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"Azubi gesucht": Kein einziger Bewerber nutzt Möglichkeit zur Präsentation / "Frust tiefer als je zuvor"

"Super Plattform - nehmt diese Chance wahr!"

Landkreis (crs). "Azubi gesucht!" So heißt die gemeinsame Ausbildungsplatz-Aktion unserer Zeitung mit der Agentur für Arbeit. Auf ganz unerwartete Weise ist dieses Motto tatsächlich zum Programm geworden: Denkbar gering ist die Resonanz auf das Angebot an alle Jugendlichen, sichüber unsere Zeitung mit Foto und Steckbrief kostenfrei potenziellen Arbeitgebern zu empfehlen - kein einziger Azubi-Anwärter hat sich gemeldet.

veröffentlicht am 26.08.2006 um 00:00 Uhr

"Wir sind irre enttäuscht", sagt Jutta-Brigitte Fischer von der Agentur für Arbeit. Etliche Bewerber hat sie persönlich angeschrieben, auf die Möglichkeit zur öffentlichkeitswirksamen Eigenwerbung aufmerksam gemacht. Ein Appell, der ebenso ohne Erfolg geblieben ist wie der tägliche Aufruf in unserer Zeitung. Aber warum nur?Über die Ursachen für die augenscheinlich geringe Motivation der jungen Leute kann Jutta-Brigitte Fischer nur spekulieren. "Viele sind angesichts immer katastrophalerer Schreckensmeldungen vom Ausbildungsmarkt wie gelähmt", vermutet sie eine ganz tief sitzende Resignation. Aussagen wie "Das hat doch alles keinen Sinn" oder "Ich finde sowieso keine Stelle" hören die Ausbildungsberater der Agentur für Arbeit nahezu jeden Tag. "Etliche Bewerber haben eigentlich schon aufgegeben, bevor sie esüberhaupt mit einer Bewerbung versuchen." Der Hang zur inneren Resignation hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt, so der persönliche Eindruck der Ausbildungsmarkt-Expertin: "Der Frust sitzt tiefer als je zuvor." Und dadurch wächst offenbar die Bequemlichkeit. Nach Realschul- oder Hauptschulabschluss gehen viele Jugendliche weiter zur Berufsschule, ohne sich überhaupt um einen Ausbildungsplatz zu bemühen. "Das kann auch zur Falle werden", warnt Fischer. Zur selbstständigen Stellensuche sind etliche Schulabgänger aber offenbar weder bereit noch in der Lage: In ihren Eltern finden sie ihre Kümmerer, die für sie bei der Agentur für Arbeit anrufen - Motto: "Mama macht das schon". Einen wichtigen Rat gibt die Arbeitsagentur allen Bewerbern mit auf den Weg: Flexibilität an den Tag zu legen. "Wenn es mit dem Traumberuf nicht klappt, muss halt Plan B in Angriff genommen werden." Denn der Zug ist noch nicht abgefahren: Bis in den September hinein werden weiter Ausbildungsplätze vermittelt, im Oktober startet die Agentur für Arbeit eine große Nachvermittlungsaktion. "Ihr müsst bloß an der Sache dranbleiben!" redet Fischer den Jugendlichen ins Gewissen. Dass eine Eigenpräsentation in der Zeitung nicht ohne Wirkung auf potenzielle Ausbildungsbetriebe bleibt, daran glaubt sie ganz fest. Statistiken könnten schließlich nichts weiter sein als anonyme Zahlen - "ein Gesicht hat schon eine ganz andere Aussage". Deswegen appelliert sie eindringlich an alle Bewerber, die noch keine Ausbildungsstelle haben: "Wir bieten Euch eine super Plattform - nehmt diese Chance wahr!" Kontakt: Bewerber, die sich in unserer Zeitung mit Foto und Steckbrief präsentieren möchten, können sich bei uns melden: (05751) 4000-543, E-Mail: c.riewerts @schaumburger-zeitung. de .

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