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Morgen Premiere im Brückentorsaal: Gymnasiasten führen "Der Schatten" auf

Theater-AG wagt sich an Politsatire

Rinteln (cok). Es ist ein ziemlich gewagtes Stück, das die Theater-AG der Mittelstufe des Ernestinums am Mittwoch, 12. Juli, und Donnerstag, 13. Juli, im Brückentorsaal aufführen wird: "Der Schatten" von Jewgenij Schwarz entstand 1946 und handelt auf eigenartig märchenhafte Weise vom immergleichen zynischen Intrigenspiel um Macht und Anerkennung in einem fernen Land.

veröffentlicht am 11.07.2006 um 00:00 Uhr

"Die Schüler waren zuerst richtig geschockt", sagt Theater-AG-Leiterin Rita Montalbetti. "Sie dachten vom Inhalt her, es sei ein kühles, gesellschaftskritisches Stück, und dann zeigte sich, dass es ganz viel von einem Märchenstück hat." Sie selbst allerdings war genau umgekehrt überrascht, hatte sie doch nach einem modernen Märchenstoff gesucht und entdeckte dann, dass es sich bei "Der Schatten" um eine anspielungsreiche Politsatire handelt. Dieses Changieren zwischen zwei Formen war vom Leningrader Autoren Jewgenij Schwarz bewusst eingesetzt worden, um die Zensur im stalinistischen Russland zuüberlisten, und tatsächlich kam das Stück 1947 auch zu einigen sehr erfolgreichen Aufführungen, bevor es dann doch ganz schnell abgesetzt wurde. Kein Wunder, dass es den Regierenden nicht zusagte: Da ist ein guter und gelehrter Mann mit wunderbaren Ideen über das Leben und die Liebe, und da ist sein Schatten, der "im Schatten" der schönen Ideen die Macht im Land (und die Gelehrten-Geliebte) an sich reißt und schließlich sein "Original" zum Tode verurteilt. Hans Christian Andersens Märchen "Der Schatten" war das Vorbild für Jewgenij Schwarz' Theaterversion. Und auch wenn der schwedische Märchendichter vor allem für die "Kleine Meerjungfrau" und die "Prinzessin auf der Erbse" bekannt ist: Andersen schrieb viele abgründig zynische Märchen, die den Leser durch die Leichtigkeit des Erzählstiles in die falsche Richtung locken und dann ziemlich schockieren können. In seiner Geschichte lebt der böse Schatten am Ende in Saus und Braus und von dem guten Gelehrten heißt es nur noch: "Er hörte nichts von alledem, denn ihm hatten sie das Leben genommen." Das Ende des Theaterstückes sieht anders aus und soll noch nicht verraten werden. Die Mittelstufenschüler stecken mitten im Proben-Endspurt für die Premiere und lassen sich mit Hingabe und Engagement auf eine rundherum ungewöhnliche und anspruchsvolle Inszenierung ein. Wenn der Hofstaat auftritt, wie er dem blass geschminkten Schatten applaudiert, an dessen Seite sich die schöne Prinzessin erschreckend hingebungsvoll schmiegt, während der hilflose Gelehrte vergebens versucht, die Dinge wieder gerade zu rücken - das lässt sofort die faszinierend schillernde Grundstimmung vieler Andersen-Märchen entstehen. Karten für Mittwoch, 12. Juli, und Donnerstag, 13. Juli, jeweils um 20 Uhr im Brückentorsaal, gibt es in der Buchhandlung Droste und in der Schulbibliothek.

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