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Vor Gericht: Vorsitzende Richterin verkündet mehrjährige Haftstrafen und zeigt Mitleid / Bosse der Bande im Ausland

"Sympathischste Panzerknacker, die mir je begegnet sind"

Steinbergen/Bückeburg (ly). Sie taten es aus Armut: Im Prozess gegen die vier Panzerknacker von Steinbergen hat Richterin Dr. Birgit Brüninghaus mehrjährige Haftstrafen verkündet und zugleich Mitleid gezeigt. "Dies sind die sympathischsten Panzerknacker, die mir je begegnet sind", sagte Brüninghaus, Vorsitzende der 1. Großen Strafkammer am Bückeburger Landgericht. "Wenn ich an ihre Kinder denke, könnte ich mit ihnen weinen."

veröffentlicht am 17.05.2007 um 00:00 Uhr

Persönliche Wünsche für die Angeklagten würden jedoch durch die vom Gesetz vorgeschriebenen Strafen begrenzt. "Und die sind immens." Mit sechs Jahren und acht Monaten Haft am härtesten bestraft wird ein im Landkreis Schaumburg lebender Rumäne. Die drei anderen Männer waren extra nach Deutschlandeingereist, um die Taten zu begehen, zum Teil mehrfach. Zwei von ihnen bekamen dafür jeweils fünfjährige Gefängnisstrafen, der dritte vier Jahre und neun Monate. Auf schweren Bandendiebstahl stehen bis zu zehn Jahre Haft. Im Prozess hatten die Angeklagten alles zugegeben, echte Reue gezeigt, zum Teil herzerweichende Geschichten erzählt und einen netten Eindruck gemacht. Üble Verbrecher stellt man sich anders vor. Was die vier Rumänen getan haben, gehört aber in die Kategorie schwere Kriminalität. Etwa ein Dutzend Autos hatte die Bande gestohlen, um mit den Fahrzeugen reihenweise Geldautomaten aus den Verankerungen zu reißen und abzutransportieren. Tresore erbeutete das Quartett auf diese Weise in der Volksbank Steinbergen, in Rehburg-Loccum, Ronnenberg und im hessischen Kirtorf. Die Beute: zusammen mehr als 100 000 Euro. In weiteren Fällen war es beim Versuch geblieben. Gefasst wurden die Panzerknacker im Oktober 2006, nachdem in der Volksbank Helpsen das Stahlseil gerissen war. Das Motiv der Rumänen war offenbar wirtschaftliche Not. "Wut und Verzweiflung" verspürt Richterin Brüninghaus angesichts dieser "Lebensumstände, in welche die Angeklagten hineingeboren wurden". Und wenn die Vorsitzende daran denkt, dass einer der Männer seiner schwer kranken Freundin von der Beute eine Behandlung im Ausland bezahlen wollte, "legt sich eine eiskalte Hand um mein Herz". Besonders einer der Rumänen habe den Ermittlungsbehörden durch sein Geständnis "einen unschätzbaren Dienst erwiesen" und gleichzeitig "sich selbst in große Gefahr begeben", so Brüninghaus. Die Bosse der Bande werden nämlich im Ausland vermutet. Sie schätzen es nicht, wenn Untergebene auspacken. Für die Angeklagten sprach außerdem, dass diese keine Gewalt gegen Menschen angewendet hatten, sondern bei Störungen sogar geflohen waren. Am Rande: Zwei der Männer haben in Untersuchungshaft versucht, sich umzubringen.



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