weather-image
Schüler sammeln in nur zwei Tagen mehr als 700 Unterschriften für menschliches Verfahren

"Tata und ihre Mutter sollen bleiben dürfen!"

Rinteln (ur). " Meine Schüler waren ganz schön geschockt, als sie über die Zeitung von der Ausweise-Androhung gegen ihre Mitschülerin Tatevik Ovanesova und deren Mutter erfuhren", erinnert sich Studienrat Martin Requardt von der Klasse 6-6 des Gymnasium Ernestinum an die ersten Reaktionen. Doch dann machten die Mädchen und Jungen deutlich, dass sie diese behördliche Entscheidung nicht hinnehmen wollen.

veröffentlicht am 09.06.2007 um 00:00 Uhr

Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz (l.) empfängt die Klasse mit L

Sie formulierten einen Brief an Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier, Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz und die Ausländerbehörde in Stadthagen, um für ihre Mitschülerin Tata und deren Familie einzutreten: "Tata ist eine hilfsbereite, fleißige Schülerin mit perfekten Deutschkenntnissen. In unserer Klasse ist sie sehr beliebt und wir haben sie in unser Herz geschlossen." Weiter heißt es: "Wir möchten gern, dass sich Tata wohlfühlt, deswegen ist es wichtig, dass auch ihre Mutter in Deutschland bleiben kann. Tata hängt sehr an ihrer Mutter und es wäre schön, wenn sie den notwendigen Kontakt zu beiden Elternteilen aufrecht erhalten könnte". Positiv heben sie hervor, dass Mutter Antonina Li sich für ausländische Kinder in Rinteln und Umgebung engagiert und Lesungen, Ausstellungen und Tanzvorführungen organisiert. Deshalb unterstützt die Klasse in breiter Geschlossenheit auch die Initiative des bereits mit dem "kleinen Bleiberecht" ausgestatteten Bruders von Tata, dem Abiturienten Kin Ovanesov für das Bleiberecht von Mutter und Schwester: "Die Zukunft ist im Falle einer Abschiebung ungewiss, da die Region Berg Karabach von Bürgerkrieg geschüttelt ist und somit Tata und ihre Mutter dort nicht sicher wären." Zur Weiterleitung an den Landkreisüberbrachtete die Klasse ihren Brief jetzt direkt an Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz: Ganz offiziell im Sitzungssaal, wo Mitschülerin Schaimaa das Stadtoberhaupt aufforderte: "Bitte helfen Sie Tata!" Buchholz legte kurz und verständlich den ausländerrrechtlichen Rahmen der Verfügung dar, sah aber durchaus Chancen, auch auf juristischem Wege noch etwas zu bewegen: "Da sollte aber unbedingt ein Anwalt eingeschaltet werden!" Ansonsten wolle er persönlich gegenüber dem Kreis die Position der Kinder darlegen "und mich für diese Mitbürgerinnen einsetzen." Inzwischen haben die Schüler innerhalb von nur zwei Tagen bereits über 700 Unterschriften gesammelt, mit denen für ein Bleiberecht der gesamten Familie plädiert wird. Ob sie die Erfahrung machen werden, dass man auf der menschlichen Ebene etwas erreichen kann?



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt