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Weitere Ermittlungen nach Drama im Trinkermilieu / 46-Jähriger: Messer in die Weser geworfen

Taucher suchen nach dem Tatmesser

Holzminden (bs). Thomas Decker muss sich vorkommen wie Sisyphus. „Zehn-Finger-System“ nennt der Polizeikommissar aus Hannover schmunzelnd das, was ihn über Stunden auf dem Grund der Weser beschäftigen wird: die Suche nach dem Messer.

veröffentlicht am 19.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 02:21 Uhr

Thomas Decker bei seinem Einsatz in der Weser. Acht Grad ist das
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Es ist die Tatwaffe, mit der ein 46 Jahre alter Mann seinem Zechkumpan in der Nacht zum 9. Oktober die letztendlich tödliche Wunde beigebracht hatte (wir berichteten). Der 46-Jährige hatte die Tat – die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung mit Todesfolge – gestanden und erklärt, das Messer in die Weser geworfen zu haben. Die Polizei Holzminden hat deshalb die Taucher aus Hannover angefordert. Thomas Decker ist einer von ihnen, der gestern in der eiskalten Weser den Grund abtastet. Er bekommt vieles zu fassen. Das Messer ist nicht darunter.

Die Strömung ist heftig

Es war die Nacht zum 9. Oktober, als das Drama im Trinkermillieu seinen Anfang nahm. Streit hatte es gegeben zwischen einem 46-Jährigen und seinem 65 Jahre alten Zimmernachbarn. Es war viel Alkohol im Spiel. Irgendwann hat der 46-Jährige ihm dann ins Bein gestochen. Das Opfer legte sich ins Bett, verblutete langsam. Erst mehr als zwölf Stunden später hatte der 46-Jährige, besorgt, weil es seinem Zimmernachbarn immer schlechter ging, veranlasst, dass der Rettungsdienst alarmiert wurde. Zu spät.

Der 46-Jährige wird bereits am 10. Oktober vorläufig festgenommen. Weil der Tatverdacht nicht ausreicht, muss ihn die Polizei zunächst wieder auf freien Fuß setzen. Am vergangenen Mittwoch aber ist es soweit: Aufgrund von Zeugenaussagen beantragt die Staatsanwaltschaft Haftbefehl. Als der 46-Jährige dem Richter vorgeführt wird, gesteht er. Und er zeigt den Polizisten, wo er das Messer weggeworfen haben will: Von einem Anlegesteg unterhalb der neuen Weserbrücke will er die Tatwaffe in die Weser geworfen haben.

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Die Polizei bittet um die Unterstützung der Taucher. Gestern Morgen rückt ein achtköpfiges Team der Zentralen Polizeidirektion Hannover an. Dort ist die technische Einsatzleitung Niedersachsen beheimatet, dort versehen Spezialisten wie Thomas Decker und Verena Paix seinen Dienst. Im dicken Neoprenanzug steigt zunächst Thomas Decker in die gerade einmal acht Grad warme Weser. Zwei Stunden lang tastet der 32-Jährige mit den Händen den Grund ab. Meter für Meter. Die Strömung ist heftig. Ein Polizei-Schlauchboot sichert den Taucher mit der Leine. Als er von seiner 24-jährigen Kollegin abgelöst wird, hat er gefunden, was Arbeiter beim Bau der Weserbrücke verloren haben: eine Spitzhacke, eine Schraubzwinge, sogar Kugelschreiber. Das Messer aber fehlt weiterhin. Die Polizeikommissarin Verena Paix macht dort weiter, wo Thomas Decker aufgehört hat.

„Es ist im Einsatz noch nie etwas passiert“

In 1,40 Meter Tiefe arbeitet sie sich quer durch die rund 60 Meter breite Weser. Auch sie ist zwei Stunden lang unter Wasser. Rund 800 Quadratmeter schaffen die beiden Taucher gestern schließlich. Dann brechen sie die Suche ab. „Die Aktion wird fortgesetzt, die Taucher kommen noch einmal wieder“, erklärt der Leiter Einsatz der Holzmindener Polizei, August-Wilhelm Winsmann, gestern Nachmittag. Die starke Strömung, das kalte Wasser? Für Thomas Decker und Verena Paix sind das keine außergewöhnlichen Bedingungen. „Die Hände und die Füße werden schon schnell kalt“, gibt Decker zu. „Doch ich habe da unten ja auch viel zu tun“, betont er. Und er erzählt auch, dass sich die Taucher strikt an die Regeln halten, die für die Polizeitaucher aufgestellt wurden. Zu diesen Regeln gehört die Benachrichtigung des Krankenhauses, das Polizeitaucher im Einsatz sind. Und zu den Selbstverständlichkeiten eines solchen Polizeieinsatzes gehört auch, dass zwei speziell geschulte Sanitäter in einem Rettungswagen mitfahren. „Weil wir uns so genau an die Regeln halten“, beantwortet Decker dann auch die letzte Frage, „ist im Einsatz auch noch nie etwas passiert.“



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