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"Die Erbschaft": Premiere für Apelerns Laienspiel-Jugend / Heute noch eine Aufführung

Szenenapplaus für das "blonde Dummchen"

Apelern (nah). Die Laienspielgruppe Apelern muss sich keine Sorgen um fehlenden Nachwuchs machen. Zehn junge Frauen eroberten die Bühne und die Herzen des Publikums mit der Komödie "Die Erbschaft". Es war eine doppelte Premiere: die des Stücks und die des vor einigen Monaten gebildeten Ensembles. Als "The New Generation" wollen die jungen Leute in die Fußstapfen der seit 25 Jahren agierenden Theaterleute der Riesbachgemeinde treten.

veröffentlicht am 23.02.2008 um 00:00 Uhr

Kein Idyll: Eine der Nichten soll Tantes Erbschaft erhalten. Fot

"Unsere Spielerinnen sind gut drauf", erzählte Regisseurin Brigitte Hillen den rund 50 Besuchern in der Mehrzweckhalle der Lauenauer Albert-Schweitzer-Schule, bevor sie den Vorhang zum ersten Akt aufzog. Mag sein; aber das Lampenfieber muss den zehn Akteurinnen einfach zu schaffen gemacht haben. Dabei waren sie auf ihre Rollen bestens vorbereitet: Wochenlang hatten sie geprobt. Zudem dürften eine Menge Tipps gegeben worden sein. Denn manche Eltern verfügen selber über Bühnenerfahrung; andere Akteurinnen sind in einer Theater-AG an ihrer Schule fleißig. Trotzdem: Sich einfach so ins Scheinwerferlicht zu stellen und in eine Rolle zu schlüpfen, die vielleicht ganz und gar nicht der persönlichen Einstellung entspricht, will für Zehn- bis 17-Jährige schon etwas heißen. Aber sie überzeugten in den ganz unterschiedlichen Charakteren von neun Nichten, die einen Monat lang in der Villa einer verstorbenen Tante miteinander auskommenmüssen. Nur dann soll nach notarieller Weisung eine von ihnen das hinterlassene Vermögen erhalten: die Verträumte oder die Karrieresüchtige, die Pastorin oder die ewige Studentin, die Psychotherapeutin oder die Künstlerin, die Flippige oder die Alkoholikerin. Geradezu köstlich war das blonde Dummchen, das immer wieder für Gelächter und für Beifall auf offener Szene sorgte. Die Konflikte, die bei so verschiedenen Sicht- und Lebensweisen zwangsläufig auftreten, mochten manchen Besuchern durchaus bekannt vorkommen: Da spielte sich die Realität auf der Bühne ab. Deshalb hätte das von Hillen und den Mitbetreuerinnen Kerstin Lefeber, Helma Kolle und Maria Thöne ausgewählte Stück nicht besser sein können. Hinzu kam ein verblüffender Schluss: Ausgerechnet das Flittchen, das schon nach wenigen Tagen des Zusammenlebens unter einem Dach überdrüssig war, erbte den größten Teil des Nachlasses. Aber nicht in Form der sich als marode erweisenden und mit billigen Kopien ausgestatteten Villa, sondern als armselige Kate mitten in einemIndustrierevier, jedoch ausgestattet mit einem Tresor, in dem die eigentlichen Kunstschätze aufbewahrt seien. Reich beschenkt sind jedoch auch die Zuschauer mit dieser Inszenierung geworden. Einmal gibt es noch die Gelegenheit, die Begleitumstände der "Erbschaft" zu erleben: am heutigen Sonnabendum 18 Uhr auf der Lauenauer Schulbühne. Ein Besuch lohnt sich. Der "New Generation" sind deshalb vollbesetzte Stuhlreihen zu wünschen - und viel Ehrgeiz, bald wieder Theater spielen zu wollen.



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