weather-image
29°

Tatort: Hefehof Täter: Klaus Doldinger

Von Martin Jedicke

Hameln. Die Zugabe: Aus der Konserve erklingt der Auftakt der „Tatort“-Melodie, und wenn der Mann im Vorspann zu rennen beginnt, setzen auch Passport an, nehmen das Tempo auf. Ein Tempo, das das zweieinhalbstündige Konzert von Klaus Doldin-ger’s Passport prägt, angetrieben von einer famosen Rhythmusgruppe aus den Perkussionisten Ernst Ströer und Biboul Darouiche, dem Schlagzeuger Christian Lettner sowie Patrick Scales am Bass. Sie sorgen für satten Afrofunk und pulsierenden Latinsound, der sich hinter Rockgrößen wie Santana nicht zu verstecken braucht.

veröffentlicht am 25.10.2009 um 14:27 Uhr

Kultur
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Von Martin Jedicke

Hameln. Die Zugabe: Aus der Konserve erklingt der Auftakt der „Tatort“-Melodie, und wenn der Mann im Vorspann zu rennen beginnt, setzen auch Passport an, nehmen das Tempo auf. Ein Tempo, das das zweieinhalbstündige Konzert von Klaus Doldin-ger’s Passport prägt, angetrieben von einer famosen Rhythmusgruppe aus den Perkussionisten Ernst Ströer und Biboul Darouiche, dem Schlagzeuger Christian Lettner sowie Patrick Scales am Bass. Sie sorgen für satten Afrofunk und pulsierenden Latinsound, der sich hinter Rockgrößen wie Santana nicht zu verstecken braucht.
 Dass Doldinger in Berendts berühmtem „Jazzbuch“ gar nicht vorkommt – ein schlechter Witz. Passports Einfluss auf die Fusion von Jazz und Rock ist immens und Erfolg kann nicht verwerflich sein. Zu Recht steht Doldinger zu seinen natürlich auch finanziell lukrativen Filmmusikkompositionen und wenn das Echolot erklingt, taucht in Gedanken noch einmal das U-Boot ab.
 In unerforschten Tiefen bewegt sich zunächst aber der aus Hameln stammende Gitarrist Raphael Vanoli, der mit Kristina Fuchs (Gesang) und Tobias Klein (Saxophon) elektronische Musik, Eric-Dolphy-Jazz und Sigur-Rós-Gesängen durch Klangmanipulationen und Loops ergänzt, wenn alle drei Musiker an ihren Effektgeräten Tasten drücken und Knöpfe drehen. Keine leichte Kost.
 Doldingers Kost hingegen bleibt frisch, weil er seine Band immer wieder mit jungem Blut anreichert. Und der 73-Jährige kann sich für das Keyboardspiel seines letzten Neuzugangs Michael Hornek begeistern. Ein Lächeln umspielt seine Lippen, wenn er mit geschlossenen Augen aufnimmt, was die flinken Finger den Tasten entlocken.
 Doldingers Fusion-Jazz verwelkt aber auch deshalb nicht, weil er offen ist für neue Richtungen. So gibt es am Freitagabend im gut besuchten Lalu die Remix-Version des Titelsongs von Passports erfolgreichster Platte „Ataraxia“, versehen mit vorsichtig integrierten Beats. Verschrecken muss das niemanden, Doldingers anfangs poetisches, dann kraftvolles Sopransaxophon bleibt Mittelpunkt des Stücks.
 CDs wie „Back To Brazil“ oder „Passport To Morocco“ zeugen von Doldingers ungebrochenem Interesse an Weltmusikklängen, die er bereits in seinen Jazzrock einfließen ließ, als das Wort „Globalisierung“ noch lange nicht im Duden zu finden war.
  Ob er zum kleinen Sopransaxophon im Reisetaschenformat oder zum mächtigen Tenorsaxophon greift, ein Melancholiker ist Doldinger nicht. Selbst „After Hours“, die Atmosphäre einer Nachtbar aufnehmend, bietet nur zu Beginn smoothen Jazz. Bald wieder zieht es die Musiker in die Straßen von Rio, auf denen der Karneval tobt (“Sambukada“, „Will-O’The-Wisp“).
 Ein wenig Erholung schaffen Doldingers Griff zur Flöte oder Darouiches Gesang, der nach Nordafrika entführt. Orientalisches klingt an, das Stimmengewirr des Djemaa-el-Fna-Platzes in Marrakesch. Begrenzt bleiben die Soli, herausragend Peter O’Mara an der E-Gitarre, die immer wieder mit Doldingers Saxophon zusammenfindet.
 Doch bald nimmt die Passport-Lokomotive wieder Fahrt auf, rast weiter wie eine gut geölte Maschine. Kein Wunder, dass Doldinger die zahlreichen Anekdoten mitunter etwas kurzatmig vorträgt und sich in ihnen zu verlieren droht: Was sich mit Elke Sommer im Bayerischen Hof zugetragen hat? Vielleicht mehr davon beim nächsten Mal.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare