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Marco Winter im Interview

Sylter Hotelier: „Wir bewerben uns um Mitarbeiter“

Über schwarze Schafe in der Branche und gutes Marketing: Der Sylter Hotelier Marco Winter im Interview.

veröffentlicht am 06.06.2019 um 12:48 Uhr

Herr Winter, Sie leiten das Hotel Budersand auf Sylt, vorher waren Sie im Hotel Atlantic in Hamburg. Wo ist es schwieriger, Personal zu finden?

 

Was das Budersand angeht, so dürfen wir uns nicht beklagen. In den großen Metropolen dagegen schießen derzeit die Hotels nur so aus dem Boden. Dort ist die Konkurrenz natürlich um ein Vielfaches größer und der Markt so gut wie leer gefegt.

 

Welche Gründe lassen sich für den Mangel an Fachkräften anführen?

 

Teilweise ist das Problem natürlich hausgemacht. Denn auch in unserer Branche gibt es schwarze Schafe. Das fängt bei Überstunden, die nicht bezahlt werden, sowie fehlender Wertschätzung an und hört bei den Gehältern auf. Ein zweiter Punkt ist, dass die Mehrheit der Gäste sehr preissensibel ist. Die Folge ist, dass viele Gastronomen oder Hotelliers zu schnell an der Kostenschraube drehen. Dabei gilt am Ende immer noch der Satz: Wer keine Mitarbeiter hat, der macht auch keinen Umsatz.

 

Haben sich die Ansprüche bei den Bewerbern auch verändert?

 

Auf jeden Fall. Wir haben es mit einer jungen Generation zu tun, für die ein gutes Gehalt natürlich dazugehört, aber nicht immer den finalen Ausschlag im Bewerbungsgespräch gibt. Hinzu kommt, dass die junge Generation mittlerweile vollständig digital lebt. Das heißt für uns als Arbeitgeber, dass wir lernen müssen, diese Sprache zu sprechen. Facebook und Instagram sind bei der Mitarbeitersuche mittlerweile genauso wichtig wie das Employer Branding. Es reicht längst nicht mehr aus, einfach nur eine Stellenanzeige zu schalten, sondern man muss sich als attraktiver Arbeitgeber positionieren und dementsprechend die eigene Marke ständig aufwerten und entwickeln. Denn mittlerweile bewerben wir uns um die Mitarbeiter. Und deren Ansprüche steigen ständig.

 

Was heißt das in der Praxis?

 

Das heißt zum Beispiel auch, dass sich die Führungsweise geändert hat, beziehungsweise ändern muss. Der „Herr Direktor“ gehört der Vergangenheit an. Vielmehr müssen wir immer ansprechbar sein für unsere Mitarbeiter und Perspektiven aufzeigen können. Jedes größere Haus sollte zudem eine Personalabteilung als Anlaufstelle für Mitarbeiter haben. Denn die Hotellerie und Gastronomie als Arbeitgeber wieder attraktiver zu machen ist ein langfristiges Projekt.

 

Interview: Nora Lysk



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