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Bankräuber aus Wunstorf spielsüchtig

Täglich 200 Euro verzockt - da hilft nur: "Geld her!"

Hameln /Wunstorf/ Soltau (ube). Er hatte hohe Spielschulden angehäuft, wusste nicht mehr ein noch aus. Da kam der Unternehmer aus Wunstorf auf die Idee, eine Bank auszurauben. Mit seinem Auto fuhr er am 12. Februar "ziel- und planlos" durch die Gegend. In Hameln fand der 41-Jährige um 12.30 Uhr, wonach er gesucht hatte: eine kleine Bankfiliale. Er stellte seinen Wagen auf einem Parkplatz an der Fischbecker Straße ab und ging zu der Zweigstelle der Volksbank Hameln-Stadthagen, in der sich zu dieser Tageszeit lediglich zwei Kundenberaterinnen (42 und 59 Jahre alt) aufhielten. Der Täter trug weder Maske noch Handschuhe. Er richtete seine Pistole auf die Frauen und forderte in gebrochenem Deutsch: "Geld her!"

veröffentlicht am 07.06.2007 um 00:00 Uhr

"Geld her!" Mit einer Pistole bedrohte der Räuber zwei Frauen.

Was der Mann nicht wusste: Die Zweigstelle am Mertensplatz war bereits 16 Tage zuvor, vermutlich von einem Pärchen, überfallen worden, das mit abgesägten Schrotflinten bewaffnet war. Der Räuber - ein Deutscher polnischer Herkunft - verschwand nach der Tat. Er hinterließ keine Spuren. Vorgestern, Dienstag, um 13 Uhr schlug derselbe Mann erneut zu - diesmal in Soltau. Dortüberfiel er die Zweigstelle der Kreissparkasse an der Walsroder Straße. Bei diesem Verbrechen hatte sich der Familienvater - er ist verheiratet und hat zwei Kinder - eine Strumpfmaske über den Kopf gezogen. Nach dem Überfall in Hameln hatte er in der Bild-Zeitung einen von der Volksbank Hameln-Stadthagen veröffentlichten Steckbrief gesehen und sich auf den Fotos, die die Überwachungskameras gemacht hatten, wiedererkannt. Als er die Anzeige sah, dachte der Spielsüchtige: "Jetzt ist es aus!" Das Gegenteil war der Fall. Niemand, der ihn kannte, nahm den Fahndungsaufruf zur Kenntnis. 200 Euro hat der Unternehmer, der vergeblich versucht hat, auf ehrliche Weise Geld im Dienstleistungssektor zu machen, eigenen Angaben zufolge täglich verspielt. Irgendwann lieh ihm niemand mehr etwas. In Soltau bedrohte der Vater zweier Kinder zwei Sparkassen-Angestellte (22 und 25 Jahre alt) mit einer Pistole. Er erpresste ein paar tausend Euro. Als der Täter die Zweigstelle verließ, lief er zwei Polizeibeamten in die Arme, die schon mit gezogenen Pistolen auf ihn gewartet hatten. Den Überfallenen war es gelungen, stillen Alarm auszulösen. Der Räuber wurde überwältigt und in Handschellen abgeführt. "Diese Festnahme hat sich abgespielt wie im Film", sagte der Sprecher der Polizeiinspektion Soltau-Fallingbostel, Detlev Maske. Während seiner Vernehmung legte der Wunstorfer ein umfassendes Geständnis ab. Er erzählte den Ermittlern, dass er Anfang Februar eine Bank in Minden überfallen habe. Die Beamten in Nordrhein-Westfalen staunten nicht schlecht, als sie diese Nachricht erhielten, denn: In Minden gab es zu dieser Zeit keinen Banküberfall. Der Unternehmer wurde erneut befragt. Diesmal sagte er: "Ich bin damals von der A 2 abgefahren. Dann muss es in Hameln gewesen sein..." Vorgestern um kurz vor 18 Uhr erhielt der Hamelner Kriminalhauptkommissar Frank Keller Kenntnis von der Aussage des Mannes. Sofort beantragte er bei der Staatsanwaltschaft einen Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung des Geständigen. "Wir sind umgehend nach Soltau gefahren, haben mit dem Mann anderthalb Stunden lang gesprochen", sagt der Leiter des 2. Fachkommissariats, Kriminalhauptkommissar Dietmar Hasewinkel. "Der Mann wusste Details, die nur der Täter kennen kann. Zudem sieht er der Personauf den Fahndungsbildern ähnlich." Allerdings sei der Bankräuber nicht so dick, wie es scheine. Die Polizei glaubt derzeit nicht, dass der Firmenchef noch weitereÜberfälle begangen hat. "Er ist sehr kooperativ und glaubwürdig", hieß es.



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