weather-image
19°
×

Umso wichtiger erscheint die Frage: Wie viel ist für Kinder angemessen?

Taschengeld reicht nie

Für Kinder und Jugendliche ist das Taschengeld meistens die einzige Geldquelle für persönliche Wünsche. Manche „verprassen“ ihr Geld gleich nach der Auszahlung, andere sparen es monatelang. Die einen sind immer knapp bei Kasse, andere teilen sich das Geld optimal ein. Taschengeld kann in Bezug auf das spätere „finanzielle“ Leben eine wichtige Lern-Lektion sein.

veröffentlicht am 18.12.2014 um 00:00 Uhr

Autor:

Zur Frage, ab wann Kinder ihr eigenes Geld bekommen sollten, hat der Finanzratgeber „Arbeitsgemeinschaft Finanzen“ im Internet eine anschauliche Antwort gefunden: „Mit Taschengeld kann begonnen werden, sobald die Kinder wissen, dass es im Mund nichts zu suchen hat.“ In den Ratgebertabellen zum Beispiel der Jugendämter werden die jüngeren Empfänger von Taschengeld als die Gruppe „unter sechs“ zusammengefasst, und die sollten, so die Empfehlung, etwa einen Euro pro Woche zum selber ausgeben bekommen. Man kann also ruhig frühzeitig mit dem Taschengeld beginnen.

Dass es pädagogisch sinnvoll ist, Kindern eigenes Geld zur Verfügung zu stellen, ist heute unumstritten. Eigenes Taschengeld stärkt die Selbstständigkeit der Kinder. Sie beginnen, Verantwortung für ihre Bedürfnisse zu übernehmen. Sie werden unabhängiger. Sie müssen nicht mit jedem kleinen Wunsch erst zu den Eltern gehen. Sie lernen den Wert von Waren besser einschätzen und erfahren auch, dass Wünsche nicht unbegrenzt finanzierbar sind. Sie können erleben, dass das Geld schnell ausgegeben sein kann, und dass es dann eine Weile dauert, bis sie neues bekommen.

Schulwissen wird praktisch umgesetzt

Ab Schulkindalter ist Geldausgeben immer auch mit etwas Rechenkunst verbunden. Geld zählen: Wie viel habe ich noch? Abziehen üben: Wenn ich mir jetzt dieses kaufe, wie viel bleibt dann übrig? Hier wird Schulwissen ganz praktisch umgesetzt.

Sogar Bankkonten richten viele Eltern heute schon für ihre Kinder ein, Taschengeldkonten bei Banken oder Sparkassen. Das führt die Kinder schon früh an den Gebrauch von EC-Karte, Geldautomat und bargeldlosen Zahlungsverkehr heran, der ja unseren Alltag im Erwachsenenleben immer mehr bestimmt.

Ein Konto zu eröffnen sei für Kinder ab sieben Jahren möglich, erklärt Armin Kisser von der Sparkasse Schaumburg. Dann seien die Kinder beschränkt geschäftsfähig. Und während die Kleinen von den Möglichkeiten eines Kontos eher noch nicht so viel Gebrauch machten, nehme die Nutzungsintensität bei jugendlichen Kunden dann schon deutlich zu, berichtet der Leiter für Privatkundenmanagement.

Zuzuschauen, was die Kinder so von ihrem Taschengeld kaufen, ohne sich einzumischen, fällt den Erwachsenen manchmal schwer. Süßigkeiten, jede Menge Ramsch, Plastikspielzeug, billige Kettchen und Ringe, stehen bei Kindern anfangs hoch im Kurs. Doch auch dabei sammeln sie wichtige Erfahrungen. Wenn ein Kind das Geld gleich nach dem Erhalt für einen Haufen Süßigkeiten ausgibt, und sich erst zu Hause erinnert, dass es doch eigentlich vorgehabt hatte, sich ein neues großäugiges Stofftier für seine Sammlung zu kaufen, merkt es selbst, dass es einen Fehler gemacht hat.

So eine eigene Erfahrung hat viel mehr Lerneffekt als alle klugen erwachsenen Ermahnungen zusammen. Und wenn das zehnte Kettchen nach einem Tag gerissen ist, hat auch das letzte Kind begriffen, dass äußerst preiswerte Dinge nicht lange halten.

Zum Lernen gehören auch Irrtümer dazu, schreibt das Nürnberger Jugendamt in seiner hilfreichen Broschüre zum Thema Taschengeld. Dort wird auch angemerkt, dass Taschengeld nicht für notwendige Anschaffungen, Schulmaterial und Ähnliches eingesetzt werden sollte. Dann verliert es seinen ursprünglichen Sinn, dem Kind einen eigenen Erfahrungsspielraum zu ermöglichen.

Wenn Taschengeld etwas ist, mit dem Kinder und Jugendliche lernen sollen, langfristig und selbstständig zu planen, schließt das von vornherein aus, es willkürlich zur Strafe zu kürzen oder einzubehalten. Man möge es pünktlich, regelmäßig und ohne Murren auszahlen, so die Empfehlung der Nürnberger.

Nachwuchs in die Pflicht nehmen

Das grundsätzliche Recht auf etwas eigenes Geld schließt jedoch nicht aus, dass Eltern ihr Kind auch einmal finanziell zur Verantwortung ziehen können. Wenn ein Kind mutwillig etwas zerstört habe, sollte es für Reparatur oder Wiederbeschaffung auch in die Pflicht genommen werden, rät das Nürnberger Jugendamt. Dabei sollten die Eltern mit dem Kind aber eher ein Abstottern in kleinen Raten vereinbaren, sodass trotzdem ein bisschen eigenes Geld jeden Monat zur Verfügung bleibe.

