Burgi“ und bietet Lama-Trekking an: von halbtägigen Wanderungen bis zu hochalpinen Touren von Hütte zu Hütte. Everest, Apollo 13, Mozart, Rocky, Calvin Klein, Buschel und Attila heißen die Lamas und Alpakas, deren Wolle zum Teuersten gehört, was es auf dem Markt gibt: „Schnuppern Sie mal, die Tiere stinken nicht, sie riechen nach warmer Wolldecke“, fordert Burgi ihre Gäste auf. Bis zu 160 Kilogramm schwer werden die Tiere, die ein Viertel ihres Körpergewichts tragen können und deshalb problemlos das Gepäck der Wanderer auf speziellen Lastensätteln.

Die dünne und kalte Luft auf 4000 Metern macht den Lamas nichts aus. Die paarhufigen Schwielensohler klettern geschickt auf den Wanderpfaden bergauf. Spucken tun sie übrigens nur bei Rangkämpfen in der Herde oder um ihr Revier zu markieren. „Lamaspucke ist nichts als Wasser, versetzt mit zerkautem Gras“, beruhigt Burgi ihre Gäste.

Wer mehr über Burgi und ihr Angebot für Kinder und Erwachsene bis hin zu mehrtägigen Hüttentouren wissen möchte, kann sich im Internet unter www.kaprun-burgi.at informieren oder über die Tourist-Information Kaprun unter www.kaprun.at.

Moritz (13), Marius (12) und Michel (11) erwandern als erste Kin
  • Moritz (13), Marius (12) und Michel (11) erwandern als erste Kinder den neu eingerichteten „Königsweg“.
Burgi und ihre Lama-Karawane kennt in Kaprun jeder – die T
  • Burgi und ihre Lama-Karawane kennt in Kaprun jeder – die Tiere tragen das Gepäck der Wanderer.

Neu eröffnet worden ist in Kaprun in diesem Jahr pünktlich zur beginnenden Wandersaison der 73 Kilometer lange „Königsweg“ von Maria Alm über Dienten bis nach Mühlbach und zurück über die Grasberge.

Sonja und Stephan Weichert und die drei Rintelner Moritz (13), Marius (12) und Michel (11) haben die Strecke schon einmal getestet. Das Besondere an diesem Angebot ist, dass man nur einen Tagesrucksack mitführen muss und jeweils abends das restliche Gepäck bereits in den Hotelzimmern für die müden Wanderer bereitliegt. Informationen gibt die Touristinformation Hochkönig (www.hochkoenig.at) in Maria Alm, dazu bei einer Buchung ausführliches Kartenmaterial und eine detaillierte Routenbeschreibung. Ein weiterer Vorteil dieser auch für Familien gut geeigneten Tour ist es, dass es auf den einzelnen Etappen immer wieder Möglichkeiten zu Abkürzungen gibt, so dass jeder je nach Kondition die passende Route findet.

Am ersten Tag bringt in Maria der Lift „Dorfjet“ die Wanderer zum Ausgangspunkt der Tour, einem Walderlebnispfad. Die Strecke führt über bewirtschaftete Almen, Bäche, Hochmoore mit Wollgras bis nach Dienten. Schon am ersten Tag hat man grandiose Ausblicke auf die Schneeflächen im Hochkönig-Massiv und sieht die berühmten „Teufelslöcher“ in den Spitzen der Kalkberge. Am Abend ist im Hotel dann erst einmal „Wellness“ in der Sauna oder im Kristalldampfbad angesagt, bevor es zum vorzüglichen Abendmenü geht. Die Hoteliers sind auf Wandergäste eingerichtet, bieten eine Wetterprognose für den kommenden Tag und geben Tipps für die Etappe.

Der zweite Wandertag führt nach Mühlbach über einen unglaublich schönen Single-Trail entlang des Hochkönigmassivs, der sich nach einem Anstieg zur Erichhütte (die Wanderhinweise auf den Schildern stimmen fast auf die Minute) auf einer Höhenlinie am Fuße der Berge entlangzieht. Hier trifft man auf Hochalpinisten, denn der Weg führt zum Einstieg des Klettersteigs zum Matrashaus (2941 Meter) und zum „Königsjodler“, einem der schwierigsten und längsten Klettersteige in den Alpen.

