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Nach dem Synagogenbrand 1938 auf dem Kirchplatz gefunden - heute in der Eulenburg zu sehen

Thora-Fragment im Nachlass der Eltern entdeckt

Rinteln (jaj). Ein Großteil der jüdischen Geschichte Rintelns wurde in der Nacht des 9. November 1938 zerstört. Nur wenige Stücke konnten zumindest teilweise gerettet und für spätere Generationen erhalten werden. So auch ein Stück der Thora-Rolle, die aus dem Gebetsraum entwendet und zur Verbrennung auf den Kirchplatz geschafft wurde. Ein kleines Fragment liegt heute im Eulenburg-Museum. Und das ist gleich mehreren Mitgliedern der Familie von Hase zu verdanken.

veröffentlicht am 19.11.2008 um 00:00 Uhr

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Die Familie wohnte damals in Almena. "Mein Bruder Siegfried war 17 Jahre alt", erinnert sich die heute 79-jährige Maren von Hase. "Er muss es gewesen sein, der das Stück der Thora am Morgen des 10. November auf dem Kirchplatz gefunden hat", erzählt sie. Siegfried sei damals in Rinteln auf das Gymnasium gegangen und hatte so als Einziger der Familie einen Grund, die Stadt aufzusuchen. "Außerdem hatteer eine Freundin in der Stadt", verrät von Hase. "Er ist ständig mit dem Fahrrad zwischen den Orten hin und her gefahren." Als damals Neunjährige erfuhr von Hase, die heute in Krankenhagen lebt, nichts vom Fund ihres Bruders. "Zu dieser Zeit habe ich von der ganzen Situation nichts mitbekommen. Mein Bruder und mein Vater waren noch zu Hause, für mich war die Welt zu dem Zeitpunkt noch in Ordnung", erinnert sie sich an die für sie unbeschwerte Zeit. Damit sollte es ein Jahr später vorbei sein: Ihr Vater, der Arzt war, wurde ebenso wie ihr Bruder eingezogen. Ihre Mutter starb 1940 an den Folgen einer schweren Krankheit. "Und da hatte der Krieg dann auch uns eingeholt", sagt die Rintelnerin heute. Von der Entdeckung ihres Bruders erfuhr Maren von Hase jedoch erst viel später, vor 40 Jahren. Nach dem Tod ihres Vaters sichtete sie den Nachlass und fand eine Schreibmappe, an die sie sich noch gut erinnern konnte. "Die hatte ihren festen Platz auf dem Sekretär meiner Mutter. Sie hat sie immer inGebrauch gehabt", verrät sie. Um das gute Stück selbst weiter benutzen zu können, entschloss sie sich, den in die Jahre gekommenen Stoff an der Innenseite zu erneuern. Dabei entdeckte sie in einer kleinen Tasche den Briefumschlag, auf den ihre Mutter mit der Schreibmaschine den Inhalt beschrieben hat: "Ein Stück vomTalmud aus dem Brand der Synagoge von Rinteln am 9. November 1938." Nachdem sie ihren Fund fast dreißig Jahre lang zu Hause gehütet hatte, entschied sich Maren von Hase in Absprache mit ihren Kindern vor wenigen Jahren, ihn dem Museum zu übergeben: "Auch andere Menschen sollen durch das Fragment, dem schon meine Mutter so große Bedeutung beigemessen hat, an die schrecklichen Geschehnisse 1938erinnert werden."



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