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Warum der Regenwurm für uns so wichtig ist

Superheld in Wald und Wiese

WESERBERGLAND. Um gleich mit einem uralten Irrglauben aufzuräumen: Keinesfalls leben beide Teile weiter, wenn der Regenwurm in der Mitte durchgeteilt wird. Richtig ist: Wird das Hinterende abgetrennt, kann er es wieder ausbilden. „Das ist schlau, wenn er zum Beispiel von einem Fressfeind gepackt wird.“ Sagt Sabine Klingelhöfer, Diplom-Ingenieurin für Gartenbau. In unserer Serie „Einfach tierisch“ geht es heute um den Regenwurm.

veröffentlicht am 11.05.2018 um 17:03 Uhr

Ein Spatenstich in die Erde, und schon kommt er ans Tageslicht: der Regenwurm. Aber bitte nicht in der Mitte durchteilen! Foto: Pixabay
Kerstin Hasewinkel

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Kerstin Hasewinkel Stv. Redaktionsleiterin zur Autorenseite
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Ein weit verbreitetes Märchen, das sich ebenso hartnäckig wie die Mär vom Durchteilen hält, räumt Heiko Brede aus, indem er neuste Erkenntnisse von US-Wissenschaftlern zitiert: Seinen Namen hat der Regenwurm demnach, weil Regen eine ähnliche Frequenz von Tönen auf dem Erdboden erzeugt wie die Tritte eines Fressfeinds, dem Maulwurf. „Deshalb kommen die Regenwürmer bei Regen aus ihren Gängen an die Oberfläche, wenn es regnet“, so der Förster für Waldökologie beim Niedersächsischen Forstamt Oldendorf. Ursprünglich wurde der Name „Regenwurm“ von „reger Wurm“ abgeleitet, weil er so aktiv ist. Fortbewegen kann sich der Wurm durch Kontraktion seiner Längs- und Quermuskeln.

Der unscheinbare Bewohner des Garten- und Waldbodens ist nach Meinung von Sabine Klingelhöfer sogar eines der „am meisten unterschätzten Tiere unseres Planeten“. Klingelhöfer ist beim heimischen Gartenspezialisten Neudorff für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und bekennt: „Ich bin ein wahrer Fan des Regenwurms.“

Und sie macht sich für ihn stark, denn: Ein natürlicher Feind des Regenwurms ist neben dem Maulwurf, Dachs, Wildschweinen, Igeln oder Vögeln sowie anderen Bodenorganismen mancher Mensch. „Es gibt tatsächlich Anfragen, wie man den Regenwurm bekämpfen kann, weil sich die Leute beispielsweise über den Kot ärgern“, berichtet die Diplom-Ingenieurin Gartenbau. Ihre Antwort: „Seien Sie froh, dass Sie den Regenwurm haben.“ Denn das Tier ist ein wahrer Superheld: Wenn es ihn nicht geben würde, „hätten wir viel mehr Hochwasser“, erklärt Sabine Klingelhöfer. Für den schnellen Abzug von Regenmassen sind die Regenwurmgänge unverzichtbar. Im Weserbergland ist der Boden schwer und hart, würde der Regenwurm die Erde nicht auflockern, könnte das Wasser nicht so schnell abziehen. Auch im Rasen würde sich Staunässe bilden, das Moos sprießen. Die Gartenexpertin: „Regenwürmer sorgen in großem Umfang für lockeren, fruchtbaren und krümeligen Boden. Sie können säurehaltige Bodeninhaltsstoffe neutralisieren. Regenwurmkot ist unglaublich nährstoffreich, vor allem Kalium, Phosphor, aber auch Stickstoff und Magnesium finden sich darin.“

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Und so gibt es auch diejenigen, die sich eigens Regenwürmer anschaffen, um die Qualität des Bodens zu verbessern. Regenwürmer fressen vor allem vermoderndes Pflanzenmaterial zusammen mit Ton- und Sandpartikeln. Durch die Sandkörner zerreibt er die Nahrung gleichmäßig. Klingelhöfer: „Im Tagesverlauf kann ein Regenwurm ein Drittel seines Körpergewichts fressen – das macht im Jahr mehrere Tonnen Erde, die er auf diese Weise verbessert.“

Übrigens: Die neuen Rasenmäherroboter sind durchaus tierfreundlich, da sie den Rasenschnitt fein zerhäckselt auf der Rasenfläche verteilt liegenlassen – Futter für den Regenwurm.

Ansonsten empfiehlt es sich, abgestorbene Pflanzenreste nicht einzusammeln, sondern auf den Beeten zerkleinert liegenzulassen – dem Regenwurm zur Freude. Bei geeignetem Substrat können laut Brede durchschnittlich 100 Würmer auf einem Quadratmeter leben. Die Tiere können drei bis acht Jahre alt werden; es sind Zwitter, haben also beide Geschlechtsorgane. Regenwürmer leben in Wohnröhren, die bis zu zwei Meter in die Tiefe führen können. Im Wald sind Regenwürmer laut Förster Brede genauso wichtig wie zu Hause: „Jedes Jahr fallen Tausende von Blättern herab. Unsere Laubwälder sind eine tolle Nahrungsbasis für die Würmer.“

Gartenliebhaber, die ihren Boden mit Hilfe des Superhelden Regenwurm verbessern wollen, können Kompostwürmer bestellen. Klingelhöfer: „Das ist eine spezielle Sorte, die Eisenia hortensis.“ Neudorff arbeitet hier mit Züchtern zusammen, der Kunde kann einen Gutschein erwerben und die Würmer online bestellen, die dann im Eimer auf dem Postweg zugeschickt werden.

Am Montag lesen Sie: Nervensäge Maulwurf.



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