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Mit Salbei, Zitronenverbene, Thymian

Teatime, please

Teegenuss aus dem eigenen Garten: Selbst Johannis- und Brombeerblätter bringen passable Ergebnisse hervor, sollten allerdings mit Kräuter- und Heilpflanzenblättern, die feinere Noten liefern, abgerundet werden, weil sie sonst zu bitter sind. Aber die Auswahl ist groß genug, um in dieser Sache kreativ zu werden.

veröffentlicht am 21.09.2018 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 21.09.2018 um 15:30 Uhr

Hier ist ein Minzetee aufgebrüht worden. Er stillt den Durst erfrischend, beruhigt den Magen und entspannt. Foto: ey

Autor:

Saskia Gamander und Jens F. Meyer
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Heilpflanzen, die zum Würzen von Speisen in der Küche verwendet werden, kommen als Teepflanzen in unserer Kultur zu kurz. Dass das Bohnenkraut (Satureja) nicht dazu dient, den Durst auf angenehme Weise zu stillen, dürfte klar sein. Dass der Estragon (Artemisia dracunculus) heiß aufgebrüht ungenießbar wäre, ist unzweifelhaft. Aber wie viele Gartenbesitzer nutzen zum Beispiel den eigenen Salbei (Salvia officinalis) – und Salbei ist doch in der Tat weit verbreitet – wirklich, um sich daraus einen Tee zu bereiten? Sicher nur ein kleiner Teil weiß das große Potenzial zu schätzen. Was schade ist, weil ein frisch aufgebrühter Salbeitee, nicht zu lange gezogen (sieben bis acht Minuten) und nicht überdosiert (acht bis zehn Blättchen pro dreiviertel Liter), ein ansprechendes, wohltuendes Getränk zu Salzgebäck ist und ziemlich wenig mit dem strengen Geschmack der Salbeiteemischungen aus Reformhaus und Apotheke zu tun hat. Noch dazu gibt es viele verschiedene winterharte Officinalis-Sorten, die ganz unterschiedliche Nuancen hervorbringen (zum Beispiel ’Rosea‘ mit süßerem Aroma, ’Nana Alba‘ als sehr würzige Sorte oder die hübsche Züchtung ’Tricolor‘ mit leicht medizinischem Hauch). Von leicht bis schwer, von nervig bis grazil, fast eine Wissenschaft für sich, wie es sonst nur bei Weintrinkern zelebriert wird.

Gut tut Salbeitee jedenfalls. Er sollte nicht literweise getrunken werden, aber täglich ein Gläschen oder zwei verhindert womöglich, dass die nächste Erkältung überhaupt kommt.

Eine sehr geschmackvolle Mischung ist Zitronenmelisse (Melissa officinalis) mit Salbei. Damit ihr südfruchtiges Aroma voll zur Entfaltung kommt, muss hier der Melisse mehr Raum gegeben werden. Auf zehn Blätter Melisse höchstens zwei Blätter Salbei geben, dann schmeckt‘s rund. Wer sich vor Augen hält, wie viele gute Inhaltsstoffe allein in diesen beiden Pflanzen schlummern, entdeckt den ungespritzten Teegenuss aus dem eigenen Kräuterbeet aus einer neuen Perspektive und wird diesen Pfad des Genusses nicht mehr verlassen wollen. Schon der bekannte Arzt Paracelsus (1453-1541) ging davon aus, dass die Melisse als Lebenselixier Sterbenskranke heilen könnte. Über die Wirkstoffe der Melisse gibt es in der Tat wenig Zweifel. Neueste Untersuchungen haben ergeben, dass sie die Gehirnleistung und Denkfähigkeit verbessern kann. Sie wirkt, so sagen Experten, unter anderem antibakteriell, aufmunternd, krampflösend, schweißtreibend und virushemmend!

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Fast ein aromareicher Geheimtipp: Polster bildender Zitronenthymian Foto: sas

Es gibt weitere Arten und Sorten, die zum Teegenuss beitragen. Zitronenverbene (Aloysia citrodora), in Frankreich als „Verveine“ bekannt und quasi ein Nationalheißgetränk, mag eigentlich keinen Frost, sodass sie in jedem neuen Frühling neu gepflanzt werden muss. Als Pflanze, nicht als Korn, denn Samen bildet sie nicht aus und blüht auch nur unter Optimalbedingungen. Aber erstens wächst sie schnell, auch in weniger heißen Sommern. Und zweitens überlebt sie manchmal sogar den Winter und treibt danach umso kräftiger aus. Kein Gärtner, der Wert auf eine Teatime legt, darf auf Zitronenverbene verzichten. Sie gilt nicht als d i e Heilpflanze schlechthin, aber gute Inhaltsstoffe hat sie schon auch – und ist eine hervorragende Geschmacksgeberin im Zusammenspiel etwa mit Salbei oder gar Thymian (Thymus vulgaris)! Der wiederum sollte allerdings sparsam verwendet werden, sonst überlagert er alles. Aber: „Die nächste Grippe kommt bestimmt, nur nicht zu dem, der Thymian nimmt“, lautet eine alte Weisheit. In seinen Pflanzensäften steckt unter anderem Thymol, und das wirkt antibiotisch.

Ach ja, Minze (Mentha) gibt‘s auch noch. Perfekt für Tee, vor allem die Marokkanische Minze, die sich auch zum trocknen eignet. Sie wirkt unter anderem bei Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erkrankungen der Atemwege.



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