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Zu: „Hunderte Bäume sollen fallen“, vom 14. Oktober

Teure Baumkartierung – Hunderte Fällungen

Da traut man doch seinen Augen nicht: Der Wald, die Bäume sind krank (auch rund um Hameln, besonders augenfällig bei Nadelbäumen), doch „Hunderte Bäume sollen fallen“, nicht etwa Totholz oder kranke Bäume, sondern überwiegend gesunde und vitale.

veröffentlicht am 23.10.2020 um 18:29 Uhr

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Da bemüht sich die eine Abteilung der Stadt, über teure Kartierung und Baumschutzsatzung sowie Auflagen für die Häuslebauer (dies ganz richtig so!), den Baumbestand in den Ortschaften und Gärten zu erhalten, und an anderer Stelle werden durch eine andere Abteilung vitale Bäume gefällt. Da wird im Innenstadtbereich um jeden Baum gekämpft und die Schattenarmut der Fußgängerzone beklagt, an der Holtenser Landstraße sollen aber 30 Meter breite Streifen der Bäume und damit ihres Schattens beraubt werden. Und: Es regt sich offensichtlich kein Widerstand.

Das Tollste ist die Begründung: Aus Gründen der Sicherheit soll dies geschehen, es könnten ja Äste oder im Sturm (kommt dank Klimawandel ja immer häufiger vor) gar ganze Bäume auf die Straße fallen. Wer will das verantworten? Bei dieser Frage verschlägt es verlässlich jedem die Sprache, ob es nun um Brandschutz geht – oder wie hier – um die Sicherung des Autoverkehrs. Aber was bedeutet diese Argumentation, wenn man sie zu Ende denkt? Welchen Baum kann man denn dann noch 30 Meter links und rechts der Straßen stehen lassen? Welche Bäume sind im Umkreis von 30 Metern von Wohnbebauungen und an Fuß-/Radwegen verantwortbar? Vorsorge und Sicherheit in Ehren, aber die Maßnahmen müssen verhältnismäßig bleiben. Das Leben und die Gesundheit sind immer auf unterschiedlichste Weise in Gefahr, eine 100-prozentige Versicherung kann es nicht geben. Immer gilt es, Risiken abzuwägen: zum Beispiel, an der Holtenser Landstraße durch einen Ast erschlagen zu werden (ist uns aus den letzten 25 Jahren nicht erinnerlich), mit dem Risiko, durch solche Abholzungen zum Treibhauseffekt beizutragen und damit zum Beispiel zu erwartbar mehr Hitzetoten. Zugegeben: Die eindeutige Zuordnung dieser Maßnahme zu einem der jährlich mehr werdenden Hitzetoten in Deutschland oder anderswo wird nie gelingen, jedenfalls nicht in so eindeutiger Weise, wie es bei einem Unfall wegen eines herabfallenden Astes offenkundig wird. Aber die allgemeinen Gefahren des Klimawandels bleiben. Wer will die verantworten, wenn nicht juristisch, so doch moralisch?

Das Argument der Förderung von Artenvielfalt ist nichts als ein grünes Feigenblatt. Wenn es um die ginge, dann sinnvollerweise an ganz anderen Stellen als ausgerechnet am Straßenrand. Hier geht es um ein falsches Sicherheitsverständnis und um Kosteneinsparung. Die Umwelt hat mal wieder das Nachsehen.



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