Auch zum Thema, in welchen Abständen das Taschengeld gezahlt werden soll, haben die Experten einen Rat. Für Kinder unter zehn Jahren sei eine wöchentliche Zahlung am besten geeignet. Ihnen fehle noch die Fähigkeit, das Geld über einen längeren Zeitraum einzuteilen. Ab zehn könne das Taschengeld dann durch eine monatliche Zahlung geübt werden.

So bleibt nur noch die Frage zu klären, wie viel man seinen Sprösslingen denn zahlen sollte. Zur Orientierung gibt es hier Tabellen, die man zum Beispiel im Internet finden kann. Mit kleinen Abweichungen geben sie alle ungefähr dieselben Werte vor.

Kleine Kinder brauchen danach erstmal nur wenig Geld. Für Sechs- bis Siebenjährige gilt ein Vorschlag von wöchentlich 2,50 Euro. Das steigert sich dann von Lebensjahr zu Lebensjahr. Anfangs sind es nur jährliche Erhöhungen von etwa zwei Euro pro Monatstaschengeld. So sollten Zehnjährige monatlich 16 Euro bekommen und Elfjährige dann zwei Euro mehr, nämlich 18 Euro. Den Jugendlichen wird ein deutlicherer Mehrbedarf von Jahr zu Jahr zugestanden. Mit sechzehn Jahren sollten sie schon über 45 Euro verfügen und 18-Jährige ohne eigenes Einkommen spricht die Tabelle 75 Euro zu.

Das Charakteristische an solchen Tabellen ist aber, dass sie nur ungefähre Richtwerte angeben können. Jede Familie ist anders. Wo die einen Eltern sowieso täglich etwas Süßes für die ganze Familie kaufen, muss bei den anderen das Kind seinen „Süßhunger“ ganz vom eigenen Taschengeld stillen.

Manche Kinder bekommen zu Sport- und Vereinsunternehmungen noch etwas Extrataschengeld mit, von anderen wird verlangt, dass sie das vom eigenen Geld zahlen.

Es gibt große Familien, mit großzügigen Omas, Opas und Tanten in der Nähe, die den Kindern noch etwas zustecken. Und auf der anderen Seite leben Kinder auch familiär recht isoliert und vielleicht bei einem alleinerziehenden Elternteil. Die können dann nicht mit solchen Zuschüssen rechnen.

Das Einkommen der Eltern spielt natürlich auch eine entscheidende Rolle. Bei wohlhabenden Familien fallen Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke vermutlich größer aus als bei finanziell schwächeren. Wo die Kassen knapper gefüllt sind, müssen teurere Wünsche dann häufiger vom Taschengeld angespart werden, oder die Eltern erwarten, dass die Kinder zumindest etwas vom eigenen Geld dazusteuern.

Ganz schwierig ist die Situation für Eltern, die von Hartz IV leben müssen. In den zugrunde gelegten Sätzen kommt Taschengeld für die Kinder nicht vor. Auch andere Bestandteile der Bedarfsberechnung stehen als unrealistisch in der Kritik. Wer schon mal versucht hat, einen Heranwachsenden mit einem täglichen Verpflegungsgeld von etwa 4,30 Euro satt zu bekommen, der weiß, dass das nicht klappt. So ist es für Eltern, die Hartz IV beziehen, eine besonders große Herausforderung, ihre Kinder mit ausreichend Taschengeld zu versorgen.

Gelingt das nicht, so geben sie ungewollt ihre eigene finanzielle Ausweglosigkeit an ihre Kinder weiter. Denn wo die Eltern keinen Spielraum haben, um für größere Anschaffungen zu sparen, können auch die Kinder das Sparen und sinnvolle Einteilen mangels ausreichenden Geldes nicht erlernen.

Die Kinder nicht verwöhnen

Bei all den Unterschieden gilt für Eltern dann auch der folgende Rat: Entscheiden Sie die Taschengeldfrage unter Berücksichtigung der Verhältnisse in ihrer Familie. Die kennen Sie am besten. Versuchen Sie, den Kindern und vor allem den Jugendlichen soviel Taschengeld zu geben, dass diese neben den alltäglichen Bedürfnissen noch etwas für größere Wünsche an die Seite legen können. Aber verwöhnen Sie die Kinder auch nicht. Erfüllen Sie nicht selbst alle Wünsche. Und wenn das Geld aufgebraucht ist, sollten Sie nicht noch etwas nachlegen. Machen Sie keine Vorschriften, wofür das Geld auszugeben ist. Allein die Einschränkung, dass es nicht für Zigaretten und Alkohol gedacht ist, befindet auch Nürnbergs Jugendamt für legitim.

Solange es Taschengeld gibt, gibt es auch schon die Diskussionen darüber: Ab wann sollte man den Kindern Taschengeld geben? Wie viel ist angemessen? Sollten die Kinder ihr Geld auch bekommen, wenn sie schlechte Noten schreiben oder gerade viel Unfug anstellen? Muss man einschreiten, wenn die Kinder ihr Geld nur für Unnützes ausgeben? Und wie ist es möglich, dass alle Freunde der Kinder viel, viel mehr Taschengeld bekommen als sie selbst?



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Anzeige
Anzeige