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Amtseinführung mit musikalischer Opulenz und Reflexionen zur Kirche im freien Feld der Welt

Superintendent "mit Vertrauensgarantie"

Rinteln (ur). Einen Festgottesdienst mit einiger musikalischer Opulenz "leistete" sich der Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg zur Amtseinführung von Superintendent Andreas Kühne-Glaser und da dieser traditionsgemäß auch Inhaber der Pfarrstelle I der Nikolai-Gemeinde ist, fand diese Veranstaltung natürlich in der Rintelner Hauptkirche statt.

veröffentlicht am 19.09.2006 um 00:00 Uhr

Superintendent Andreas Kühne-Glaser am Altar. Foto: tol

Die musikalische Ausgestaltung der sehr gut besuchten Veranstaltung besorgten unter Leitung von Kantor Wolfgang Westphal die Sopranistin Katharina Leyhe, der Trompetensolist Helmuth Pöhner und das Schaumburger Kammerorchester und an der Orgel wirkten Regina Ackmann und Matthias Neumann mit. In Anwesenheit von Landessuperintendent Arend de Vries erfolgte die offizielle Einführung Kühne-Glasers, der sich in seiner anschließenden Predigt auf Verse aus dem Ersten Buch Mose 28 bezog, der Passage also, wo Jakob die Himmelsleiter schaut und sich schlafend und träumend unter freiem Himmel in die scheinbare Schutzlosigkeit des Firmaments stellt. Auch mit dem Abschied aus der vertrauten Struktur seines bisherigenökumenischen Gemeindezentrums und dem Aufbruch in den neuen Aufgabenbereich sei zunächst eine solche Schutzlosigkeit verbunden, die ein besonders Vertrauen verlange, das der Prediger in Erweiterung zu den Aussagen von Jesus im sog. Kinderevangelium so formulierte: "Wer das Reich Gottes nicht in tiefem Vertrauen, in großer Offenheit und in großer Sehnsucht und Bedürftigkeit empfängt, so wie es ein Kind kann, der wird nicht hineinkommen." Und weiter führte er aus: "Wer ein Kind im Schlaf beobachtet, kann diesen Satz noch mehr verstehen. Vielleicht hat auch Jakob in dieser Nacht auf dem Feld so ausgesehen. Und vielleicht sehen auch wir so aus, wenn wir schlafen und Kraft schöpfen aus dem, was uns im Schlaf geschenkt wird." Man möge diesen Gedanken aber nicht so interpretieren, dass er als Superintendent die Gemeinde in kollektiven Schlaf versetzen wolle: Vielmehr lebe eine glaubhafte Kirche auch davon, wie sehr sie sich aufmerksam und wach immer wieder auf das freie Feld vorwagt, wo nicht menschengemachte Sicherheiten zählen, sondern die Nähe Gottes: "Ich habe um unsere Kirche keine Sorge. Denn sie und alle die, die in ihr glauben, leben aus solchen Erfahrungen. Darum gehe ich gern und mit Freude mit Ihnen und Euch in meinen Dienst hier im Kirchenkreis. Amen." Beim anschließenden Empfang im Ratskellersaal nahmen zahlreiche Vertreter von Gemeinde, Politik und Ökumene die Gelegenheit wahr, dem neuen Superintendenten ihre guten Wünsche für seine Amtsführung auszusprechen und ihm beziehungsreiche Geschenke zu widmen. Ob Landrat Heinz Gerhard Schöttelndreier, Erster Stadtrat Jörg Schröder, Ortsbürgermeister Ulrich Goebel oder der katholische Pfarrer Michael Nettusch als beauftragter Sprecher der Rintelner Ökumene - sie alle boten ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit an und zeigten damit, dass Andreas Kühne-Glaser bereits gut in seinem neuen Wirkungskreis angekommen ist. Und so wird man wohl so schnell nicht auf das Angebot zurückgreifen, dass Superintendent Phillip Meyer aus dem Kirchenkreis Hameln-Pyrmont in Anlehnung an die Werbestrategien der Verbrauchermärkte mit ihrer "Vertrauensgarantie" machte: "Bei Nichtgefallen nehmen wir ihn jederzeit gern zurück!"

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