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Turbulente Sitzung des Finanzausschusses / Politik deckelt die Mehrausgaben auf 160 000 Euro

Theater ums Museum und der Ruf nach Rüge

Hameln (CK). Immer wieder ist über die Modernisierung des Museums beraten worden, haben die politischen Parteien das Für und Wider vor allem im Hinblick auf die Kosten abgewogen. Doch als es gestern im Finanzausschuss um zusätzliche Mittel – in der Verwaltungsvorlage war noch von knapp 260 000 Euro die Rede – ging, gab’s einmal mehr Knatsch. Und das war vor allem der Bürgerliste (BL) zu „verdanken“.

veröffentlicht am 27.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2009 um 10:10 Uhr

Claudio Griese (CDU)

Die Mehrkosten für das laufende Projekt sollen vor allem für eine Dauerausstellung verwendet werden, die die Geschichte der Stadt von der Frühzeit bis heute dokumentiert und nach Meinung von Peter Metzger (CDU) durchaus ein Touristenmagnet werden könnte. Allerdings hatten alle Fraktionen bereits im Vorfeld den Rotstift angesetzt; sie wollten die zusätzliche Summe um knapp 100 000 auf dann 160 000 Euro deckeln. Das vor allem in der Hoffnung, dass Stiftungen und die Klosterkammer in Aussicht gestellte Zuschüsse auch zahlen. „Wir haben eine kreative Bauverwaltung und eine ebenso kreative Museumsleitung. Die müssen eben mit diesen Mitteln auskommen“, so FDP-Fraktionschef Hans Wilhelm Güsgen.

Albrecht Garbe hingegen hält diese Dauerausstellung „für nicht so interessant“, fragte außerdem nach den Umzugskosten, wenn das Museum von seinem Depot in Afferde wieder in die Osterstraße zurückzieht, musste sich aber vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Claudio Griese darüber belehren lassen, dass die Umzugskosten bereits eingeplant seien und von Stadtdirektor Eckhard Koss, dass die Dauerausstellung der Kern der Museumspräsentation sei. Als Garbe dann erneut den gesamten Standort des Museums zur Diskussion stellte, platzte dem ansonsten sehr besonnen agierenden Griese der Kragen: „Wozu berät man denn überhaupt in interfraktionellen Gesprächen, wenn plötzlich solche Überraschungsangriffe von der Bürgerliste kommen?“ fragte er enttäuscht. Sein Kommentar, dass das vom Stil her nicht in Ordnung sei, wurde auch von der Mehrheitsgruppe aus SPD, FDP und Grünen mit viel Beifall quittiert.

„Die vier Millionen Euro für die Renovierung haben wir mitgetragen, aber diesen Nachschlag nicht“, kündigte BL-Vorsitzender Fritz Rieger trotzdem an. Das seien ja schließlich Steuergelder, und überhaupt sei es undemokratisch, wie im Ausschuss von den anderen Fraktionen über die Bürgerliste geredet werde. Dem stimmte auch Garbe zu: Er forderte den Vorsitzenden Uwe Behnsen (Grüne) zu einer Rüge auf, weil die Sozialdemokratin Christa Bruns gesagt habe, er, Garbe, habe keine Ahnung. Behnsen hingegen gelang es, die Diskussion zu versachlichen beziehungsweise abzuschließen. Gegen die Stimmen der zwei Bürgerlisten-Vertreter machte der Ausschuss dem Theater ums Museum ein Ende und bewilligte 160 000 Euro, die im Nachtragshaushalt bereitgestellt werden sollen.

Albrecht Garbe
  • Albrecht Garbe
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Kein Geld hingegen will der Ausschuss dem Ruderverein Weser für den Anbau an sein Bootshaus genehmigen, und zwar nur deshalb nicht, weil die Kassen leer sind. Rund 25 junge Vereinsmitglieder mit ihrem Vorsitzenden Helmut Griep an der Spitze machten lange Gesichter; sie hatten bereits im September mit dem ersten Spatenstich das Projekt begonnen, weil andernfalls der Zuschuss von 50 000 Euro vonseiten des Landessportbundes entfallen wäre und hofften auf eine Förderung auch durch die Stadt Hameln.

Griese sprach vor dem Ausschuss von einer „gefühlten Zustimmung“ aller Parteien, und auch der Ausschussvorsitzende versicherte: „Vom Herzen her sind wir alle auf Ihrer Seite.“ Gleichwohl warnte er angesichts eines allumfassenden Streichkonzerts vor allem bei den freiwilligen Leistungen davor, ein neues Fass aufzumachen. Unterstützung bekam er dabei von Güsgen, der im Namen der Mehrheitsgruppe sagte, eigentlich müsse der Verein unterstützt werden – allein, es blieb wegen der desolaten finanziellen Lage beim „eigentlich“.

Ganz anders die zwei Sparkommissare der Bürgerliste. „Da gibt es kein Vertun. Wir haben das Geld im Nachtrag, und das ist dieses Jahr machbar“, meinte Garbe, selbst Mitglied bei den Ruderern. Die CDU hätte den Wunsch der Sportler ebenfalls gern erfüllt und deshalb in einem Antrag gefordert, statt der gewünschten 50 000 nur 30 000 Euro, verteilt auf drei Jahre, zur Verfügung zu stellen. Mit Bedauern lehnte die Mehrheitsgruppe allerdings ab.

Am Museum gehen die Sanierungsarbeiten weiter – weil die veranschlagten Kosten von vier Millionen Euro nicht reichen, sollen jetzt 160 000 Euro draufgesattelt werden.

Foto: Wal



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