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Martini-Gemeinde und Stadt laden zum traditionellen Weinfest ein / Erlös für Gedenkstätte

Synagoge als Gemeinschaftsprojekt aller Bürger

Stadthagen (jl). Das Weinfest rund um die St.-Martini-Kirche am Sonnabend dieser Woche hat einen besonderen Status: Als Veranstalter treten Kirchengemeinde und Stadt gemeinsam auf. Der Grund: DerÜberschuss des Festes soll zum Ausbau der ehemaligen Synagoge diene n.

veröffentlicht am 02.09.2008 um 00:00 Uhr

Mit den Erlösen der Weinfeste früherer Jahre ist unter anderem die Kern-Orgel in der Martini-Kirche zum Teil finanziert worden. Für das Weinfest 2008 ist die Messlatte offenkundig höher gelegt worden. Nach den Erläuterungen von Oberprediger Klaus Pönnighaus und Bürgermeister Bernd Hellmann soll der Überschuss den Grundstock für die Sanierung und den Ausbau der ehemaligen Stadthäger Synagoge zur Erinnerungsstätte für die Opfer des Nazis-Terrors bilden. Dafür kostet das Glas Wein an den beiden Ständen im Schatten der Kirche etwas mehr. Zehn Sorten Rebensaft aus dem benachbarten Feinkosthaus Tietz werden im Ausschank sein. Dazu gibt es Käse, Bratwurst und reichlich Zwiebelkuchen, wie der Oberprediger versprochen hat. Das Weinfest beginnt um 18.30 Uhr. Hellmann machte deutlich, dass das Beispiel Weinfest die Richtung anzeigt, wie das Erinnerungsprojekt nach seiner Meinung richtig angepackt wird: "Es muss ein Bürgerprojekt sein und muss finanziell im Wesentlichen von den Bürgern getragen werden." Wie berichtet, hat die Stadt inzwischen einen Mietvertrag für 25 Jahre über das zuletzt als Lager genutzte Gebäude abgeschlossen. Seitdem haben der Baubetriebshof der Stadt sowie Privatfirmen mit dem Aufräumen für spätere Baumaßnahmen begonnen. Wie umgebaut wird, was in der ehemaligen Synagoge zu sehen und zu erleben sein wird -das soll der noch zu gründende Förderverein maßgeblich bestimmen. Der Verein wird sich voraussichtlich im November konstituieren. Im Rathaus haben sich nach Angaben des Bürgermeisters schon einige Bürger gemeldet, die das Erinnerungsprojekt aktiv mitgestalten wollen. Pönnighaus bekräftigte eine Zielrichtung, die in den drei vorbereitenden Veranstaltungen um die vergangene Jahreswende ganz oben gestanden hatte: Die Erinnerungsstätte müsse die Zeit von 1933 bis 1945 für nachfolgende Generationen zugänglich machen. Die drei Veranstaltungen sind übrigens Gegenstand einer Dokumentation, die der damalige Moderator Günter Schlusche und Sigmund Graf Adelmann, der Geschäftsführer der Schaumburger Landschaft, zurzeit vorbereiten. Eine weitere bedeutende Veranstaltung steht am 9. November zum 70. Jahrestag der Pogromnacht in der Martini-Kirche an. Da soll den jüdischen Kultusgemeinden in Schaumburg die Nachbildung einer alten Menora überreicht werden. Den neunarmigen Leuchter hat Hasso Neumann, Künstler und Initiator des Erinnerungsprojektes, bereits fertig gestellt.

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