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Deutlicher Anstieg der Bedürftigen-Zahlen in den ersten Monaten / "Mehr Armut wegen Hartz IV"

Tafeln des DRK registrieren 900 Kunden mehr

Landkreis (ej). Es ist noch nicht lange her, da waren die so genannten Tafeln ausschließlich Anlaufstellen für Randgruppen am unteren Ende der Gesellschaft. Die Berührungsängste mit derartigen Einrichtungen war groß, viele schämten sich, das Angebot der Tafeln in Anspruch zu nehmen. Doch dieses Bild hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert, beobachtet DRK-Kreisgeschäftsführerin Ursula Krüger.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 10:06 Uhr

Die Ritter der Tafel-Runde: Regelmäßig bekommen die Mitarbeiter

"Die Zahl der Bedürftigen steigt stetig an", erklärt Krüger. Grund seien nicht zuletzt die Hartz IV-Gesetze. Nach nur einem Jahr mit Arbeitslosengeld I könnten Menschen, die jahrelang gearbeitet haben, schnell in die Armut abrutschen, wenn sie erst einmal auf Hartz IV angewiesen seien. Und aus dieser Not herauswürden dann auch die Berührungsängste verschwinden. "Für viele ist es daher mittlerweile selbstverständlich, die Tafeln zu besuchen", berichtet Krüger. Bundesweit sei die Anzahl der Tafelkunden in den vergangenen Jahren von 500 000 auf 700 000 gestiegen. Auch in Schaumburg spiegele sich dieser Trend wider. Allein die Tatsache, dass aus ehemals zwei Tafeln in Stadthagen und Rinteln weitere Ausgabestellen in Bad Nenndorf und Obernkirchen hinzugekommen sind, zeige, dass die Bedürftigkeit gestiegen sei. Hinzu komme noch die Bückeburger Tafel, die nicht vom DRK betrieben wird. Im Jahr 2006 wurden im Zeitraum von Januar bis Ende Mai kreisweit 8039 Kunden registriert, die für 16 633 Bedürftige Lebensmittel abgeholt haben. Im Jahr 2007 wurden im gleichen Zeitraum fast 900 Kunden mehr registriert - das bedeutet ein Anstieg von mehr als 2000 Bedürftigen. Zwischenzeitlich ist im DRK für das Heranschaffen der Lebensmittel eine ganze Abteilung zuständig, "und es bedarf sehr viel Engagement und Logistik, um den Bedarf zu decken", erklärt Krüger. Für die Tafeln selbst seien kreisweit 20 "1-Euro-Jobber" tätig, die unter der Leitung von Sabine Janke für den reibungslosen Ablauf sorgen. "Die müssen richtig anpacken, denn das sind enorme Mengen, über die wir hier reden", macht Krüger die Dimension deutlich. Und das Spektrum ist groß: Von Brot, Gemüse und Fleisch, bis hin zu Kuchen und Pralinen - dabei stets essbar und nicht abgelaufen. "Ware, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat, dürfen wir gar nicht erst annehmen", versichert die DRK-Kreisgeschäftsführerin. Ganz aktuell sind übrigens frische Schokoladenweihnachtsmänner eingetroffen, in denen Osterhasen stecken. Ein Versehen und unverkäuflich - aber den Kunden der Tafel schmeckt's.



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