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Hof Gerecht: Katastrophale Zustände zwingen Veterinäramt zum Handeln

Tiere bis zum Bauch in Fäkalien

Rehren (la). 51 Rinder und 98 Schweine hat das Veterinäramt des Landkreises Schaumburg in der vergangenen Woche vom Hof von Walter Gerecht an der Auestraße in Rehren geholt, da die Tiere nicht artgerecht gehalten wurden. Der Landwirt versteht den Grund für die Aktion nicht und fühlt sich schikaniert (wir berichteten).

veröffentlicht am 16.02.2008 um 00:00 Uhr

Walter Gerecht hat Gurte, Selbsttränken und Ketten besorgt, weil

Jetzt hat der stellvertretende Leiter des Veterinäramtes, Dr. Ulf Güber, die Hintergründe der Aktion erklärt: "Es herrschten katastrophale und grausame Zustände auf dem Hof!" Die hygienischen Zustände seien unvorstellbar gewesen. "Die Schweine standen bis zum Bauch in ihren Fäkalien und hatten keinen trockenen Halm in ihrem Stall", beschreibt Dr. Güber die Situation. Die Kühe habe der Landwirt mit Strohbändern, mit denen eigentlich die Strohballen zusammen gebunden werden, angebunden. "Die Klauen waren ausgewachsen wie Cowboystiefel", sagte der Veterinär. Das sei so schlimm gewesen, dass die Statik der Tiere, also die Knochen und die Muskulatur, beeinträchtigt waren. "Den Tieren waren die Beine mit Stricken zusammengebunden worden und auch die Köpfe hatte der Landwirt nach hinten gebunden", so Dr. Güber. Alle Tiere seien extrem unterernährt und ausgetrocknet gewesen, weil sie nicht gefüttert und getränkt wurden. Die Kälber hätten so tief in ihren Exkrementen gestanden, dass der Mist an Unterbauch und Beinen hing und dort zu Entzündungen der Hautgeführt habe. Die Schweine hätten verschmutzte Milch zu trinken bekommen und Möhrenüberreste zu fressen. "Es fehlte an elementaren Dingen der Tierhaltung - also an ausreichend Futter und Wasser und einem trockenen Lager", beschreibt Dr. Güber die Situation. Bereits im Oktober vergangenen Jahres sei das Veterinäramt auf die verheerenden Zustände aufmerksam geworden. "Der Betrieb ist aus lebensmittelrechtlichen Gründen aufgefallen", erklärt Dr. Güber. Gerüchten zufolge hätten Fäkalien in der Milch geschwommen. "Das kann ich nicht dementieren", sagte Dr. Güber auf Anfrage. Nach einer Überprüfungsei ein Milchlieferstopp verfügt worden. "Die Milchgewinnungsmöglichkeiten waren in einem schlimmen Zustand. Die Milch durfte nicht mehr abgegeben werden", so Dr. Güber. Zwischenzeitlich sei das Milchlieferverbot aufgehoben, dann aber doch wieder verfügt worden. "Daraufhin habe ich mir persönlich, als Tierfacharzt, ein Bild vor Ort gemacht und den Tierbestand angeschaut", so Dr. Güber. Dabei habe er die Tiere persönlich getränkt und umgehend zwei Tierbetreuer eingesetzt, die für die Fütterung und Tränkung sorgen sollten. "Gemistet haben die natürlich nicht, und so standen und lagen die Tiere weiter in ihren Fäkalien", sagte der Veterinär. Die Tierbetreuer seien von Walter Gerecht nicht akzeptiert worden, und beratungswillig habe er sich ebenfalls nicht gezeigt. "Hier lag ein vorsätzliches, erhebliches Tierleid vor. Daher habe ich zunächst schriftlich und mündlich angedroht, dass die Tiere vom Hof geholt werden und das schließlich auch in die Tat umgesetzt", erläuterte Dr. Güber gegenüber unserer Zeitung. Bei der Aktion habe nur ein Blick genügt, um zu wissen, dass die Tiere aufgeladen und bei anderen Landwirten untergebracht werden mussten. "Ich nehme an, dass Herr Gerecht nicht damit gerechnet hat, dass wir eine so große Anzahl Tiere wirklich aufladen und wegbringen", so der Veterinär. Bei der Aktion, die unter Polizeischutz ablief, kam der Veterinär auf dem Hof in Bereiche, die er zuvor nicht gesehen hatte und fand Erschreckendes. "Da lag ein mumifizierter Schweinekadaver, der auf Kannibalismus schließen lässt auf einem Misthaufen", schilderte Dr. Güber. Auch frisch tote Schweine habe er gefunden, die bereits breiig zerflossen waren. "Das stinkt natürlich erheblich", so der Veterinär. Gestern wurden alle Tiere, die inzwischen auf anderen Höfen, laut der Aussage von Dr. Güber, aufgeblüht sind, verkauft. Das weitere Geschehen liegt in den Händen der Staatsanwaltschaft. Ein Ermittlungsverfahren wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ist eingeleitet. Den Anfangsverdacht hat die Staatsanwaltschaft bejaht. Ein Richter wird entscheiden, ob in einem Strafverfahren ein Tierhalteverbot ausgesprochen wird. Das kann befristet oder lebenslang, für eine oder mehrere Tierarten geschehen. Der Landwirt fühlt sich noch immer ungerecht behandelt. "Das ist alles Schikane", sagte er gestern erneut gegenüber unserer Zeitung. Er habe noch am Donnerstag gehofft, dass er die Tiere zurückbekommt. "Ich habe Selbsttränken, Gurte und Ketten gekauft und Tag und Nacht gearbeitet, um den Stall zu säubern", sagte Walter Gerecht. Jetzt habe er aber obendrein noch die Untere Wasserbehörde und das Bauordnungsamt "auf den Hals geschickt bekommen". "Risse im Betonboden des Stalls wurden bemängelt und fehlender Putz an der Wand - alles Schikane", meint der Landwirt. Die toten Tiere konnte er nicht erklären. "Das war ein Schwein, und ich weiß auch nicht, wo das plötzlich hergekommen ist", sagte Gerecht. Und die Milchproben seien vertauscht worden.

Der Stall ist noch immer bis unter die Decke verschmutzt und an
  • Der Stall ist noch immer bis unter die Decke verschmutzt und an den Wänden fehlt Putz. Fotos: la


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