Klettern muss man auf dem „Königsweg“ nicht. Trittsicher sollte man sein. Besonders attraktiv für die Kinder ist, dass sie Hüttenstempel sammeln und damit am Ende eine Wandernadel erhalten. Man trifft häufig freundliche Wanderer, die mit einem „Grüß Gott“ weiterziehen. Die Kinder sind kaum zu bremsen. Pausen werden nur gemacht, wo weitere Klettermöglichkeiten locken. Klares Quellwasser liefert Nachschub für die Trinkflaschen. Endstation dieser Etappe ist an der Schweizer Hütte und dort trifft man auf Pauli.

Seinen Heukäse und die prämierten Bergkäse gibt es auf einer gemischten Platte appetitlich angerichtet; danach einen Einblick in die Kunst der Käserei, dazu eine Kostprobe des hauseigenen „Schokoladenkäses“.

Die Kinder freunden sich derweil mit Manfred an – das Murmeltier ist handzahm. Wer möchte, kann von der Schweizer Hütte den Wanderbus nach Mühlbach nehmen oder den Erzweg bergab zum Hotel wandern.

Am nächsten Tag geht es in die Grasberge. Am Schneebergkreuz (1938 Meter) tragen sich die Kinder ins Gipfelbuch ein. Wer glaubt, dass Wandern auf den Grasbergen ein besserer Spaziergang ist, wird schnell eines Besseren belehrt. Ahornstein und Kollmannsegg wollen erstiegen sein. Auf der Bürgl-Alm gibt es Kaiserschmarrn im „Goldenen Wagen“. Die Buttermilch aus eigener Produktion schmeckt nirgends besser, und von dort dauert der Abstieg nach Dienten nur noch ein gutes Stündchen. Wer es sportlicher angehen möchte, sollte, statt den Lift zu nehmen, zur Karbachalm zu Fuß gehen; das bedeutet aber nochmals locker 600 Höhenmeter mehr.

Der letzte Tag der Wanderung ist die „Königsetappe“ von Dienten zurück nach Maria Alm. Man sollte nicht zu spät starten, denn neben den rund 25 Kilometern sind auch die Höhenmeter nicht zu unterschätzen. Das bedeutet bei normaler Kondition, dass man rund acht Stunden unterwegs ist – inklusive der Pausen.

Den ersten Halt empfehlen wir an der Lettenalm, wo Sommer-Sennerin Veronika vier Monate mutterseelenallein auf der Alm verbringt und sich dort um das Vieh und die Gäste kümmert; nur mit Solarstrom für Licht und Radio.

Weiter geht es stetig ansteigend zur Marbachhöhe, zum Klingspitz auf den Hochkasern und weiter bis zum Hundstein, der mit 2117 Metern einer der höchsten Grasberge Österreichs ist. Am Statzerhaus gibt es wieder Stempel für die Wanderpässe und reichlich Leckereien.

Murmeltiere begleiten den Weg herab. Sie sind fast greifbar nahe und veranstalten ein wahres Pfeifkonzert.

In Maria Alm angekommen, endet die Tour mit vier Wandertagen und fünf Übernachtungen.

Tourismusmanagerin Renate Ecker verrät noch vor der Abreise, dass es jetzt, mit Saisonbeginn, noch eine Luxus-Variante der Tour mit Übernachtungen in Vier-Sterne-Hotels geben soll. Dazu eine „Sparversion“ mit Übernachtungen in guten Pensionen. Immer wird das Gepäck zwischen den einzelnen Unterkünften transportiert.

Die drei „Pioniere“ Moritz, Marius und Michel jedenfalls waren sich mit der Wanderurkunde in der Hand und der Nadel am Hochkönig-Hut sicher: „Wir würden den Weg sofort noch einmal gehen.“



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