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Unternehmen haben gute Erfahrungen mit Pilotprojekt gemacht

Thüringen bildet Vietnamesen aus

Immer häufiger bleiben in Thüringen Ausbildungsplätze unbesetzt. Für mehr als 8000 werden derzeit Bewerber gesucht. Künftig sollen sie auch jungen Vietnamesen angeboten werden.

veröffentlicht am 07.06.2019 um 11:32 Uhr

Thüringen will jährlich bis zu 1000 junge Menschen aus Vietnam für eine Berufsausbildung oder ein Studium aufnehmen. Dafür will die Landesregierung unter Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) die organisatorischen Voraussetzungen schaffen. „Eine solche Aufgabe können wir nicht einzelnen Betrieben oder Hochschulen überlassen. Das stemmen wir mit den bestehenden Strukturen nicht“, sagte Ramelow kürzlich. Anknüpfungspunkte gebe es durch ein Pilotprojekt zur Ausbildung vietnamesischer Jugendlicher in Südthüringen durch die Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie durch 3000 Vietnamesen, die in Thüringen leben.

 

Viele von ihnen kamen während der DDR-Zeit zur Ausbildung oder zur Arbeit, blieben und gründeten in Thüringen Familien. Andere gingen zurück, halten aber Kontakt und sprechen die deutsche Sprache.

 

„Wir brauchen etwas wie ein thüringisch-vietnamesisches Bildungswerk“, sagte der Regierungschef. Zudem müssten Standards festgelegt werden. Die jungen Leute müssten gut über die Berufsbilder und Ausbildungswege informiert werden und vor ihrer Reise nach Thüringen eine Sprachausbildung absolvieren. Keinesfalls dürfe zugelassen werden, dass die Ausbildung in Thüringen kommerzialisiert werde und sich Familien in Vietnam verschulden müssten, um ihren Kindern einen Aufenthalt zu finanzieren.

 

Ohne Zuwanderung sinkt das Beschäftigungslevel

 

Für die nötigen Organisationsstrukturen könnten die Erfahrungen des 2016 begonnenen Projekts in Südthüringen genutzt werden, bei dem 140 Ausbildungsverträge mit Vietnamesen bestünden. Insgesamt gebe es derzeit in Thüringen 350 Azubis und 240 Studenten aus Vietnam.

 

Auch die Zusammenarbeit zwischen der Hochschule Nordhausen und der National University for Civil Engineering Hanoi soll künftig ausgebaut werden, sodass diese neben dem Bereich Umwelttechnik und regenerative Energie auch Elektronik und Informatik umfasst.

 

Der Freistaat benötigt Fachkräfte in vielen Industriebranchen, im Handwerk und in der Pflege. Auch der Chef der Arbeitsagenturen in Thüringen, Kay Senius, wies kürzlich erneut darauf hin, dass in Zukunft das Beschäftigungslevel in Thüringen ohne gesteuerte Zuwanderung eventuell sinken werde.



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